GRÜNSTADT RHEINPFALZ Plus Artikel Die Sportkolume: Lewandowski im Schlafanzug

2019 waren die Bayers schon wieder Meister.
2019 waren die Bayers schon wieder Meister.

In der Liga beginnt der Meister-Motor der Bayern langsam zu stottern. Wie können die Münchner am Ende doch noch auf dem Rathausbalkon stehen?

Denjenigen unter uns, die sich tatsächlich noch für die Spiele der Fußballbundesliga interessieren, dürfte eine besorgniserregende Entwicklung der letzten Wochen nicht entgangen sein: Zum ersten Mal seit Einführung des allgemeinen Wahlrechts sind die Bayern ihren Konkurrenten nicht mehr haushoch überlegen. Zwischenzeitlich waren sie sogar nicht einmal mehr Tabellenführer, quälten sich vergangene Woche gegen eine Kölner Thekenmannschaft zu einem mühsamen 2-1-Sieg – und dies, obwohl die Spaßtruppe aus dem Rheinland extra Markus Gisdol als Trainer angeheuert hatte. Das Ergebnis: bislang nur 15 (!) Punkte aus sechs Spielen. Wenn diese Entwicklung anhält, droht der Bundesliga im schlimmsten Fall etwas, das sie in ihren Grundwerten erschüttern könnte: Spannung. Oder, quasi als Worst-Case-Szenario, sogar ein anderer Meister als Bayern München. Doch die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie nicht das eine oder anderen Bayern-Gen im Ärmel hätten, das sie im Fall des Falles ihren Konkurrenten noch entgegenschleudern können. Ein Überblick über die fünf wahrscheinlichsten Szenarien für das Saisonende:

1. Alternative Fakten schaffen. Wie jeder weiß, werden die Bayern ja sowieso Meister. Warum also mit der Feier bis Saisonende warten? Karl-Heinz Rummenigge tritt nach der Heimniederlage am zwölften Spieltag gegen Wolfsburg vor die Presse und verkündet: „Offen gesagt, wir haben die Meisterschaft gewonnen.“ Anschließend gibt es eine Weißbierdusche, Rathausempfang und Fotos von Robert Lewandowski im Bett neben der Meisterschale.

2. Punktestand anfechten. Borussia Dortmund wird mit sieben Punkten Vorsprung Deutscher Meister? Dann schleicht sich Hasan Salihamidzic einfach heimlich in das Sportschau-Studio und dreht an ein paar Meisterschräubchen. Der Masterplan: Brazzo versteckt sämtliche Rechenschieber, klaut die Batterien aus allen Taschenrechnern und murmelt solange irgendwelche Zahlen vor sich hin, bis Matthias Opdenhövel beim Ausrechnen der Tabelle den Verstand verliert. Herzlichen Glückwunsch, die Bayern sind Meister!

3. Rechtsverdreher in Stellung bringen. Bei Rekordmeisterproblemen aller Art haben die Bayern immer den passenden Paragraphenschrauber in der Tasche. Borussia Mönchengladbach führt am 30. Spieltag mit 5-0? Dann wird einfach schnell ein Spielabbruch durch alle Instanzen gejagt, sämtliche Tore für ungültig erklärt oder die Saison einfach komplett abgebrochen. Damit das Ganze so richtig trumpelt, müssen die Gladbacher auch noch sämtliche Gerichtskosten tragen – schon haben die Meisterträume am Niederrhein ein böses bis insolventes Erwachen.

4. Fußball? Nebensache! Sollte doch alles schiefgehen und am Saisonende Julian Nagelsmann mitsamt Meisterschale und Permanent-Make-Up im ZDF-Sportstudio sitzen, gilt es, diskursive Lösungen zu finden. Erfahrungsgemäß wird nun auf Dinge verwiesen, die zweifelsohne wichtiger sind als Fußball: Leipzig mag zwar Meister sein, aber dafür haben die Bayern bisher noch keinen einzigen Krieg angefangen.

5. Einen Krieg anfangen. Der Klassiker: Niemand beherrscht die Klaviatur der Abteilung Attacke so kultiviert wie der FC Bayern. Fans aufwiegeln, Gegner beschimpfen, haltlose Gerüchte streuen – das sind genau die richtigen Zutaten, um einen gemütlichen Bürgerkrieg in Gang zu bringen. Wenn die Bayern diesen gewinnen, kann sich Lewandowski schon mal seinen Schlafanzug anziehen. Falls sie ihn verlieren, ist das auch kein Problem: Dann wenden die Rummenigges einfach die Szenarien 1-4 an.

Christoph Rehm.
Christoph Rehm.
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