FRANKENTHAL
Projekt mit „Fridays for Future“: ein Baum für jedes Baby
Die Fraktion Grüne/Offene Liste hatte eine Anfrage zum Thema vorgelegt. Informationen präsentierte die Verwaltung dazu im Planungs- und Umweltausschuss. Zur Orientierung geht sie von der Geburtenzahl des Jahres 2019 aus: 355 Geburten wurden damals dem Frankenthaler Standesamt gemeldet. Welcher Aufwand mit dem Pflanzvorhaben bei 400 Exemplaren verbunden wäre, hat die Verwaltung geprüft. Dabei wurde unterstellt, dass die Umsetzung noch in diesem Jahr beginnt; geschätzte Kosten für die „Entwicklungspflege“ der Bäume bis 2025 wurden eingerechnet. Ergebnis: Für „Hochstämme mit einem Stammumfang von 14 bis 16 Zentimeter“ wären rund 560.000 Euro fällig. Kleinere Obstbäume würden rund 480.000 Euro kosten, noch mal deutlich kleinere „Forstware“ wäre für etwa 434.000 Euro zu haben.
In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde hat die Stadt acht Flächen ermittelt, die für eine solche Aufforstung geeignet wären. Favorisiert werde derzeit ein rund 2,4 Hektar großes Areal in der Gewanne Nachtweide nördlich von Mörsch, heißt es in dem Bericht, der dem Ausschuss vorgelegt wurde. Die Flächen seien in städtischem Eigentum, aber verpachtet; eine Kündigung sei frühestens im November möglich. Vermerkt ist im vorgelegten Bericht aber auch: Schon die Recherche zu diesem Thema habe „zu großem Unmut seitens betroffener Landwirte und der Landwirtschaftskammer geführt“.
Gespräch wird nachgeholt
„Wir haben geschaut, was geht“, sagte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU). Die vorgelegte „Machbarkeitsstudie“ sollte eigentlich schon mit Fridays for Future besprochen worden sein; einen für März geplanten Termin habe man aber wegen der Corona-Krise absagen müssen. Dieses Gespräch soll noch nachgeholt werden.
Ihre Fraktion finde das Vorhaben „superklasse“, sagte Gabriele Bindert (CDU). Das sei ein „wichtiger Beitrag zum Klimaschutz; wir helfen alle bei der Pflanzung“. „Wir freuen uns über jeden Baum“, erklärte Gunther Koch (SPD). Die Euphorie der Vorrednerin könne er aber nicht teilen. Mehr als 500.000 Euro für Pflanzungen außerhalb der Innenstadt vorzusehen – das müsse man hinterfragen. Es sei gut, Fridays for Future einzubinden, merkte Konstantin Werner (Grüne/Offene Liste) an. Er setzte aber ein Fragezeichen hinter den Standortvorschlag der Verwaltung: Die Fläche erscheine recht klein. Marika Denzer, Leiterin des Bereichs Planen und Bauen, bestätigte Werners Vermutung, dass man dort nur den Auftakt machen könnte: „Vielleicht ein Drittel von 400 Bäumen passt da hin.“
Hebich rechnet mit Widerstand
„Aus der Landwirtschaft wird heftiger Widerstand kommen“, erwartet OB Hebich. „Die klagen jetzt schon über den Flächenverbrauch.“ Diese Aussage war für Gerhard Bruder (Grüne/Offene Liste) Anlass, „die Bauern in Schutz zu nehmen“. Der Druck auf die Betriebe wachse, „der Raum für Landwirtschaft wird immer geringer“. Einen Wald mitten in ein landwirtschaftlich genutztes Gebiet zu pflanzen, könne problematisch sein. Am vorgeschlagenen Standort „scheint es mir aber machbar“, ergänzte Bruder. Der Grünen-Sprecher plädierte zugleich aber dafür, das Thema Nachpflanzungen im gesamten Stadtgebiet nicht aus den Augen zu verlieren.
Ähnlich argumentierte Gabriele Bindert. „Das Wichtigste für uns sind die innerstädtischen Flächen.“ Hier wäre die Verwaltung nach Ansicht der CDU-Fraktionschefin gut beraten, ein Konzept zu entwickeln, nach dem jedes Jahr bis zu 200.000 Euro für Baumpflanzungen investiert werden sollten. Den genannten Aufwand von einer halben Million Euro für einen Außenbereich sollte man noch einmal überdenken, meinte Bindert. Sie riet dazu, für die Pflanzungen preisgünstigere „Forstware“ zu verwenden.
„Ich merke, jetzt ist eine gewisse Zurückhaltung zu spüren“, fasst OB Hebich die Debatte zusammen. Wenn die noch offenen Fragen geklärt seien, werde aber auch bei diesem Thema ein Beschluss notwendig sein, wie es weitergehen solle. „Es muss eine klare Ansage geben.“