Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel An den Grundschulen fehlen Lehrer und Hausmeister

Für die Kirchheimer Schule ist kein Feuerwehrlehrer zu bekommen.
Für die Kirchheimer Schule ist kein Feuerwehrlehrer zu bekommen.

Es fehlen Lehrkräfte, es fehlen Hausmeister: Zwei Grundschul-Rektoren aus dem Leiningerland haben ihrem Unmut darüber im Schulträgerausschuss Luft gemacht. Immer wieder müssen sie Arbeiten übernehmen, die nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehören. Auch müssen sie den Unterricht Menschen überlassen, die keine Pädagogen sind.

Von Anja Benndorf

Leiningerland. Von einem „personellen Notstand“ berichtete Jürgen Heckmann, Rektor der Hettenleidelheimer Luitpoldschule, in der jüngsten Sitzung des Schulträgerausschusses der Verbandsgemeinde Leiningerland. Es sei sehr schwierig, geeignete Leute zu finden, die den Kindern helfen könnten, den durch monatelanges Homeschooling versäumten Unterrichtsstoff aufzuholen. „Dafür habe ich jetzt einen Ruheständler eingesetzt“, sagte er.

Seit März ist es den Schulen möglich, zusätzlich zu den Ferienschulen im Sommer und im Herbst nachmittags spezielle Lernangebote zu unterbreiten. Das vom Land geförderte Programm sollte ursprünglich nur bis zu den großen Ferien laufen, ist aber bis zum Schuljahresende verlängert worden.

Studentin unterrichtet die Kinder

Sandra Hanauer, die die Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach leitet, hat hingegen eine Lehramtsstudentin engagiert. Der Grund dafür: Über das Projekt PES – das ist die Abkürzung für Personalmanagement Erweiterte Selbstständigkeit – sei niemand zu finden gewesen sei. PES bietet eigentlich einen Pool aus Feuerwehrkräften, die Schulen bei Personalnot unterstützen können. Die junge Frau hat laut Hanauer einen Vertrag über fünf Wochenstunden und arbeitet mit zehn bis 15 Schülern Lernrückstände auf.

Bei dem von Land unlängst verlängerten Pogramm geht es nach Angaben der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier vor allem um „die Förderung der Basiskompetenzen in Mathematik und Deutsch“. Um dies zu ermöglichen, könne auch mit Volkshochschulen kooperiert werden, erklärte ADD-Pressereferentin Miriam Lange auf Anfrage. Das Durchführen entsprechender Kurse durch eine Volkshochschule könne beim Bildungsministerium beantragt werden.

In Kirchheim-Kleinkarlbach hat man so einen Antrag nicht gestellt. Hanauer sagte zur RHEINPFALZ, sie werde tagtäglich mit neuen Verordnungen hinsichtlich der Pandemiebekämpfung geflutet, müsse Hygienekonzepte anpassen und deren Regeln umsetzen. Da bleibe keine Luft, sich mit Dozenten über Lehrinhalte und -materialien oder Methoden abzustimmen. „Außerdem hat es gerade bei der Volkshochschule Kirchheim-Bissersheim/Dirmstein einen Leitungswechsel gegeben. Wir haben bislang keinen Kontakt“, so die Rektorin.

„Springer“ fest eingebunden

Auch für den normalen Unterricht fehlen Lehrkräfte. Hanauer berichtete von einem längerfristigen Ausfall in ihrem zehnköpfigen Team. Für solche Fälle gibt es „Springer“ als Vertretungsreserve, doch die stehen in Kirchheim nicht zur Verfügung. „Ich habe bei sechs Schulen mit Feuerwehrlehrkräften angefragt. Doch niemand konnte einen entbehren, weil die fest eingebunden sind, etwa als Schwangerschaftsvertretung“, sagte Hanauer. Die Lösung: Nach einem rollierenden System bleibe eine der acht Klassen immer je einen Tag lang im Homeschooling.

