Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Sascha Gieger trainiert die Torhüter der HSG Eckbachtal

Sascha Gieger will aus Rouven Hahn und Tobias Häuselmann noch ein paar Prozent an Leistung rauskitzeln.
Sascha Gieger will aus Rouven Hahn und Tobias Häuselmann noch ein paar Prozent an Leistung rauskitzeln.

Neuzugänge von außerhalb sind bei den Oberliga-Handballern der HSG Eckbachtal eher rar. Mit neuen Spielern, die von anderen Vereinen kommen, muss sich Trainer Thorsten Koch nicht auseinandersetzen. Der prominenteste Neue gehört zum Trainerteam: Sascha Gieger kümmert sich um die Torhüter. Der 29-Jährige kann eine stattliche Handballvita vorweisen.

Was ein einzelner Anruf doch alles bewirken kann. In diesem Fall griff Mohamed „Moped“ Subab, Co-Trainer von Thorsten Koch bei Handball-Oberligist HSG Eckbachtal, zum Telefon, wählte die Nummer von Sascha Gieger und fragte einfach mal, ob dieser sich vorstellen könne, bei den „Gekkos“ die Torhüter unter seine Fittiche zu nehmen.

„Ich habe es mir einmal angeschaut. Und es hat genau das getroffen, was ich gesucht habe“, sagt Sascha Gieger im RHEINPFALZ-Gespräch. „Die Jungs sind ehrgeizig und haben Spaß“, hat er beobachtet.

Gutes Oberliga-Niveau

„Die Jungs“ – das ist im Fall der HSG Eckbachtal ein Quartett. Die beiden etatmäßigen Keeper sind Tobias Häuselmann und Rouven Hahn. Mit dabei sind aber auch noch Nachwuchsmann Clemens Diehl (17) und Kevin Bullenkamp. „Das sind schon Torhüter mit gutem Oberliga-Niveau“, sagt Gieger über die beiden Stammkeeper. Und doch will er bei beiden noch mal ein paar Prozent Leistung rauskitzeln.

„Rouven ist auf der Linie sehr stark. Er arbeitet viel mit Emotionen. Bei hohen Bällen ist er etwas schwächer als bei tiefen“, sagt Gieger. „Tobi arbeitet eher mit Wurfbildern. Er hadert vielleicht ein bisschen zu viel, wenn mal was nicht klappt. Da muss man sich dann immer sagen: Der nächste Ball kommt bestimmt.“ Es komme immer mal vor, dass man ein Tor kassiere, bei dem man als Keeper richtig doof aussehe. „Das muss man abhaken“, sagt Gieger.

Einwandfreie Kommunikation

Die Kommunikation mit Trainer Thorsten Koch laufe einwandfrei. Hauptthema sei derzeit Clemens Diehl. „Er ist ein junger Torwart, hat viel Talent, macht das technisch schon sehr sauber. Er ist beweglich und groß. Aber natürlich ist der Sprung von der A-Jugend zu den Aktiven in die Oberliga richtig groß. Es wird darauf ankommen, wie er diesen meistert.“ Diehl soll lernen und die beiden arrivierten Kräfte unterstützen. „Und wenn er die Chance bekommt, soll er einfach sein Ding machen“, rät Gieger.

Ein guter Handballtorwart müsse mental stark sein und eine gute Grundausbildung haben. „Mit 18, 19 lernt man das nicht mehr“, sagt Gieger. Und natürlich brauche man auch viel Talent und Trainingsfleiß, wenn man weiterkommen wolle. „Man darf nichts auslassen, muss auch mal die eine oder andere Trainingseinheit extra einlegen.“

Karrierestart in Neuhofen

Kevin Bullenkamp sei ein exzellenter Teamplayer. „Er kann seine Leistung einschätzen und ist voll integriert“, sagt der Torwarttrainer.

Sascha Gieger weiß, wovon er spricht. Der 29-Jährige hat beim TuS Neuhofen das Handballspielen gelernt. „In der B-Jugend bin ich dann nach Friesenheim zu Martin Röhrig. Da haben wir immer um die deutsche Meisterschaft mitgespielt.“ Irgendwann sei er in den Kader des damaligen Zweitligisten „gerutscht“. In der Regel sei er erster Torwart der zweiten Mannschaft und dritter der ersten Mannschaft gewesen. „Die meisten Spiele habe ich in der ,Zweiten’ gemacht“, erzählt Gieger.

In Haßloch und Nußloch aktiv

In der Dritten Bundesliga spielte er für die TSG Haßloch und für Nußloch. Dann kam das Verletzungspech. Danach das Studium, der Job. Nach einem Gastspiel bei Oberligist Worms beendete er mit 27 seine aktive Karriere.

