Frankenthal Stadtklinik bietet Unterstützung

Nur acht Prozent der Opfer von sexualisierter Gewalt erstatten Anzeige. Das war ein Thema, mit dem sich die Gesprächsrunde im Ra
Nur acht Prozent der Opfer von sexualisierter Gewalt erstatten Anzeige. Das war ein Thema, mit dem sich die Gesprächsrunde im Rathaus befasste.

Frauen können sich nach einer Vergewaltigung an die Stadtklinik wenden und Spuren vertraulich sichern lassen, auch wenn sie sich nicht zu einer Anzeige durchringen konnten. Diese Information war vielen Teilnehmern am Runden Tisch gegen häusliche Gewalt bisher nicht bekannt. Zu dem Forum trafen sich Vertreter von Organisationen, die mit dem Thema Gewalt gegen Frauen in Berührung kommen, am Montag im Rathaus Frankenthal.

Die Referentinnen Regina Mayer (Notruf- und Beratungsstelle – Fachstelle für sexualisierte Gewalt in Worms) und Mareike Ott (Wildwasser und Notruf Ludwigshafen) riefen dazu auf, die Bedürfnisse der vergewaltigten Frauen in den Mittelpunkt zu stellen. Jede siebte Frau ab 16 Jahren erlebt im Laufe ihres Lebens nach einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Form der schweren sexuellen Gewalt. Nur etwa die Hälfte der betroffenen Frauen könne darüber sprechen. Elf Prozent suchten eine Hilfseinrichtung auf, etwa ein Drittel nehme ärztliche Hilfe in Anspruch. Nur etwa acht Prozent der betroffenen Frauen zeigten die Tat an, führten Mayer und Ott aus. Die Referentinnen forderten eine flächendeckende standardisierte Vorgehensweise der ärztlichen Versorgung, wenn Frauen vorstellig werden. Worms und Ludwigshafen seien die üblichen Anlaufstationen von Frauen aus Frankenthal und dem Umland, die nach einer solchen Tat Beratung suchten, so die Referentinnen. In Kliniken herrsche oft Unsicherheit, wie mit Frauen umgegangen werden solle, die sich nicht für eine Anzeige entscheiden könnten, so die Erfahrung der Psychologinnen. Um die Erfolgsaussicht einer späteren Anzeige zu verbessern, gebe es die Möglichkeit der vertraulichen Spurensicherung. Franz Hüttner, Arzt an der Stadtklinik und Teilnehmer an der Veranstaltung, berichtete, dass sich die Stadtklinik bereits vor zwei Jahren um eine Vereinheitlichung der Strukturen in der Vorderpfalz bemüht habe. Leider hätten nicht alle Kliniken reagiert und an einem Treffen teilgenommen. In Baden-Württemberg seien die Strukturen besser. Die meisten Frauen kämen in Frankenthal zur Klinik, nachdem sie bei der Polizei Anzeige erstattet hätten, sagte Hüttner. Den Frauen, die ohne Anzeigeerstattung vorstellig würden, biete die Stadtklinik eine vertrauliche Spurensicherung an. Das war vielen Teilnehmern des Runden Tisches neu. Für diese vertrauliche Spurensicherung gebe es keine Kostenerstattung, sagte Franz Hüttner. Die Stadtklinik zeige sich in diesen Fällen jedoch sehr entgegenkommend. Die Opferhilfsorganisation Weißer Ring könne Kosten von bis zu 190 Euro übernehmen, sagte Karl Metzdorf im Namen dieses Vereins. Da die Stadtklinik eine psychiatrische Abteilung habe, könne sie für die Frauen einen Betreuungsrahmen bieten, so Hüttner. Die vertraulich gesicherten Spuren würden ein Jahr lang in Mainz hinterlegt. So lange könne bei einer späteren Anzeige noch darauf zurückgegriffen werden. Mayer und Ott berichteten von einem Modellprojekt in Frankfurt und an zwei Standorten – Worms und Mainz – in Rheinland-Pfalz. Für Kinder unter 16 Jahren bestehe in Frankenthal die Möglichkeit, sich an den Kinderschutzdienst bei der Caritas zu wenden, der gerade aufgebaut werde. Hüttner nannte den durch die Referentinnen dargestellten optimalen Verfahrensablauf idealisiert. Viele Patientinnen stünden ohne Termin in der Notaufnahme. Einige Dinge müssten im Nachgang vom Hausarzt bewältigt werden. Eine Nachfrage der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Birgit Löwer stellte klar: Frauen müssen beim medizinischen Informationsgespräch nicht über den Tathergang sprechen. „Zu uns kommen viele Frauen, die deutliche Spuren von Gewalteinwirkung aufweisen“, berichtete Mediziner Franz Hüttner. Regina Mayer hatte gesagt, dass Vergewaltigungen oft keine äußerlichen Spuren hinterließen. Bei solchen mit deutlicher körperlicher Gewalt einhergehenden Vergewaltigungen sei es sinnvoll, so Hüttner, die Rechtsmedizin in Mainz einzuschalten, die dann in Frankenthal tätig werden könne. Die sei in der Spurensicherung versierter. Da der 25. November der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist, wurde im Vorfeld des Runden Tisches im Beisein von Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) eine Flagge am Rathaus gehisst. Sie soll nach Aussage von Birgit Löwer bis zum kommenden Montag an 20 weiteren Institutionen der Stadt aufgezogen werden und Protest gegen die weltweit vielen Formen der Gewalt gegen Frauen signalisieren. NOCH FRAGEN? Mehr Information zum Modellprojekt in Frankfurt und Worms gibt es im Internet unter www.soforthilfe-nach-Vergewaltigung.de.

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