Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtkapelle spielt in der Erkenbertruine

In der Erkenbertruine: die Stadtkapelle Frankenthal unter der Leitung von Björn Bein.
In der Erkenbertruine: die Stadtkapelle Frankenthal unter der Leitung von Björn Bein.

Die Stadtkapelle Frankenthal gefällt in der Erkenbertruine mit einem Mix aus bekannten Film- und Musicalmelodien, eingängigen Jazz- und Popnummern sowie traditioneller Volksmusik.

Von Kopf bis Fuß auf großes Kino eingestellt, zog die Stadtkapelle Frankenthal am Samstag in der Erkenbertruine aus ihrem breiten Repertoire so ziemlich alle musikalischen Trumpfkarten. Nur die Publikumsresonanz hatte alles andere als Oscar-Format.Dabei war die Trilogie der Ruinenkonzerte schon auf zwei Termine geschrumpft, nachdem der Lions-Club seine Benefizveranstaltung am Donnerstag wegen einer Unwetterwarnung kurzfristig absagte. So ganz optimal waren freilich die äußeren Bedingungen beim Auftritt des knapp 20-köpfigen Bläserensembles am Samstag auch nicht. 32 Grad und nur wenige Schattenplätze in dem altehrwürdigen Gemäuer, in dem sich die knapp 40 Besucher regelrecht verloren vorkommen mussten. Und auch die Akteure auf der Bühne waren nicht zu beneiden. Sie wurden von der tiefstehenden Sonne geblendet, gaben aber unter dem umsichtigen Dirigat von Björn Bein ihr Bestes.

Stilistisch wurde ein Mix aus bekannten Film- und Musicalmelodien, eingängigen Jazz- und Popnummern sowie traditioneller Volksmusik geboten. Mehr als in jedem Programmheft steht, wusste Volker Schaefer, Saxofonist und Vorsitzender der Stadtkapelle, über die einzelnen Stücke und ihre Entstehungsgeschichte zu erzählen. Er vergaß dabei nicht zu erwähnen, dass die historischen Wurzeln der Stadtkapelle zurückgehen auf den Kurfürsten Carl Theodor, dessen 300. Geburtstag und 225. Todestag in diesem Jahr begangen wird.

Bombastischer Auftakt mit Paukenschlägen und Tuba-Einwürfen: ein Soundtrack von Phil Collins aus dem Disney-Streifen „Bärenbrüder“. Vom französischen Lied „La mer“ zum Swing-Klassiker „Beyond the Sea“ umfunktioniert, wurden Erinnerungen an Benny Goodman wachgerufen.

Elisabeth statt Sissi

Auch der Kultfigur „Sissi“ erwiesen die Bläser in den gelben T-Shirts ihre Reverenz – allerdings nicht in der Herz-Schmerz-Version von Romy Schneider, sondern mit den Titeln „Ich gehöre nur mir“ und „Die Schatten werden länger“ aus dem Musical „Elisabeth“, bei denen auch die dramatischen Momente ihrer Vita zum Tragen kamen.

Als Kontrast erklang die Titelmusik aus „Children of Sanchez“, durch Antony Quinn berühmt geworden. Und mit Madonna untrennbar verbunden ist der ergreifende Song „Don't cry for me Argentina“ aus „Evita“, für den ein gefälliges Arrangement mit Trompetensolo ausgewählt wurde. Und wer die längst zu Ohrwürmern gewordenen Abba-Songs „Dancing Queen“, „Mamma Mia“ und „The Winner Takes It All“ ins Programm aufnimmt, kann im Grunde nichts falsch machen.

Hoher Unterhaltungswert

In der Pause aufgeschnappter Dialog eines Ehepaares: „Sollen wir sitzenbleiben oder gehen?“ - „Ein Liedchen hören wir uns noch an.“ Daraus wurden dann einige mehr, was für den hohen Unterhaltungswert des Konzertes sprach. Einen Beitrag hierzu leistete Leroy Andersons inspirierendes Stück „Bugler's Holiday“, bei dem sich die Trompeter Felix Monsieur, Finn Frefat und Thomas Zimmer solistisch auszeichnen konnten. Es gab fürwahr keine Berührungsängste zwischen den einzelnen Nummern. An einen temperamentvollen spanischen Pasodoble reihte sich unfallfrei die authentische „Lederhosen-Rhythmik“ der Oberkrainer mit dem Titel „Auf der Autobahn.“

Aber bitte mit Sahne

Und dann war der legendäre Herb Alpert angesagt, der es mit seinem mexikanisch angehauchten Tijuana-Brass-Sound und „A Taste of Honey“ zu Weltruhm brachte. Von ähnlichem Kaliber: Duke Ellingtons orientalisch anmutender Jazz-Standard „Caravan“.

Fehlte nur noch das Sahnehäubchen: ein Medley mit Melodien des unsterblichen Hit-Giganten Udo Jürgens. Beim „Ehrenwerten Haus“ oder „Ich war noch niemals in New York“ hätte eigentlich jeder mitsingen können, ja müssen.

Nach zwei Stunden verabschiedete sich die Stadtkapelle, die inzwischen als Sinfonisches Blasorchester der Städtischen Musikschule firmiert, in der tröstlichen Gewissheit, beim nächsten Auftritt, dem Bürgerempfang der Stadt Frankenthal am 11. Oktober im Congress-Forum, vor größerer Besucherkulisse zu spielen.

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