Und jetzt ist er Trainer. Nicht nur bei der HSG Eckbachtal. Auch die Damen des TV Edigheim, wo auch seine Frau spielt, hören auf sein Kommando. „Das sind zwei unterschiedliche Aufgaben. Bei der HSG trainiere ich nur eine Position. Das ist sehr spezifisch. Auf der anderen Seite habe ich einen großen Kader. Da wird man nicht immer jedem gerecht, weshalb ich froh bin, einen guten Co-Trainer in Edigheim zu haben.“

Über jede Parade freuen

Doch was bewegt einen Menschen überhaupt, sich beim Handball ins Tor zu stellen? Nikola Karabatic hat den Ball immerhin mal auf knapp 140 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Nicht selten bekommt der Torwart den Ball gegen den Kopf. „Man muss sich drüber freuen, wenn man den Ball ins Gesicht bekommt“, sagt Gieger. „Egal, ob man den Ball mit dem Kopf abwehrt oder mit dem Fuß hoch im Winkel – beides zählt am Ende als Parade. Dann hat man solide Arbeit geleistet.“

Wichtig sei, dass man dabei seinen eigenen Stil finde. Er selbst sei zum Beispiel nie der Typ wie Silvio Heinevetter gewesen. „Und für Niklas Landin hat mir die Beweglichkeit gefehlt“, gesteht er. Man sollte niemanden imitieren wollen. „Man sieht, was der eine und der andere machen. Und davon kann man sich dann immer was rauspicken.“ Am meisten hat er sich von Martin Röhrig, seinem Jugendtrainer aus Friesenheimer Tagen, abgeschaut. „Vom Verständnis für den Sport her habe ich bei ihm am meisten gelernt“, sagt er. Auch in Haßloch bei Andrej Sinjak habe er viel mitgenommen. „Das war eine ganz andere Schule – direkter und härter“, erinnert sich der 29-Jährige.

Mit Situation zufrieden

Sascha Gieger selbst ist mit seiner derzeitigen Trainersituation zufrieden. Den Job als hauptverantwortlicher Übungsleiter eines Herren-Oberligisten zum Beispiel strebe er nicht an. Dafür ließen der Beruf als Gutachter für Gebäudeabrisse in Frankfurt und die Familie keine Zeit. „Ich bin zufrieden mit der aktuellen Lage und sehe keinen Veränderungsbedarf.“

Zur Sache I: Die Keeper über Gieger

Rouven Hahn: „Man merkt, dass er höherklassig gespielt hat. Er achtet sehr auf die Bewegungsabläufe.“ Hahn selbst habe aufgrund der Tipps des Trainers schon sein Stellungsspiel angepasst. „Wir können auch Vorschläge machen, was wir gerne trainieren würden, und er sucht dann die Übungen aus.“ Was es am Ende ausmache, werde man im ersten Ligaspiel sehen. „Er bringt auf jeden Fall frischen Wind.“ Man könne immer etwas Neues erfahren.

Tobias Häuselmann: „Ich bin begeistert. Er macht richtig gutes Training.“ Wie Gieger die Übungen begleite, sei stimmig. Zudem gebe er wertvolle Tipps. „Er hat extrem viel Erfahrung.“ Es gehe vor allem um die saubere Ausführung von Bewegungsabläufen – und das in einer gewissen Schnelligkeit. „Damit wir keine halbgaren Bewegungen machen.“ Er sei begeistert davon, dass er von der Erfahrung, die Gieger mitbringe, profitiere.

Zur Sache II: Kochs Saisonausblick

Die Zielsetzung ist für HSG-Trainer Thorsten Koch denkbar einfach: „Wir müssen zwei Teams hinter uns lassen.“ Und damit steht auch schon fest, um was es geht: den Ligaverbleib. Das wird schwer genug, denn die Staffel 2 der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, in der die HSG Eckbachtal gelandet ist, gilt allgemein als die schwierigere.

Koch rechnet mit einem Vierkampf um den Titel. Die VTV Mundenheim, VTZ Saarpfalz, den TV Offenbach und die HF Illtal hat er auf dem Zettel. Und auch Aufsteiger TV Homburg traut er einiges zu. Bleiben noch der TuS Kaiserslautern-Dansenberg II und die HSG Völklingen. „Es wird eine haarige Nummer“, prophezeit Koch.

Erst recht, weil sein Team zu Saisonbeginn gleich die vier Topfavoriten Offenbach (Sonntag, 18 Uhr), Mundenheim, Illtal und Saarpfalz als Gegner hat. „In den vergangenen Jahren haben wir immer in Offenbach verloren“, erinnert sich Koch. Der TVO stehe kompakt in der Abwehr, habe eine brachiale Athletik und spiele mit Tempo nach vorne. „Die erste und zweite Welle haben wir nie in den Griff bekommen.“

Da hilft es nicht, dass mit Michael Betz (Meniskus) ausgerechnet der Kapitän droht, die gesamte Saison zu verpassen. Also müssen die Jungen ran. Fabian Quandt sei längst nicht mehr dritter Kreisläufer. Nisse Nehrdich tue es gut, dass er nicht mehr zwischen A-Jugend und erster Mannschaft hin- und herspringen müsse. „Er übernimmt von sich aus Verantwortung.“ Timo Kluzik agiere souveräner. Und auch Julian Pozywio habe noch mal einen Schritt nach vorne gemacht.

Der Kader der HSG Eckbachtal

Tor: Häuselmann, Hahn, Diehl, Bullenkamp - Kreis: Quandt, Wenzel, Ebel - Rechtsaußen: Kassel - Linksaußen: Lerzer, Kluzik - Rückraum: Nehrdich, Schreiber, Räuber, Schloß, Dopp, Pozywio, Michael Betz, Thomas Betz, Rogawski.

x