Worms
Worms erinnert mit der Ausstellung „Die Luft der Freiheit“ an den Bauernkrieg von 1525
Der Stadtteil Pfeddersheim, Schauplatz des Gemetzels, gedachte des blutigen Endes des Bauernkriegs schon im Juni mit einem Schauspiel, die Stadt Worms widmet der Erhebung von den Ursachen bis bis zur vernichtenden Schlacht und dem Widerhall in der Folgezeit jetzt eine Ausstellung mit dem Titel „Die Luft der Freiheit“.
Eröffnung war am Freitag mit Grußworten, Einführungen und Musik des „Duos Wormez“. Olaf Mückain, Kurator der Ausstellung und wissenschaftlicher Leiter der Wormser Museen, betonte in seiner Rede den Dreiklang, beginnend mit der Ausstellung zum 500. Jahrestag von Luthers Widerrufsverweigerung auf dem Wormser Reichstag im Jahr 2021 über das Gedenken an den Bauernaufstand in diesem Jahr bis zum nächsten, wenn es gilt, an die englischsprachige Übersetzung des Neuen Testaments zu erinnern, die Peter Schöffer der Jüngere 1526 in Worms druckte.
Die Ausstellung wirkt etwas verkopft
Im Gegensatz zur großen Reformationsausstellung ist das Thema Bauernkrieg jetzt auf den Weißen Saal im Stadtmuseum Andreasstift beschränkt. Mückain favorisierte eine kleine „besondere Ausstellung“ statt alles „in einem Katalog zu beerdigen“. Vielleicht war das schon eine Verteidigung gegen mögliche Kritik?
Die Ausstellung wirkt jedenfalls etwas verkopft, beschränkt sich auf Texttafeln, Bilder und wenige Objekte, etwa Helme als Kopfschutz der Ritterrüstung, eine Figur des Heiligen Georg als Verkörperung des edlen Ritters, einen wertvollen Messkelch, Medaillen wie der Prunkmedaille zur Versöhnung Franz von Sickingens mit Kaiser Maximilian, Waffen und Schriften oder Bilder, die sich mit dem Bauernkrieg befassen.
Am Anfang war die Hoffnung
Was war der Bauernkrieg? Die Welt stand zwischen 1450 und 1550 an einem Wendepunkt. Es gab wegweisende Erfindungen wie den Buchdruck, mit dem rasend schnell Erkenntnisse und Ideen wie die Luthers verbreitet werden konnten, Entdeckungen wie die Amerikas, aber auch die bestehende Ordnung schwankte. Ritterschaft, Bürger, Bauern sahen sich gegenüber Klerus und Fürsten benachteiligt. Ulrich von Hutten schilderte diese Situation: die Bauern bettelarm, die Ritter zwischen den Stühlen verfeindeter Fürsten. Auch die Kriegsführung wandelte sich, die Zukunft gehörte disziplinierten Söldner- und Landsknechtherren. Und Kanonen und andere Feuerwaffen lösten das Schwert ab.
Von Ulrich von Hutten stammt übrigens auch der Titel der Ausstellung. Er schuf den Begriff kurze Zeit vor seinem Tod im August 1523, als er glaubte, die Zustände in deutschen Landen würden sich bald erfreulich ändern „durch Vertreibung der Tyrannen“ – für ihn Landesfürsten und Klerus. Denen hatte er geschrieben: „Seht ein: Die Luft der Freiheit weht!“
Für die Obrigkeit war es ein Verstoß gegen die göttliche Ordnung
Die wehte in einem Ritteraufstand 1522 im Südwesten, angeführt von Franz von Sickingen. 1523 musste er kapitulieren. Zuvor – 1493 bis 1517 – hatte es erste Bauernbewegungen im Zeichen des Bundschuhs gegeben. Sie wurde verraten und niedergeschlagen. Der Flächenbrand zum Bauernkrieg begann 1524, breitete sich von Schwaben, Baden, Franken, Thüringen in die damalige Kurpfalz aus. Wobei sich teils Städter anschlossen, die wie die Wormser unzufrieden mit den geistlichen Herren waren. Für die Obrigkeit waren kriegsführende Bauern ein Verstoß gegen die göttliche Ordnung. Die Ursache am Aufstand sahen die Katholiken in den Ideen Martin Luthers, im protestantischen Lager dagegen interpretierte man die Forderungen der Bauern – gefasst in zwölf Artikel, eine Art frühe Charta der Menschenrechte – als Pervertierung des reinen Evangeliums Luthers.
Weil auch Bürger der damaligen Reichsstadt Pfeddersheim mit den Zielen der Bauern liebäugelten, war es leicht für die Aufständischen, die Stadt zu besetzen. Doch das Heer des Kurfürsten Ludwig V. war zwar zahlenmäßig dem Bauernheer gleich aber besser ausgerüstet und in der Kriegsführung ausgebildet. Am 23. Juni 1525 wurde Pfeddersheim belagert und beschossen. Als die Bauern einen Ausfall wagten, wurden sie zurückgeschlagen, einige suchten Schutz in den nördlichen Weinbergen, wo sie mit Artillerie- und Kanonenfeuer angegriffen wurden. Es kam zu einem Massaker, rund 4000 Bauern starben. Pfeddersheim musste kapitulieren. Am Tag darauf flohen etwa 800 Bauern, das Heer stellte sie in einem Hohlweg, der heutigen Bluthohl, und metzelte sie nieder, insgesamt 350 Bauern und Bürger ließ der Kurfürst anschließend hinrichten.
Was war gewonnen? Tatsächlich versuchte der Kurfürst in der Folge die Abgaben der Bauern im Rahmen des Zumutbaren zu halten. Neue Regeln des Zusammenlebens folgten, und auch die Leibeigenschaft wurde entschärft, allerdings erst 1833 vollends abgeschafft. In der Geschichte war und ist der Bauernkrieg als erste Revolte des „gemeinen Mannes“ noch vor der französischen und russischen Revolution Thema in Kunstwerken, Wissenschaft und Schriften.
Info
Die Ausstellung im Museum Andreasstift, Weckerlingplatz, in Worms ist zu sehen bis 2. November. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. Informationen (auch zum umfangreichen Rahmenprogramm) unter www.museum-andreasstift.de.