Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Adventskonzert mit einer besonderen Orgel

Katja Gericke-Wohnsiedler mit der Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.
Katja Gericke-Wohnsiedler mit der Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.

Eigentlich stünde am Sonntag das Adventskonzert der Grünstadter Kantorei zusammen mit Jugendchor und Instrumentalensemble an. Daraus wird wegen der Pandemie nichts. Aber es gibt ein Ersatzprogramm mit einem wahren Meisterstück in der Hauptrolle.

Die Grünstadter Kantorei und der Jugendchor haben schon fleißig geprobt – jeweils mit obligatorischem Corona-Schnelltest. Doch ein Konzert in der Größe, wie es ursprünglich für den Zweiten Advent geplant war, kommt angesichts der vierten Welle nicht mehr in Frage. Auch wenn keiner der Chöre singt: Musik gibt es am Sonntag ab 17 Uhr trotzdem in der Martinskirche. Statt der großen Besetzung ist nun eben Kammermusik angesagt – und zwar mit weihnachtlichen Werken von Händel, Bach, Vivaldi und Corelli.

Als Bezirkskantorin Katja Gericke-Wohnsiedler nach einer Alternative für das Adventskonzert suchte, dauerte es nicht lange, bis Orgelbaumeister Andreas Schiegnitz die zündende Idee hatte: In seiner Werkstatt in Albsheim stand noch seine Organo di Legno, die er regelmäßig verleiht, etwa an das Nationaltheater Mannheim für seine Monteverdi-Produktionen. Hauptsächlich wird die Truhenorgel für CD-Aufnahmen eingesetzt. Für Sonntag war sie noch frei. Und sie passt hervorragend zur Musik, die gespielt werden soll.

Vorlage aus Italien

1999 hat Schiegnitz das Instrument gebaut. Es war sein Meisterstück. Die Vorlage lieferte eine ähnliche Orgel in der Silbernen Kapelle in Innsbruck. Die Organo di Legno kommt ursprünglich aus Italien. Auch das Tiroler Instrument wurde wahrscheinlich von einem Italiener aus Parma in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gebaut und dann dem Innsbrucker Hof geschenkt. Genau weiß man es aber nicht.

Eins zu eins nachgebaut hat Schiegnitz die Innsbrucker Orgel nicht. Nur die Mensuren, also die Maße der Pfeifen, hat er übernommen. Einige eigene Erfindungen sind in seiner Orgel verbaut. Etwa ein Register, das es ermöglicht, den Bass mit der linken Hand zu spielen. Ein Pedal hat die Truhenorgel nämlich nicht. Eine weitere Besonderheit ist das Register Voce Umana, bei dem der Ton zu schweben scheint. Der Trick dabei: Die Pfeifen dieses Registers sind absichtlich leicht verstimmt. Diese Technik kennt man hierzulande vor allem aus romantischen Orgeln, etwa in Eisenberg und Bockenheim.

Für die Holzpfeifen hat Schiegnitz auf Zypresse gesetzt, wie viele der italienischen Vorbilder. Aber auch Nussbaum hat er verwendet. Damit die leisen Töne gut erklingen können, ist ein sehr leises Gebläse verbaut, das einen niedrigen Winddruck erzeugt.

Katja Gericke-Wohnsiedler mit der Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.
Katja Gericke-Wohnsiedler mit der Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.
Die Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.
Die Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.
Die Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.
Die Organo di Legno von Andreas Schiegnitz.
Andreas Schiegnitz hat das Instrument gebaut.
Andreas Schiegnitz hat das Instrument gebaut.

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Bei dem Konzert am Sonntag kommen keine modernen Instrumente zum Einsatz: Anne Erdmann-Schiegnitz und Nikolaus Norz spielen Barockgeige, Isolde Winter ist am historischen Cello zu hören. In der Barockzeit hat man noch ungefähr einen Halbton tiefer gestimmt. Damit alles zusammenpasst, kann auch die Organo di Legno, die Katja Gericke-Wohnsiedler spielen wird, um einen Halbton nach unten transponiert werden.

„Sie spielt sich sehr leicht und filigran“, beschreibt die Kantorin den Tastenanschlag im Vergleich zur großen Steinmeyer-Orgel der Martinskirche. Das sei erst einmal ein bisschen Umgewöhnung. Aber im Umgewöhnen ist Gericke-Wohnsiedler seit der Pandemie Meisterin.

Termin

Der Eintritt zum Konzert, das am Sonntag um 17 Uhr in der Martinskirche beginnt, ist frei. Besucher müssen entweder gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Infektion genesen sein.

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