Eisenberg Besuch vom Weißen Riesen: Wie in Eisenberg ein Werbespot gedreht wurde
Regina Kilian aus Eisenberg ist inzwischen 83 Jahre alt, aber der Tag im Sommer 1970 ist ihr in guter Erinnerung geblieben. „Ich war gerade dabei, das Mittagessen vorzubereiten – es sollte Kartoffelsuppe mit Zwetschgenkuchen geben – als meine Bekannte Lina, eine Presbyterin, mich überraschend besuchte“, erzählt die Rentnerin. Die Besucherin sei schick gekleidet gewesen und habe sie – zunächst ohne weitere Erklärung – aufgefordert, mit ihr zu kommen. „Nein, ich kann nicht, ich muss kochen, Claudia kommt ja bald von der Schule nach Hause“, habe sie damals erwidert.
Als ihr anfänglicher Widerspruch keinen Erfolg bei der Bekannten hatte, die sie erneut aufforderte, mitzukommen, habe sie ihre „Schorz“ ausgezogen und sei der Bekannten gefolgt. „Auf dem Weg habe ich dann erfahren, dass wir ins Waldschwimmbad gehen, aber nicht, was mich dort erwartete“, sagt sie und lacht. Dort angekommen, habe sie schon vom Eingang her einen Hubschrauber gesehen und etliche Menschen, was sie zunächst verängstigt habe. „Ich muss aber nicht ins Wasser, oder?“, habe sie gefragt, was die Bekannte aber verneinte. Fünf oder sechs Frauen hätten bereits am Beckenrand des 50-Meter-Sportbeckens gestanden, einige andere im Hintergrund. „Es kam dann ein Mann auf uns zu, der jeder von uns eine Packung des Drei-Kilo-Probierpaketes des Waschmittels ,Weißer Riese’ in die Hand drückte, uns zeigte, wie wir die aufgeschnittene Packung halten sollten und uns sagte, dass wir nicht in die Kamera schauen sollten, dann folgte das Kommando ,Waschpulver Marsch’ und wir kippten das Waschmittel alle gleichzeitig in das heutige Sportbecken“, sagt Kilian.
Der Hubschrauber, der über dem Becken in der Luft gestanden habe, habe dann ein riesiges weißes Leinenbetttuch aus dem Wasser gezogen. „Das Ganze war eine Sache von Sekunden, es ging alles sehr schnell“, erinnert sie sich. Als der Werbespot dann im Fernsehen gesendet wurde, sei sie häufig von Freunden oder Nachbarn angesprochen worden, die sie im Fernsehen gesehen hatten.
„Es war auch für uns eine aufregende Sache, hatten wir doch damals den ersten Schwarz-Weiß-Fernseher in unserer Familie und Verwandte aus der Nachbarschaft kamen öfter zu uns zum Fernsehen“, sagt sie schmunzelnd und ergänzt: „Auch für meine Tochter Claudia war das damals eine aufregende Sache, dass die Mama da im Fernsehen kam.“
Und tatsächlich habe sie bereits vor der Werbe-Erfahrung mit dem Waschmittel „Weißer Riese“ gewaschen. Eine Waschmaschine habe sie damals allerdings noch nicht gehabt. Sie sagt: „Besonders die Kinderkleidung habe ich zunächst im Topf gekocht und dann von Hand ausgewaschen, das war immer viel Arbeit und ist heute undenkbar.“
Das Waschmittel „Weißer Riese“ gibt es seit 1966. Von Beginn an wurde seine „Riesen-Waschkraft“ besonders beworben. Vier Jahre nach der Einführung trat der neue „Weisse Riese“ – damals noch mit „ss“ geschrieben – auf die Bildfläche. Ein Vollwaschmittel, das die Wäsche „riesenweiß“ wasche.
Warum eigentlich Eisenberg?
Elke Schumacher, Communications Manager Laundry & Home Care Germany von der Henkel AG in Düsseldorf nimmt zum Werbespot von damals wie folgt Stellung: „Dem Zuschauer sollte ,Das größte Wäschestück der Welt’ präsentiert werden. Dazu zog ein Helikopter ein 600 Quadratmeter großes Tuch, welches zuvor von Schülern in München verschmutzt worden war, aus einem Becken im Waldschwimmbad in Eisenberg. Mit der spektakulären Aktion wurde die Markeneinführung der neuen Packungsgröße von drei Kilogramm beworben.“
Warum der Werbespot damals ausgerechnet in Eisenberg gedreht wurde, kann heute niemand mehr so nachvollziehen. „Allerdings ist die Dimension des Schwimmbads mit 50 Metern zu dieser Zeit sicher ein Herausstellungsmerkmal gewesen“, meint Marie-Luise Selzer von der Verbandsgemeindeverwaltung Eisenberg, die ergänzt: „Einige Kollegen erinnern sich noch gut an den Tag des Drehs von damals – das Ereignis haben wir auch in unserer Jubiläumsbroschüre zum 50-jährigen Bestehen der Stadt Eisenberg erwähnt.“