Grünstadt Die Helfer im Kühlschrank

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Platz – vor allen Dingen haben die Angestellten der Abteilungen Biologischer Pflanzenschutz und Saatgutbehandlung mehr Platz gebraucht. Für Projekte, mit denen sie sich seit dem Jahr 2013 verschärft beschäftigen. Damals wurden von der BASF neue Ziele in diesen beiden Geschäftsbereichen definiert, und es stellte sich schnell heraus, dass die Arbeit danach viel mehr Raum in Anspruch nahm als davor. Raum für Versuchsreihen, bei denen behandeltes Saatgut in den Boden eingebracht wird und keimen darf. Raum für Tests, bei denen nützliche Bakterien allerlei Pflanzen besiedeln sollen, um ihre Wirkung zu erproben. Raum für große Kühlschränke, in denen eine „Bibliothek“ mit Zehntausenden von Mikroorganismen untergebracht ist, die noch auf ihren Einsatz warten. Das alte Gebäude war für all das nicht groß genug. Deshalb begann das Chemieunternehmen bereits 2014 mit dem Bau eines neuen Forschungs- und Entwicklungszentrums. Mehr als zehn Millionen Euro sind in das Gebäude investiert worden, das neben mehr Platz über eine hochmoderne Einrichtung mit verschiedenen Laboren verfügt. In ihnen geht es vor allem um die Entwicklung von „innovativen biologischen Lösungen“, die über den herkömmlichen Pflanzenschutz – also die klassischen chemischen Mittel – hinausgehen und sie optimal ergänzen sollen. „In diesem Bereich wurde natürlich auch schon vor 2013 geforscht, aber damals haben wir unsere Aktivitäten noch einmal deutlich ausgebaut“, erklärt Philipp Rosendorfer, der die Forschung und Entwicklung für das Geschäftsfeld Functional Crop Care leitet. In den vergangenen fünf bis zehn Jahren habe es beim biologischen Pflanzenschutz enorme Entwicklungen gegeben, die für so etwas wie einen Boom sorgten. „Zwar spielen ,Biologicals‘ heute noch eine Nischenrolle im Pflanzenschutz, sie werden aber zunehmend an Bedeutung gewinnen“, erläutert der 51-Jährige. Womit genau sich die Forschung in der Sparte befasst, ist nicht so schnell erklärt. Schon deshalb nicht, weil sie ganz verschiedene Ansätze umfasst – von der Verbesserung des Nährstoffmanagements im Boden über die Behandlung von Saatgut bis hin zum Schutz der ausgewachsenen Pflanze. Im neuen Forschungszentrum wird vorrangig mit Saatgut und biologischen Pflanzenschutzmitteln gearbeitet, um das Erdreich kümmert sich eine andere Abteilung. „Wir konzentrieren uns hier unter anderem auf die Fließeigenschaft und damit die Sähbarkeit von Saatgut“, erklärt Rosendorfer. Die sei wichtig, weil Landwirte ihre Saat besser in den Acker bringen könnten, wenn sie gut fließe und einzelne Körner nicht zusammenklebten, sondern an den dafür vorgesehenen Stellen tatsächlich nur eine Pflanze keime. Um diesen Vorgang zu optimieren, bietet die BASF Polymerbeschichtungen an, deren Eigenschaften zuvor in den Laboren überprüft werden. „Eine gute Fließeigenschaft nützt nichts, wenn die Beschichtung etwa den Keimvorgang hemmt“, meint Rosendorfer. Als Beispiel für den biologischen Schutz der ausgewachsenen Pflanze nennt der 51-Jährige das Mittel Serifel. „Das ist ein natürlich vorkommendes Bakterium, das die Blätter besiedelt und einen Pilzbefall verhindert, indem es potenziellen Pilzen Lebensraum und Nährstoffe wegnimmt“, sagt Rosendorfer. Mit anderen biologischen Stoffen habe der Mikroorganismus gemein, dass er in seiner Urform direkt aus der Natur komme – also eigentlich aus dem Boden, für die BASF aber aus der „Bibliothek“, auf die sie für ihre Forschungen zurückgreift. Ein Vorteil von Serifel sei, dass es auch kurz vor der Ernte noch eingesetzt werden könne – also zu einem Zeitpunkt, an dem die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel nicht mehr zulässig ist, weil es sonst schädliche Rückstände geben könnte. „Dass klassische Pflanzenschutzmittel mit biologischen ergänzt werden können, um die Wirkung zu verbessern und zu verlängern, macht sie für uns so interessant“, erzählt er. Die Kombination aus Chemie und Biologie ermögliche eine neue Bandbreite an Lösungen, bei deren Erforschung die BASF aktuell führend sei. Es gehe keineswegs darum, die bewährten chemischen Mittel zu ersetzen. Dafür seien Wirkkraft und Ausdauer der „Biologicals“ bislang nicht ausgeprägt genug. Kurzum: Hinter der neuen Fassade wird an einigen Projekten gearbeitet, die wegweisend für den Pflanzenschutz der Zukunft sein sollen.

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