Frankenthal Ungewohnte Hörerlebnisse

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Am Sonntag gab der Kurpfälzer Singkreis unter der Leitung von Michael Teichert sein Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen. Auf dem Programm standen jüdische geistliche Werke, hauptsächlich aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Mit anfangs sehr umfangreichen Einführungen in die Stücke wurde ein abendfüllendes Programm in der Zwölf-Apostel-Kirche moderiert.

Der Singkreis fand 1989 in Lambsheim unter Teicherts Leitung zusammen. Gestartet eher als Provisorium, um eine Osterveranstaltung zu begleiten, besteht er nun seit 25 Jahren. Heute ist der Chor in der Region bekannt und verfügt über ein facettenreiches Repertoire. 2001 wurde er an die Städtische Musikschule Frankenthal angegliedert. Mit „Adon olam“ von Salamone Rossi Hebreo, einem Komponisten der italienischen Renaissance, begann ein großartiges Konzert. Bei diesem für Doppelchor komponierten Werk steht ein Solistenquartett einem etwas größeren Chor gegenüber. Das Prinzip der Mehrchörigkeit ist bedeutend für die Musikgeschichte. In Venedig wurden Kirchen so konstruiert, dass Chöre die verschiedenen Emporen nutzen konnten, um aus verschiedenen Ecken zu singen, wodurch ein räumliches Hörerlebnis entsteht. In der Zwölf-Apostel-Kirche stellten sich die beiden Chöre deshalb auf den gegenüberliegenden Seiten der Empore auf. Das ungewohnte Hören von den Seiten in Verbindung mit den reinen Intervallen der Renaissancemusik sorgten für einen gelungenen Auftakt. Weitere ungewohnte Hörerlebnisse sollten folgen: Unter jüdischer geistlicher Musik können sich wohl nur die wenigsten etwas vorstellen. Auch Chorleiter Michael Teichert ist dieser reinen, friedlichen Musik zufällig begegnet, wie er erläuterte. Vor 15 Jahren lernte er ein Stück von Leonard Bernstein kennen. Die Musik des jüdischen Komponisten habe ihn von da an nicht mehr losgelassen, sodass er nach geeigneten Stücken gesucht habe, um sich diese Musik zusammen mit seinem Chor zu erschließen. In Samuel Adlers „Bar’chu“ wechselte sich der Chor mit dem Bariton Matthias Horn in Begleitung der Orgel ab. Begann das Stück noch mit einem steten Wechsel zwischen Chor und Solist in einem Frage-und-Antwort-Schema, so vereinigten sie sich bald zu einem einzigen Klangkörper. Horn, der kräftig sang, wurde optimal durch die differenzierte Dynamik des Chors unterstützt. Eine gänzlich andere Musik erlebte das Publikum mit Maurice Ravels „Deux Melodies Hebraiques“ für Solostimme und Orchester. In diesem impressionistischen Werk wurde Mezzosopranistin Ursula Teichert von einem eigens aus Lehrkräften und fortgeschrittenen Musikschülern zusammengestelltes Orchester begleitet. Durch unterschwellige Töne der Streichinstrumente und Harfenklänge entstand im ersten Duett („Kaddish“) eine mystische Atmosphäre. Durch die wabernden Klänge hindurch war die schöne Stimme der Solistin zu hören. Das zweite Duett „L’énigme éternelle“ zeichnet sich durch tiefe, bedrohliche Klänge aus. Durch ungewohnte Dissonanzen und scheinbar willkürlich einsetzende Figuren wurde vom Orchester eine Spannung geschaffen, die sich schließlich in tosendem Beifall des Publikums entlud. Die Ausschnitte aus „Service Sacré“ von Darius Milhaud präsentierten Chor und Solist gemeinsam mit dem Orchester. Durch den intensiven Einsatz von Blechblasinstrumenten und Schlagwerk klang dieses Werk des 20. Jahrhunderts kraftvoller als das Ravel-Stück. Die Musiker bewiesen auch hier gutes Zusammenspiel. In einer Passage mit Cello schmiegte sich der Chor an den weiche Klang des Instruments an. Gegen die dominierenden Blechbläser konnte er sich aber nicht immer durchsetzen. Mit einzelnen Sätzen aus „Les Rêves de Jacob“ für Oboe und Streicher kam ein weiteres Milhaud-Werk auf die Bühne. Hier entwickelte sich eine einzigartige Mischung aus den zarten Streicherklängen und der prägnanten Klangfarbe der Oboe, die sich teils mühelos von den Streichern absetzte, stellenweise aber auch unterschwellig blieb und beinahe klanglich mit diesen verschmolz. Zum Abschluss erklangen die „Chichester Psalms“ von Leonard Bernstein, die Vertonungen verschiedener Psalme, in hebräischer Sprache gehalten. Nach den vorangegangenen, häufig sehr getragenen geistlichen Werken begann hier der erste Satz laut und energiegeladen und floss in raschem Tempo weiter. Der zweite Satz hingegen war ruhiger. Hier sang Sopranistin Maria Dirion-Gerdes, ebenfalls Mitglied des Chors, mit kristallklarer Stimme im Wechsel mit dem Ensemble. Der dritte Satz begann zart und zurückhaltend, aber im Verlauf stimmten mehr und mehr Instrumente ein und führten so auf den Höhepunkt zu, der in einem langgezogenen Amen seinen Abschluss fand.

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