Interview
Wie TikTok und Co die Ausbildung bei KSB verändern
Herr Köpp, in der Werkstatt von KSB stehen ein Tischkicker und eine Tischtennisplatte. Warum?
Das hat einen pädagogischen Hintergrund. Besonders die jungen Männer, die wir ausbilden, haben einen großen Bewegungsdrang. Am Tischkicker und an der Tischtennisplatte soll ihnen die Möglichkeit gegeben werden, in Bewegung zu kommen. Das wird gut angenommen, die Plätze sind in den Pausen immer besetzt. Man merkt, dass die Konzentrationsstärke im weiteren Verlauf der Seminare wesentlich höher ist.
Wie ausgeglichen ist denn das Verhältnis von Frauen und Männern bei den Auszubildenden?
Momentan haben wir im gewerblich-technischen Bereich mehr männliche und im kaufmännischen Bereich mehr weibliche Auszubildende. Aber seit einiger Zeit bekommen wir immer mehr Frauen in die gewerblich-technischen Berufe. Das ist eine sehr schöne Entwicklung. Inzwischen spielt es keine Rolle mehr, ob eine Frau oder ein Mann die Ausbildung macht, weder für die Jugendlichen, noch für die Mitarbeitenden oder Ausbildenden.
Wie hat sich das Thema Ausbildung generell in den letzten Jahren verändert?
Glücklicherweise haben wir bei uns nicht das große Problem der Nachwuchssicherung wie teilweise andere Firmen. Technische Berufe standen bei den Jugendlichen in den letzten Jahren nicht mehr im Fokus. So langsam erleben wir aber eine Renaissance der handwerklichen Berufe: Das Interesse steigt wieder. Nicht nur Abitur und Studium führen zum Erfolg, auch fundierte Ausbildungen sind wichtig.
Sie werben mit einer modernen Ausbildung. Was können sich junge Menschen darunter vorstellen?
In den letzten Jahren haben wir festgestellt, dass die Jugend durch die sozialen Medien nur noch eine begrenzte Aufmerksamkeitsspanne hat. TikTok-Videos laufen nur wenige Sekunden, die Jugend passt sich daran an. Bei wichtigen Unterweisungen, wenn es um das Bedienen von Maschinen geht, brauchen wir aber ihre volle Aufmerksamkeit. Deswegen versuchen wir, uns in Form von kurzen Lernintervallen und der Arbeit in Kleingruppen an die Aufnahmefähigkeit und Konzentrationsfähigkeit der jungen Leute anzupassen, anstatt mit Frontalunterricht dagegen vorzugehen. Das läuft dann folgendermaßen ab: Die Auszubildenden sind an der Arbeit, wir holen sie raus, geben ihnen eine kurze Unterweisung und schicken sie dann wieder an die Arbeit. Insgesamt werden diese Intervalle inzwischen immer kürzer gehalten. Es bringt nichts, an alten Konzepten festzuhalten.
Wie sieht es mit der Digitalisierung aus?
Inzwischen haben wir eine zu 90 Prozent papierlose Ausbildung. Jeder Auszubildende bekommt ein Tablet gestellt, das er auch nach seinem Abschluss behalten darf.
Was lernen Auszubildende über das Fachliche hinaus?
Die Sozialkompetenz wird neben der fachlichen immer wichtiger. Das heißt, wir helfen bei alltäglichen Fragen und Problemen. Es ist schön zu sehen, dass wir Ansprechpartner sind und Werte vermitteln können. Es geht dabei schon um Kleinigkeiten, etwa, dass man die Mütze absetzt, wenn man einen geschlossenen Raum betritt. Wenn so ein Verhalten im privaten Umfeld positiv auffällt, erzählen uns die Auszubildenden stolz davon. Inzwischen ist es zur Hälfte unsere Aufgabe, den Jugendlichen beim Erwachsenwerden zu helfen.
Welche Perspektiven haben Auszubildende nach der Ausbildung?
Wenn das Zwischenmenschliche und die Noten einigermaßen stimmen, werden unsere Auszubildenden nach ihrem Abschluss in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen.
Was raten sie jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung bei KSB interessieren?
Am wichtigsten sind uns Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Offenheit. Auch in kurzen Gesprächen merkt man, ob diese Eigenschaften gegeben sind. Ich empfehle zudem immer, erst einmal ein Praktikum zu machen. Oft folgt darauf ein Angebot für einen Ausbildungsplatz. Wenn ein Praktikum gut läuft, ist das wichtiger als ein gutes Zeugnis. Meiner Meinung nach sind die heutigen Schulnoten nicht mehr so aussagekräftig wie früher. Wir machen uns lieber ein eigenes Bild. Wenn wir zusammenarbeiten, kann auch eine schlechte Mathenote gemeinsam aufgearbeitet werden.
Info
Das Unternehmen KSB stellt Pumpen und Armaturen her. Am Standort Frankenthal sind Ausbildungen zum Industriekaufmann, zum Zerspanungsmechaniker und zum Industriemechaniker möglich. Bei einem Tag der offenen Tür am 28. Juni von 10 bis 14 Uhr in der Ausbildungswerkstatt von KSB in der Johann-Klein-Straße 9 stellen Auszubildende alle gewerblichen und kaufmännischen Berufsbilder vor. Auch die Wissensfabrik, die Bildungsmöglichkeiten in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fördert, wird vor Ort sein, um über ihre Arbeit zu informieren.
Zur Person
Rüdiger Köpp (56) arbeitet seit 38 Jahren bei KSB. Seit Oktober 2014 ist er Ausbildungsleiter am Standort Frankenthal.