Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Wochenkolumne

Bei sieben Grad Wassertemperatur zum Nachmachen nur bedingt empfohlen: Wojtek Laskowski sowie Ewa und Jaroslaw Kumelski (von lin
Bei sieben Grad Wassertemperatur zum Nachmachen nur bedingt empfohlen: Wojtek Laskowski sowie Ewa und Jaroslaw Kumelski (von links) beim Eisbaden im Lambsheimer Weiher.

Stadtrat: Hausgemacht

Es gibt Menschen (und glücklicherweise immer noch mehr als andere), denen genügt es nicht, auf digitalem Weg mit ihrer Umwelt zu kommunizieren. Die brauchen direkten persönlichen Kontakt wie – zugegeben: kein sehr origineller Vergleich – Fische das Wasser. Der Grüne Gerhard Bruder beispielsweise mag’s, wenn’s menschelt. Und der Flomersheimer ist, um noch einmal die Welt der Wasserbewohner zu bemühen, der rhetorische Hecht im kommunalpolitischen Karpfenteich.

Seinen Haushaltsreden zuzuhören, ist wahrscheinlich für die Kollegen der Konkurrenz nicht immer angenehm, aber irgendwie doch ein Genuss. Der Mann gibt sich Mühe, spielt mit Sprache, strukturiert Gedanken. Insofern war sein Beitrag am Mittwoch bei der großen Jahresendsitzung des Stadtrats mit ihren 52 öffentlichen Tagesordnungspunkten wieder einmal einer der besten der sieben Fraktionssprecher – ohne das übrigens inhaltlich bewerten zu wollen.

Aber eins hat Bruder nach eigenem Bekunden sehr gefehlt, als er so seinen Text vor dem heimischen Bildschirm in die Weiten des Internets sprach: „die von mir so geliebten Zwischenrufe“ aus dem Plenum. Da kam bei der als Videokonferenz abgehaltenen Versammlung nämlich nix. Hoffentlich ist nächstes Jahr mal wieder politischer Infight statt einer sterilen Vorlesestunde angesagt. Jörg Schmihing

Impfkampagne: Handfest

Selten hat man Michael Reith (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Lambsheim-Heßheim, so emotional gesehen, wie am Mittwochabend bei der – coronabedingt virtuellen – letzten VG-Ratssitzung des Jahres. Als der Großniedesheimer Ortsbürgermeister Michael Walther (SPD) Reiths Corona-Fahrplan der vergangenen Wochen ansprach, musste Reith mit den Tränen kämpfen. „Du hast uns den Arsch gerettet“, sagte Walther recht handfest, und ebenjenen habe sich der VG-Chef auch aufgerissen, um Testangebote in Schulen wie auch für alle Bürger aufrechtzuerhalten, den Impfbus so oft wie möglich in die VG zu holen und selbst ein kommunales Impfangebot in der Eckbachhalle zu organisieren. Zuletzt wurden dort laut Walther 717 Menschen an einem Tag immunisiert – 100 davon das erste Mal.

Reith war von den lobenden Worten in der Videokonferenz sichtlich ergriffen, und auch die virtuelle Distanz an den Bildschirmen vermochte seine roten Augen nicht zu verstecken. „Ich habe gerade einen kurzen Break gebraucht, um mich zu sammeln“, sagte Reith nach einigen Momenten Stille und dankte allen Ortsbürgermeistern für die „großartige Zusammenarbeit“. Stefanie Brunner

Adventsbaden: Hartgesotten

Badende im Lambsheimer Weiher sind ein gewohnter Anblick. Im Dezember eher nicht. Am zweiten Advent gönnten sich hier drei hartgesottene Gesundheitsfanatiker ein zehnminütiges Badeerlebnis. Mit sieben Grad war das Wasser mehr als erfrischend. Die tollkühnen Schwimmer – Wojtek Laskowski aus Limburgerhof und Ewa mit Jaroslaw Kumelski aus Grünstadt – waren nicht gekommen, um den 2G-plus-Regeln im Frankenthaler Hallenbad auszuweichen, sondern um ihr Immunsystem zu stärken. Das mit Schuhen und Handschuhen aus Neopren gekleidete Trio hofft, sich so auch gegen Corona besser zu schützen – quasi eine zusätzliche eisige Impfung gegen das Virus.

Wikipedia hat dem Winter- und Eisbaden eine ganze Seite gewidmet. Dort heißt es, dass sich die Sportler Seehunde, Pinguine und Eiszapfen nennen. Laut medizinischen Untersuchungen sollen die weißen Blutkörperchen durch die Kälte zunehmen, sodass ein besserer Schutz vor Entzündungen gegeben ist. Wer’s nachmachen will, sollte einen guten Kreislauf haben und mit einem sehr kurzen Sekunden-Bad beginnen. Oder die Sauna im Hallenbad benutzen – noch ist sie geöffnet. Klaudia Toussaint

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