Eisenberg Zellertalbahn fährt 2019 nicht
Nein, in diesem Jahr werden wir die Strecke nicht mehr betreiben können. Ich habe am 9. Januar den letztgültigen Antrag unterschrieben, der sollte bis Anfang April beschieden sein. Mit einem Zuschlag an Zeit sprechen wir von einem verspäteten Osterei. Danach geht es in Detailplanung, Vergabe und Bau. Ich gehe davon aus, dass die Zellertalbahn 2020 fährt. Und das nicht nur an Sonn- und Feiertagen, sondern auch zusätzlich mittwochs und samstags, wie bisher im Zeitraum Mai bis Oktober. Dazu kommen eventuell mittelfristig noch Pendlerzüge. Gibt es Aussichten für den Rheinland-Pfalz-Takt, also die Aufnahme in den regulären überregionalen Fahrplan? Davon gehe ich aus, aber nicht vor 2030. Denn das hängt an Konzessionen, die neu vergeben werden müssen. Konkret ist allerdings noch nichts, es gibt aber unseres Erachtens nach aufgrund der Verkehrszahlen erkennbaren Bedarf. Wie sieht es mit dem Güterverkehr aus? Ich gehe davon aus, dass es Güterverkehr auf der Strecke geben wird. Das liegt schon daran, dass es bahnrechtlich nicht möglich ist, auf einer betriebsbereiten Strecke bestimmte Nutzer auszuschließen. Allerdings ist die Anzahl der potenziellen Nutzer überschaubar, einfach weil es nicht unendlich viele geeignete Betriebe im Einzugsbereich der Bahn gibt. Gibt es da schon konkrete Verhandlungen? Konkret ist noch nichts, wir führen aber Gespräche mit Interessenten. Der Bedarf für einzelne, wenige Züge in der Woche ist da. Hat das plötzliche Auftauchen von Anwohnern, die gegen die Zellertalbahn sind, Sie überrascht? Nach meinen Erfahrungen mit anderen Großprojekten bin ich nicht wirklich überrascht, aber verwundert schon – weil dieses Projekt schon seit 2001 läuft, ohne Beschwerden. Können Sie die Sorgen und Bedenken dieser Menschen verstehen? Die kann ich sehr gut verstehen. Sie haben ihr Haus an einer Strecke gebaut, die außer Betrieb war, und sind davon ausgegangen, dass das so bleibt. Aber die Dinge ändern sich, es kann immer sein, dass eine solche Strecke wieder reaktiviert wird. Ich bin selbst Anlieger der Eistal-Strecke, kenne das also aus eigener Erfahrung und kann sagen: Das ist tolerierbar. Können Sie die Sorgen und Bedenken auch zerstreuen? Ich kann ausschließen, dass wir eine Güter- und Personen-Schnellstrecke bekommen, weil es auf der gesamten Zellertalbahn eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 80 Kilometern pro Stunde gibt. Das bedeutet, dass das Lärmthema keine belastende Größenordnung bekommt. Wir werden mit den Anwohnern dazu aber auch noch Gespräche führen. Es ist ja aber klar, dass wir als Landkreis Wert darauf legen, dass der Lärm so gering wie möglich ausfällt, denn schließlich ist das Zellertal eine wertvolle Tourismusregion. Was kann für die Streckenanlieger denn eigentlich konkret getan werden? Das wurde noch nicht näher geprüft, weil das bisher noch kein Thema war. Ich bin aber sicher, dass man zum Beispiel für Lärmschutz sorgen kann, wir müssten nur klären, wer dafür zuständig ist. Wir werden auf jeden Fall mit den Anliegern sprechen. Ich bin sicher, dass sich hier Abhilfe schaffen lässt. Es gibt Strecken, die deutlich problematischer sind, da wurde das auch geschafft. Können die Anlieger für einen Wertverlust ihrer Grundstücke eine Entschädigung fordern? Ich glaube nicht, dass es eine Wertminderung geben wird, da eine gute Zuganbindung die Nachfrage nach Grundstücken in einer Gemeinde normalerweise steigen lässt. Das Zellertal wird dadurch fernverkehrsfähig. Das heißt nicht, dass da demnächst Fernzüge durchrauschen, aber es wird direkten Anschluss an den Fernverkehr geben. Die Anlieger befürchten, dass durch die Erschütterung durch den Güterverkehr ihre Häuser Risse bekommen könnten. Was sagen Sie dazu? Das halte ich für absolut abwegig. Was sagen Sie zu dem Vorwurf der Intransparenz? Der ist haltlos. Mehr Transparenz in den öffentlichen Gremien auf allen Ebenen als in diesem Verfahren können wir in der Kommunalpolitik gar nicht bieten.