Frankenthal Paukenschlag: Seidenspinner muss gehen, Hinkel übernimmt

Ein sportlich schwieriges Jahr liegt hinter dem Fußball-A-Klassisten TSV Eppstein. Durch einen Endspurt hat der Verein als Drittletzter zumindest noch die Option, in der Liga zu bleiben. Doch es liegt nicht mehr in der Hand des TSV: Man muss hoffen, dass der Tabellenzweite SV Ruchheim die Relegation erfolgreich absolviert. Doch nicht das sportliche Abschneiden – das 3:3 bei Arminia Ludwigshafen II, das letztlich den drittletzten Platz absicherte und das auch für den TuS Flomersheim und den TSV Eppstein II noch wichtig werden kann (dazu später mehr) – war die eigentlich überraschende Nachricht des Wochenendes. Nein: Der TSV hat seinem Trainer Thomas Seidenspinner den Laufpass gegeben. So empfindet es Seidenspinner. Risse in der nach außen oft gelassenen, heilen, etwas anderen Welt des TSV Eppstein, wo immer betont wurde, dass jede Saison in der A-Klasse mit den vorhandenen Mitteln ein Bonus sei. TSV-Vorstand Gerhard Sauvage hofft das nicht. Er möchte zudem nur ungern von einem Rausschmiss reden. „Es war eine sehr schwere Entscheidung, die mir persönlich wehtat. Es war aber meine Entscheidung.“ Sauvage glaubt, dass Seidenspinner im neunten Jahr beim TSV der Mannschaft spielerisch keinen neuen Schwung mehr habe geben können, das rein sportliche Verhältnis etwas abgenutzt gewesen sei. Neuer Trainer der ersten Mannschaft wird Tobias Hinkel, bisher für Team II zuständig. Sauvage hofft, dass Seidenspinner dem TSV verbunden bleibt. Ein Angebot, sich in anderer Funktion im Verein zu engagieren, habe der Trainer aber abgelehnt. Thomas Seidenspinner zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung des Vereins, nicht nur wegen des späten Zeitpunktes (Anfang vergangener Woche), zu dem ihm diese mitgeteilt wurde: „Der TSV war für mich auch eine Herzensangelegenheit. Ich wäre gerne weiter Trainer geblieben, möchte in Zukunft gerne weiter als Trainer arbeiten.“ So begründet Seidenspinner seine Ablehnung eines Angebotes des Vorstandes, in anderer Funktion im Verein tätig zu werden. Das 3:3 zum Saisonabschluss sei ein Spiegelbild der Saison gewesen, kommentierte der Coach den Verlauf des letzten Saisonspiels am Sonntag. Nach sieben Minuten führte der TSV bereits 2:0, habe das Spiel im Griff gehabt. Kurz vor der Halbzeit sei man nach einem eigenen Eckball in einen Konter gelaufen: 1:2. Auch nach dem Wechsel habe der TSV noch Chancen gehabt, doch in der 50. Minute das 2:2 kassiert. „Da kam bei mir dann schon ein ungutes Gefühl auf“, sagt Seidenspinner. Die Schlussphase wurde noch einmal turbulent. Der Schiedsrichter habe dann einen indirekten Freistoß im 16-Meter-Raum des TSV gepfiffen. Grund: Der Eppsteiner Torwart habe Abseits moniert gehabt. „Das ganze Spiel wurde auch von den Arminen munter reklamiert, nie hat der Schiedsrichter reagiert“, ärgert sich Seidenspinner. Der Freistoß brachte den TSV ins Hintertreffen (88.). Dann habe der Unparteiische wohl seinen Fehler gutmachen wollen, meint Seidenspinner. Nach einer Roten Karte für Arminia und dem fälligen Freistoß, der in den Strafraum gezirkelt wurde, kam es zum Foul im Strafraum: Elfmeter für die Gäste. Stefan Rittmann verwandelte zum 3:3-Ausgleich. Auch mit einer Niederlage wäre der drittletzte Platz sicher gewesen, doch das wusste man ja erst nach dem Spiel. Seidenspinner ist erst einmal froh, dass der TSV keine Relegation mehr spielen muss. Was heißt das jetzt aber? Der TSV ist abhängig von Ruchheim. Wenn der SV aufsteigt, bleiben die Eppsteiner in der A-Klasse. Wenn der TSV in der A-Klasse bleibt, steigt auch der TuS Flomersheim nicht ab und die zweite Mannschaft des TSV darf als Meister der C-Klasse hoch in die B-Klasse. Vielleicht können die Eppsteiner und Flomersheimer auf diesem Weg ja weiter an ihrem gut-nachbarschaftlichem Verhältnis (Achtung: leichte Ironie) arbeiten: „Ich würde mich freuen, wenn der TuS drinbleibt“, sagt Sauvage und klingt ehrlich. Klar, denn der TSV würde ja auch drinbleiben und aufsteigen.