Frankenthal Ziel: Trinkwasser sauber halten
Damit die Nitratwerte im Frankenthaler Trinkwasser nicht steigen, wollen die Stadtwerke mit Landwirten zusammenarbeiten, deren Flächen innerhalb des Wasserschutzgebiets liegen. Das Land unterstützt das Projekt „gewässerschonende Landwirtschaft“ auch finanziell: Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) hat diese Woche im Wasserwerk Nord einen Zuschuss von 15.000 Euro an die Kooperationspartner übergeben.
Das Thema Nitrat im Trinkwasser hat zuletzt wegen einer Studie des Bundesumweltamts Wellen geschlagen. In Frankenthal liegen die Werte mit rund einem Milligramm pro Liter weit unter dem Grenzwert von 50 Milligramm. Andernorts in Rheinland-Pfalz ist Nitrat jedoch bereits ein Problem. Ein Grund für steigende Werte ist die intensive Landwirtschaft und die Düngung der bewirtschafteten Flächen. 21 Betriebe – etwa die Hälfte der im Frankenthaler Schutzgebiet tätigen Landwirte, die 119 Flächen auf rund 356 Hektar bewirtschaften – beteiligen sich an dem Kooperationsprojekt. Weitere sollen folgen. Zehn bis 15 Jahre dauere es, bis Nitrat in tiefere Schichten gelange, so die Ministerin. Müsse dem Trinkwasser Nitrat entzogen werden, könne dies Kosten verursachen. Es sei von bis zu 50 Prozent höheren Gebühren die Rede. Deshalb müsse die Aufmerksamkeit auf dieses Problem gelenkt werden. Die Stadtwerke hätten mit ihrem Projekt nun einen wichtigen Schritt gemacht. Einen ebenso wichtigen Beitrag leiste der ökologische Landbau, der sich in Rheinland-Pfalz gut entwickelt habe, so Höfken. Durch ihn komme weniger Mineraldünger auf die Felder und ins Grundwasser. Die Verbraucher hätten ihrem Empfinden nach die Vorteile regionaler, saisonaler und ökologischer Produkte inzwischen verinnerlicht. Christoph Bauer, als Technischer Leiter bei den Stadtwerken zuständig für die Trinkwasserversorgung, gab Einblicke ins Versorgungsgebiet der Stadtwerke, das neben Frankenthal auch Bobenheim-Roxheim und Teile der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim umfasst. Vier Millionen Kubikmeter Wasser würden jährlich abgegeben. Gefördert werde das Wasser an 14 Brunnen aus bis zu 250 Metern Tiefe. Da die Region niederschlagsarm sei, könne ein niedriger Stickstoffüberschuss im Boden zu einer relativ hohen Nitratbelastung führen, führte Friedhelm Fritsch vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach aus. „Wir wollen Problemlösungen aufzeigen“, so Fritsch. Dazu benötige es aber einen langen Atem. Sebastian Weinheimer (DLR Rheinpfalz) erklärte die praktische Umsetzung der Kooperation. „Die Maßnahmen müssen so gestaltet sein, dass sie für die Landwirte umsetzbar sind“, deshalb seien viele Gespräche geführt worden. Das Gewässerschutzgebiet um Frankenthal sei ein besonderes, da hier außer der Viehzucht fast alle Betriebsformen ansässig seien. Der Boden werde vor jedem Kulturwechsel engmaschig auf Stickstoff untersucht , um eine optimale Düngung abzustimmen. Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, lobte den kooperativen Ansatz des Projekts. Dem müssten sich die Landwirte stellen, wollten sie keine Richtlinien auferlegt bekommen. Dass es ein Problem mit Nitrat gebe, bejahte Hartelt, aber dies sei nicht flächendeckend. Bisher müsse dem Trinkwasser nirgendwo in Rheinland-Pfalz Nitrat entzogen werden. Doch damit dürfe man sich nicht beruhigen, sagte er. Hartelt kritisierte, dass die Novelle der Düngemittelverordnung, die gerade in Kraft getreten ist, keine Rücksicht auf örtliche Gegebenheiten nehme. Bürgermeister Andreas Schwarz (SPD), Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, lobte die Kooperation. „Es ist der Schutz für unser Lebensmittel Nummer eins.“