Frankenthal Verkehrschaos nach IT-Panne bei BASF
Aus noch ungeklärter Ursache ist es gestern beim Chemiekonzern BASF zu einem Computerproblem gekommen. Neben Kommunikationsmitteln fiel auch die automatisierte Lkw-Abfertigung am Tor 15 fünf Stunden lang aus. Die Folge: Brummis stauten sich kilometerlang im Ludwigshafener Norden. Betroffen waren die B 9 und die A 6.
Stoßstange an Stoßstange standen gestern Vormittag die Lastwagen auf der B 9. Im Ludwigshafener Norden ging zeitweise gar nichts mehr voran. Die Brummifahrer waren ausgestiegen und beratschlagten auf offener Straße, wie es weitergeht. Die Hauptzufahrt zum weltgrößten Chemiewerk war dicht. Der Grund: eine Störung im IT-System der BASF, mit dem die automatisierte Abfertigung des Lkw-Verkehrs betrieben wird. Der Warenverkehr in das und aus dem Werk konnte deswegen mehrere Stunden nur manuell abgefertigt werden, was zu erheblichen Verzögerungen führte. Rund 3600 Lastzüge steuern täglich die BASF und das Kombi-Verkehrsterminal Ludwigshafen (KTL) an. Die Hauptzufahrt ins Werk erfolgt über das Tor 15 im Gewerbegebiet Nachtweide zwischen den Stadtteilen Edigheim und Pfingstweide. Damit soll der Lkw-Verkehr aus der Stadt gehalten werden. Normalerweise funktioniert die Verkehrsplanung. Doch weil die Lastzüge wegen des Computerausfalls nur verzögert abgefertigt werden konnten, bildeten sich lange Staus bei der Zufahrt zum Werk. Nach BASF-Angaben waren mehrere Hundert Lastwagen betroffen. Die Folge: kilometerlange Rückstaus auf den Fernstraßen im Ludwigshafener Norden. Die Polizei sprach gestern Vormittag von einem regelrechten Verkehrschaos. Hauptsächlich betroffen waren die Bundesstraße 9 im Norden sowie die Autobahn 6. Die Polizei sperrte die Abfahrt LU-Nord von der A 6, um den Bereich Edigheim/Pfingstweide zu entlasten. Die nicht abgefertigten Lkw wurden auf einen großen Ausweichparkplatz an der BASF-Kläranlage umgeleitet, um dort in Warteposition zu gehen. Im Verkehrsfunk appellierte die Polizei an Autofahrer, die Stadt Ludwigshafen weiträumig zu umfahren. Die Computerpanne bei der BASF dauerte von 6 bis 11 Uhr. Gegen die Mittagszeit war die Störung im Netzwerk behoben, und die Systeme konnten wieder hochgefahren werden. Die Lastwagen wurden dann nach und nach wieder automatisiert abgefertigt. Es dauerte jedoch einige Zeit, bis sich die Verkehrslage wieder entspannte. „Ursache für die Störung war eine fehlerhafte Netzwerkkomponente“, teilte ein BASF-Sprecher mit. Es habe sich um ein Softwareproblem am Standort Ludwigshafen gehandelt. Davon sei die automatisierte Abfertigung der Lkw am Tor 15 betroffen gewesen. Auch Telefone, Mailprogramme, Internetzugänge und das Intranet seien gestört gewesen. Nicht betroffen von den Computerproblemen war das Kombiterminal, die Drehscheibe für den Warenverkehr per Schiene und Straße. „Bei uns funktioniert alles einwandfrei, aber die Lkw kommen wegen der Staus nicht durch“, sagte ein KTL-Mitarbeiter. Hintergrund: Das Terminal ist wie das Tor 15 über die B 9 im Norden an den Fernverkehr angeschlossen. Und diese Zufahrt war stundenlang dicht. Der Verkehr auf der B 9 staute sich laut Polizei fast bis nach Worms. Da gestern Vormittag schon hochsommerliche Temperaturen herrschten, bot die Ludwigshafener Feuerwehr den im Stau Stehenden Getränke an. Um im Verkehrschaos durchzukommen, hatten drei Wehrmänner ihre privaten Motorräder bestiegen und Wasserflaschen aus den Beständen der Feuerwehr mitgenommen. Die IT-Probleme betrafen nach BASF-Angaben nicht nur die Lkw-Abfertigung und die computergestützte Büroarbeit in Ludwigshafen. Vielmehr sei es zu einem globalen Ausfall der konzerneigenen IT-Anwendungen gekommen. Produktionsanlagen im Stammwerk Ludwigshafen seien nicht von dem Ausfall betroffen gewesen. Der Betrieb sei normal gelaufen, und es habe keine Gefährdung der Bevölkerung bestanden, teilte der Konzern mit. „Die Produktion ist in keiner Form betroffen gewesen“, sagte ein Firmensprecher. Die Produktionsanlagen würden mit autarken IT-Systemen betrieben. Die BASF fertigte im Laufe des Tages mehrere Hundert Lkw ab und arbeitete den Rückstau ab, der sich gebildet hatte. Die Ursache für den Softwarefehler wird nun ermittelt – um eine Wiederholung zu verhindern. Wirtschaft