Auch Heckmann hat einen Ausfall in seinem Kollegium und kein Glück mit der Feuerwehrlehrerin. Die eingesetzte Frau sei nun auch krank. „Ich habe beide dritten Klassen zusammengelegt und meinen Sohn für 20 Wochenstunden eingestellt“, erzählte er. Eigentlich sei das ein Unding, denn der junge Mann habe gerade sein Maschinenbau-Studium abgeschlossen und keine pädagogische Ausbildung. Die ADD habe das genehmigt. „Es ist zwar eine niederschwellige Lösung, aber es würdigt unseren Berufsstand herab“, meint Heckmann.

Auch „anders Qualifizierte“ einstellen

„Um Vertretungen sicherzustellen, können auch Verträge mit sogenannten ,anders Qualifizierten‘ abgeschlossen werden“, bestätigte ADD-Sprecherin Lange. Sie betonte aber, dass Rheinland-Pfalz zu den Bundesländern gehöre, die kontinuierlich Lehrpersonal ausgebildet und eingestellt hätten. Es sei hier „in den vergangenen Jahren immer gelungen, alle Planstellen über das Schuljahr mit grundständig ausgebildeten Lehrern zu besetzen“. Im Landkreis Bad Dürkheim habe man aktuell nur an vier von 34 Grundschulen keine Vertretungskräfte in erforderlichem Umfang finden können. In ihrer Aufzählung kommen Kirchheim und Hettenleidelheim aber nicht vor.

Hanauer und Heckmann beklagen aber nicht nur Lehrermangel, sondern auch fehlende Hausmeister. Der Pool müsse unbedingt aufgestockt werden, findet die Kirchheimer Rektorin. Heckmann erzählte im Ausschuss von einem bestellten Tresor. Er habe eine Dreiviertelstunde damit zugebracht, den Transportweg für den sperrigen, 250 Kilogramm schweren Safe durch das Gebäude auszumessen. Als die Lieferung kurzfristig von der Spedition angekündigt worden sei, habe er schnell die Fliesen abgedeckt, um sie zu schützen. „Dafür musste ich meine Klasse verlassen und eine FSJ’lerin hat die Kinder eine Stunde lang beaufsichtigt“, sagte er.

Keine eigenen Hauswarte

Ein anderes Mal hätten die Ganztagsschüler gerade zu Mittag gegessen, als plötzlich, ganz ohne Ankündigung, Dachdecker vor der Tür standen. „Wir Schulleitungen übernehmen viele Tätigkeiten, für die klassischerweise Hausmeister zuständig sind“, beschwerte er sich und forderte, dass seine Schule einen eigenen Hauswart bekommt. „Bei meinem Einstellungsgespräch wurde ich gefragt, ob ich auch ein verstopftes Waschbecken reparieren könne. Das ist doch wirklich nicht meine Aufgabe“, so Heckmann.

Laut Frank Rüttger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde, haben nur große Schulen einen eigenen Hausmeister, manche sogar mehrere. Für die zehn Grundschulen in Trägerschaft der VG gebe es fünf Vollzeitstellen. „Seit der Fusion der Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim im Januar 2018 haben wir den Personalstamm gehalten, aber ein Hauswart ist aktuell krank“, erklärte er.

Auch könnten zwei der Mitarbeiter ausschließlich für die Pflege von Grünanlagen eingesetzt werden. Teils würden sie von den Gemeindearbeitern unterstützt. Die anderen drei seien je nach ihren erlernten Berufen in den Gebäuden tätig. Rüttger denkt nun darüber nach, eventuell Fremdfirmen als Verstärkung zu engagieren. Von der ADD heißt es dazu: „Es ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen, funktionsfähige Schulräume zur Verfügung zu stellen.“

 Rektor Jürgen Heckmann, Hettenleidelheim, möchte einen Hauswart.
Rektor Jürgen Heckmann, Hettenleidelheim, möchte einen Hauswart.
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