Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Bahnhof Grünstadt: Feuerwehr rettet regelmäßig Menschen aus Aufzügen

Die Aufzüge am Grünstadter Bahnhof funktionieren meistens nicht: Die Feuerwehr wird immer wieder gerufen, um Lift-Fahrer zu befr
Die Aufzüge am Grünstadter Bahnhof funktionieren meistens nicht: Die Feuerwehr wird immer wieder gerufen, um Lift-Fahrer zu befreien.

64 Menschen hat die Freiwillige Feuerwehr Grünstadt seit Mai 2012 aus den Aufzügen am Bahnhof gerettet. Insgesamt waren es 39 Einsätze. Allein in diesem Jahr ist die Wehr bislang acht Mal zu den defekten Liften gerufen worden. Mittlerweile gibt es wieder einmal ein neues Datum für den Austausch der Aufzüge: März 2019.

Bei 35 Grad in einem Fahrstuhl eingeschlossen zu sein, ist äußerst belastend. Oft trifft es Senioren, Behinderte und Mütter mit Kinderwagen – Liftbenutzer eben. „Meist sind das Menschen, die solche Situationen eh schlecht aushalten können“, sagt der stellvertretende Grünstadter Wehrleiter Jens Michel. Er erinnert sich unter anderem an drei junge Frauen mit zwei Babys, die sich in einen der Bahnhofsaufzüge gequetscht hatten, der dann stehenblieb. Insgesamt 20 Stunden haben die Grünstadter Feuerwehrleute zwischen Mai 2012 und diesem Herbst damit verbracht, Personen aus den beiden steckengebliebenen Aufzügen am Bahnhof zu befreien. Bei 39 Einsätzen retteten sie 64 Menschen – die Einsätze dauerten zwischen 15 Minuten und über einer Stunde.

Wird von mal zu mal schwieriger

Obwohl die Feuerwehr immer sehr schnell zur Stelle ist, wie Michel informiert, bleiben Zwischenfälle dabei trotzdem nicht aus. So hat sich am 29. Januar 2014 ein Kind eine Hand eingeklemmt und am 11. April dieses Jahres kam es zu einer Panikattacke, als vier Jugendliche im Lift feststeckten. „Unser Problem ist auch“, sagt der stellvertretende Wehrleiter, „dass es von mal zu mal schwieriger wird, die Aufzugstüren per Hand zu öffnen.“ Weil die Helfer dabei quasi gegen die Mechanik agieren, klemmten die Türen nach jedem weiteren Einsatz ein bisschen mehr. Wenn man die Zeit zusammenrechnet, waren 369 Feuerwehrleute in den vergangenen Jahren 165 Stunden bei Lift-Einsätzen. Kürzlich funktionierte einer der Lifte mal wieder, aber in der Regel sind sie nicht zu benutzen. Ein Sprecher der Konzernpressestelle der Deutschen Bahn AG in Frankfurt sagt auf RHEINPFALZ-Anfrage: „Dass die Anlagen seit sechs Jahren nicht oder kaum funktionieren, ist unzutreffend.“ Denn sie würden laufend instandgehalten. „Unsachgemäße Nutzung bis hin zu Vandalismus“ seien die Gründe für Ausfälle.

Neues Datum

Die Bahn hat schon mehrfach Daten genannt, an denen die Aufzüge ausgetauscht werden sollen – zuletzt war vom Jahr 2018 die Rede. Nun gibt es ein neues Datum: Vorgesehen sei, die Aufzüge ab März 2019 zu montieren und bis spätestens Mai in Betrieb zu nehmen. Die Bahn werde dafür einen mittleren sechsstelligen Betrag investieren müssen. Wenn die Feuerwehr gerufen wird, wird die Bahn von der Stadtverwaltung zur Kasse gebeten. Stadtsprecherin Melanie Cocimano sagt: „In Abhängigkeit von Einsatzdauer, benötigtem Personal, Material und Fahrzeugen sind das im Durchschnitt 139 Euro, die die Stadt der Bahn in Rechnung stellt.“

Verantwortung bei Wartungsfirma

Eigentlich wäre die Wartungsfirma der Fahrstühle dafür verantwortlich, Personen aus kaputten Liften zu befreien. Auf die Frage, weshalb das in Grünstadt offensichtlich nicht der Fall ist, weicht der Bahnsprecher mit einer allgemeinen Antwort aus: „Grundsätzlich wird bei einem Notruf unverzüglich das zuständige Unternehmen beauftragt. An zahlreichen anderen Aufzügen haben wir eine mehr als 90-prozentige Befreiungsquote.“ Alle Störungen und Ausfälle der bundesweit rund 2.100 Lifte und 1.000 Fahrtreppen der Bahn würden in Fern-Überwachungssystemen registriert. Dadurch werde sofort die Reparatur in Auftrag gegeben. Insgesamt funktionieren laut Bahnsprecher in Deutschland drei Prozent der Aufzüge und Treppen nicht.

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