Frankenthal Ohne Schnickschnack
Wenn Philipp Perl morgen Abend auf der Bühne des Kulturzentrums Gleis 4 steht, will er vor allem eins: Spaß haben und seine Musik mit dem Publikum teilen. Der Bobenheim-Roxheimer ist einer von sechs Musikern, die beim Song Slam mit selbst verfassten Liedern antreten – ohne große Bandbegleitung, ohne viel Schnickschnack. Das Publikum entscheidet, wer nach drei Runden zum Sieger gekürt wird.
Ein kleines Sofa, ein Tisch, zwei Stühle, eine Zimmerpflanze auf dem Fensterbrett, ein Cajon als Beistelltisch: Ohne viel Schnickschnack ist auch das Wohnzimmer von Philipp Perl eingerichtet. An der Wand hängt die Akustikgitarre des 28-Jährigen, darunter steht als einzige Deko ein Frauentorso aus hellem Holz. Zwei Freunde haben „Fiona“, wie die Figur ohne Gesicht heißt, vor ein paar Jahren als Weihnachtsgeschenk geschnitzt. Das erste eigene Lied schrieb Philipp Perl mit 16 Jahren, es war ein Projekt im Musikunterricht. Als Kind lernte er zunächst Orgel. „Das war nie mein Wahlinstrument, wir hatten einfach eine Orgel in der Familie.“ Mit zwölf Jahren wechselte er zur Gitarre – „Schlagzeug war meinen Eltern zu laut“ – und fing kurz darauf auch mit dem Singen an – ein Rat seines Gitarrenlehrers, der ihm sagte: „Sing beim Üben einfach die Texte mit.“ „Vorher habe ich nie im Chor oder so gesungen, es muss anfangs mehr schlecht als recht geklungen haben.“ Anfangs hat Perl vor allem auf Englisch getextet, inzwischen schreibt er auch viel auf Deutsch. Was, erzählt er, einerseits einfacher ist, andererseits schwerer, „vielleicht, weil man manchmal Angst hat, zu dramatisch oder pathetisch zu klingen“. Auch morgen wird er nur auf Deutsch singen und sich selbst auf der Gitarre begleiten. Seine Musik bezeichnet der Bobenheim-Roxheimer als „deutsche Singer-Songwriter-Musik, wie es sie bereits seit den 1960er-Jahren gibt“. Nur, dass seine Texte weniger politisch seien als die der Liedermacher der 70er und 80er, mehr von Gefühlen und Geschichten und Eindrücken aus dem Alltag erzählten. Wenn er nicht selbst textet oder spielt, hört Perl am liebsten Damian Rice und die Toten Hosen, aber auch Klassik und Deutschrap. Beim morgigen Song Slam geht es Philipp Perl weniger ums Gewinnen als darum , Kontakte zu knüpfen, Spaß zu haben, die Musik mit dem Publikum zu teilen und zu sehen, wie die Menschen darauf reagieren. Das Format kennt er bisher nur aus der Zuschauerperspektive, bühnenerprobt ist Perl aber als langjähriges Mitglied des Theaterkreises Bobenheim-Roxheim. Nach dem Abitur am Frankenthaler Karolinen-Gymnasium studierte er zunächst an der Schauspielschule Mainz. Die Ausbildung brach er ab, weil „es nicht die richtige Zeit und nicht der richtige Ort für mich war“. Derzeit macht er in Grünstadt eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, in Kürze stehen die Abschlussprüfungen an. Die Musik zum Beruf zu machen, kam für Perl nicht in Frage. „Ich mache das so gern, das soll nicht zur Pflicht werden.“ Tickets Song Slam im Kulturzentrum Gleis 4, morgen, Freitag, 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Karten an der Abendkasse kosten acht Euro.