FRANKENTHAL
Naturschutzbeirat: Kritischer Blick auf Baugebiete
Fünf Jahre, bis 2025, dauert die Amtszeit des Beirats. Wegen der Corona-Pandemie konnte das nun neu besetzte zehnköpfige Gremium seine Arbeit nicht wie geplant im März, sondern erst Ende Juni aufnehmen. Für Riede, der sich zudem als ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter für den Vorort Eppstein engagiert, ist es „ich glaube, die vierte Wahlperiode“, wie er mit einem Lächeln sagt.
Die Stadtverwaltung schätze den Einsatz der Ehrenamtlichen, die „sehr viel Sachverstand“ einbrächten, erklärt Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Nach dem Landesnaturschutzgesetz sollen die Beiräte die Naturschutzbehörde – in diesem Fall die Stadt Frankenthal als „Untere“ Fachbehörde – bei ihrer Arbeit beraten und unterstützen.
Konzept für Umgang mit Wiesen
Das gelte zum Beispiel für neue Bebauungspläne, erläutert Knöppel; dazu gebe der Beirat jeweils eine Stellungnahme ab. Und er könne selbst initiativ werden. So sei es etwa bei der Erarbeitung des Konzepts für einen ökologisch angemessenen Umgang mit Wiesengelände in städtischem Besitz gewesen.
Perfekt gelungen sei die Neubesetzung des Gremiums noch nicht, muss Heiner Vogt, Sachbearbeiter für Naturschutz im Bereich Ordnung und Umwelt, einräumen: Nach dem Gesetz soll der Beirat zwölf Mitglieder umfassen und gleichgewichtig mit Männern und Frauen besetzt werden. Der aktuelle Frankenthaler Beirat hat aber nur zehn Mitglieder, davon sind drei Frauen.
Ehrenamtliche Arbeit
„Manchmal ist es schwierig, Leute für diese Aufgabe zu gewinnen“, sagt Vogt. Vorschläge für die Besetzung legen Berufs- und Interessenverbände vor, darunter der Landesjagdverband (für die Naturschutzverbände), die Industrie- und Handelskammer und die Architektenkammer. Die Stadtverwaltung sei dann verpflichtet, sich an diese Vorschläge zu halten, erklärt der zuständige Sachbearbeiter.
Mindestens zweimal im Jahr trete der Beirat zusammen, erläutert Vogt. „Wir hatten aber auch schon vier oder fünf Sitzungen.“ Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Planungen für Baugebiete kritisch auf den Punkt Naturschutz zu überprüfen – das ist eine klassische Aufgabe des Gremiums. Die Gebiete Sternjakob-Gelände, Bornfeld (Eppstein) oder Am Studernheimer Weg (Flomersheim) nennt Vogt als Beispiele aus jüngerer Zeit. Die Überarbeitung des Flächennutzungsplans stehe an, die BASF plane Investitionen, wirft Georg Riede ein; „da kommt noch einiges auf uns zu“. Oft mache man dann auch eine Begehung an Ort und Stelle. „Bei den Klostergärten war das zum Beispiel so“, sagt Knöppel.
„Da lacht das Herz“
„Auch Renaturierungsprojekte sind ein Thema“, ergänzt Heiner Vogt. Dass sich solche Projekte positiv auf die Entwicklung von Tier- und Pflanzenwelt auswirken – davon sind die Gesprächsteilnehmer überzeugt. So habe im Renaturierungsgebiet Isenach der Feldhasenbestand erkennbar zugenommen, berichtet Vogt. Öfter als früher könne man Störche in der Gemarkung sehen. Und im Bereich Studernheim sei er sogar schon einer Fasanen-Mama mit 19 Küken im Schlepptau begegnet: „Wenn man so was sieht, da lacht das Herz.“
Dass es allerdings auch immer wieder Menschen gibt, denen Naturschutz offenbar schnuppe ist, erlebt Georg Riede öfter, als ihm lieb ist: „Es vergeht fast keine Woche, in der ich nicht Heiner Vogt anrufe wegen Müll, der in die Landschaft geworfen wurde“, sagt der Landwirt. Dabei, so findet er, sollte doch jeder ein Auge darauf haben, dass Naherholungsgebiete so bleiben, wie man sie sich wünscht. Mitunter gehe es auch um ganz praktische Fragen, ergänzt Heiner Vogt: Wenn etwa neben einem Radweg Pflanzen wachsen, dann muss auch geregelt werden, welchen Platz die beanspruchen können, ohne dass es für Radler gefährlich wird – weil Grünzeug in den Radweg hineinragt.