Frankenthal
Pilgerpfad: Programmierfehler in digitalem Fragebogen entdeckt
Die Möglichkeit, seinen Standpunkt zur künftigen Entwicklung des Pilgerpfads in den Beteiligungsprozess einzuspeisen, gibt es schon seit dem 18. Juli. Damals hat die Stadt sowohl eine Onlineumfrage scharfgeschaltet als auch Papierfragebögen an verschiedenen Orten im Viertel ausgelegt. Dass die Internetversion dieser Aktion, die eine Reihe von Veranstaltungen auf dem Jakobsplatz begleitet und ergänzt, einen Programmierfehler enthält, ist Mitgliedern der Bürgerinitiative aufgefallen, die sich als Reaktion auf die ursprünglichen Hochhauspläne eines Investors gebildet hat.
Eine Seite übersprungen
Das von der BI entdeckte Phänomen: Wer bei Frage 16 „Gibt es im Pilgerpfad Orte, die Sie meiden?“ ein „Nein“ anklickte, wurde zumindest bis vergangenen Dienstagmorgen direkt auf die übernächste Seite weitergeleitet. Die Folge: Der Teilnehmer hatte keine Chance, die Fragen 19 bis 22 der insgesamt 27 Punkte umfassenden Umfrage zu beantworten. Aus Sicht der Sprecher der Initiative besonders ärgerlich, weil unter den übersprungenen Fragen eine von nur zwei war, die sie selbst beisteuern durfte: „Wie schätzen Sie die Bevölkerungsdichte im Pilgerpfad ein?“
Dass dieser Punkt für die BI-Mitstreiter um Sprecher Herbert Hildebrandt besonders bedeutsam ist, liegt auf der Hand. Einer der zentralen Punkte auf deren Agenda ist die Befürchtung einer zu großen Verdichtung des Quartiers, wenn dort – wie vom Investor Pro Concept ursprünglich geplant – im großen Stil Wohnungen am Nordende des Jakobsplatzes gebaut werden. Die zweite Frage zielt in eine ähnliche Richtung: Drei Aussagen zur Notwendigkeit zusätzlichen Wohnraums im Pilgerpfad stehen dem Teilnehmer der bis 18. September terminierten Umfrage zur Wahl.
Stadt räumt Fehler ein
Programmiert und konzipiert hat die Online-Aktion das mit der Begleitung und Moderation der Bürgerbeteiligung beauftragte Beratungsbüro Sven Fries. Auf RHEINPFALZ-Anfrage räumt die Stadt ein, „dass aufgrund eines technischen Fehlers diejenigen Antworten auf die Fragen 19 bis 22 nicht berücksichtigt wurden, die im Zeitraum bis 11. August, 9.49 Uhr, abgegeben wurden und auf Frage 16 mit Nein geantwortet haben.“ Der Fehler sei behoben, alle später ausgefüllten Fragebogen könnten demnach „vollumfänglich ausgewertet“ werden.
Die BI-Leute befürchten nun eine Verzerrung des Umfrageresultats zu ihrem Nachteil. Dem widerspricht die Stadt mit Verweis auf eine vom Beratungsbüro „automatisch generierte Zusammenfassung der Ergebnisse“. Sie zeige, dass die Mehrheit der Befragten die verhängnisvolle Frage 16 mit Ja beantwortet hat. Der Schluss der Statistiker: Trotz der geringeren Anzahl verwertbarer Antworten komme man zu „aussagekräftigen Ergebnissen“.
211 ausgefüllte Bogen
Bis vergangenen Dienstag hatten laut Stadt 211 Personen den digitalen Fragebogen ausgefüllt, der Fehler betrifft demnach 89 davon – etwa 42 Prozent aller Teilnehmer also. „Bei den analogen Fragebögen haben wir noch keine Zahl der Rückläufe“, heißt es aus dem Rathaus. Die Verwaltung verspricht nun vollkommene Transparenz: „Wir werden diesen Fehler in der Auswertung nachvollziehbar aufschlüsseln.“ Dass Teilnehmer der Umfrage, die sich an ihren Klick auf „Nein“ bei Frage 16 erinnern, nochmals einen Papierfragebogen ausfüllen, wie die BI nun vorschlägt, lehnen die Verantwortlichen ab. Eine nochmalige Teilnahme sei für die Gesamtauswertung nicht erforderlich.