Frankenthal Rätsel um Heiligenstatue in Dreifaltigkeitskirche sollen gelöst werden
Das in Vergessenheit geratene Fundstück, das – als „Joseph mit Jesuskind“ bezeichnet – 2004 von Ludwigshafen den Weg ins Museum fand, gibt einige Rätsel auf. Wer die fast lebensgroße, stark übermalte Figur geschaffen hat und woher sie stammt, ist offen. Um Näheres zu erfahren, wurde Kontakt mit der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit aufgenommen. Pfarrer Stefan Mühl bat Friedhelm Trowe, Mitglied des Gemeindeausschusses von St. Cyriakus Eppstein, sich der Sache anzunehmen. Herausgekommen sind neue Erkenntnisse, die Trowe, der sich intensiv mit Kunstgeschichte und Theologie befasst, in zwei Beiträgen des Pfarrei-Monatsheftes „aktuell“ veröffentlicht hat.
Weil der heilige Josef schon zu Zeiten von Kurfürst Carl Theodor in Frankenthal als Stadtpatron verehrt wurde, lag es auf der Hand, die Figur mit dem Zimmermann aus Nazareth zu identifizieren. Allerdings findet sich in keiner der von Trowe zu Rate gezogenen Publikationen ein Hinweis, dass das Kunstwerk irgendwann zur Ausstattung der Dreifaltigkeitskirche gehörte. Der als Kunstkenner und Mäzen bekannte Philipp Haußner, von 1931 bis 1936 Pfarrer in Frankenthal, könnte die Statue erworben und in der Kirche verwahrt haben, bevor er in Speyer zum Domkapitular ernannt wurde, vermutet Trowe.
„Exakte Darstellung biblischer Erzählung um Elija“
Allerdings zeigt die Figur keinen Handwerker, sondern einen eher schmächtigen Mann. Auch das Kind wirkt unbeholfen und unsicher. Der Mantel aus Ziegenhaaren brachte Trowe schließlich auf die richtige Spur. Ein solches Kleidungsstück ist nur bei zwei biblischen Gestalten anzutreffen: bei Johannes dem Täufer, der allerdings nie mit einem Kind dargestellt wurde, und beim Propheten Elija. Über ihn wird im Alten Testament berichtet, dass er dem todkranken Sohn der Witwe von Sarepta mit Gottes Hilfe wieder Leben einhaucht und das noch benommene Kind seiner Mutter zurückgibt.
Für Friedhelm Trowe lässt dieses Forschungsergebnis nur den Schluss zu, dass es sich um den Propheten Elija handelt, da die Darstellung mit der biblischen Erzählung exakt übereinstimmt.
Das Erkenbert-Museum, das seine Sammlungen gerne für Forschungszwecke zur Verfügung stellt, ist zurückhaltender. „Angeregt durch die Auseinandersetzung der Kirchengemeinde mit der Heiligenfigur plant das Museum, durch weitergehende Forschungen zu wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen zu gelangen“, heißt es in einer Mitteilung.