Frankenthal
Milli-Vanilli-Sänger Charles Shaw gibt Konzert im Lux-Kino
In Frankenthal singt Charles Shaw live. Er muss das so ausdrücklich betonen, weil das berühmte Discopop-Duo Milli Vanilli eben nicht live gesungen hat. Seine beiden Mitglieder Fab Morvan und Rob Pilatus haben nur so getan, als ob. „Girl You Know It's True“, der Titel des lange erwarteten Kinofilms über diese Geschichte, war ihr erster und größter Hit. Die deutsche Filmproduktion unter der Regie von Simon Verhoeven zeigt Tijan Njie und Elan Ben Ali als Morvan und Pilatus sowie Matthias Schweighöfer als ihren Produzenten Frank Farian, der wie ein Marionettenspieler im Hintergrund alle Fäden in den Händen hält.
Charles Shaw hat „Girl You Know It's True“ noch nicht sehen können. Er sei auch nicht zu den Premieren in München und Berlin eingeladen worden, zeigt er sich etwas enttäuscht. Dabei ist der 63-Jährige schon sehr gespannt auf den Film, der kurz vor Weihnachten bundesweit startet, und möchte ihn sich so bald wie möglich anschauen. Voraussichtlich wird er das unmittelbar im Anschluss an sein kleines Konzert in Frankenthal tun.
Shaw zählt zu den original Interpreten, die 1988 den Hit „Girl You Know It's True“ tatsächlich einsangen, bevor Fab Morvan und Rob Pilatus dazu nur ihre Lippen bewegten und tanzten. „Ich bin der Rapper“, spezifiziert er und vermag genau herauszuhören, wo im Song seine Stimme zu hören ist. Andere an den Aufnahmen beteiligte Sänger waren John Davis, der 2021 an Corona verstarb, Brad Howell und im Chor die Schwestern Linda und Jodie Rocco.
Vorsätzliches Vorgehen
„Ohne meine Stimme hätte es kein Milli Vanilli gegeben“, bekräftigt Shaw und beschreibt, wie die Aufnahmen in Frank Farians Studio in Rosbach im Taunus damals vonstatten gegangen seien. Nämlich so, dass die einzelnen Sänger einander nie kennengelernt hätten. „Frank Farian hat die Künstler alle auseinandergehalten“, erinnert er sich und beurteilt dieses Vorgehen heute als vorsätzlich. Es seien Aufnahmen für irgendeinen DJ-Sampler, habe es damals geheißen. „Für mich war es Studioarbeit.“
1990 blieb dann bei einem MTV-Konzert von Milli Vanilli die Playback-Maschine hängen und offenbarte, dass Morvan und Pilatus nicht selbst gesungen, sondern nur als Tänzer auf der Bühne gestanden hatten. „Und ich habe die Schuld gekriegt“, dass es öffentlich wurde, erregt Shaw sich noch heute und führt aus, wie die Geschichte aus seiner Perspektive ablief. Ausgerechnet ihm habe Farian Hausverbot erteilt. „Bis heute habe ich diesen Mann nie mehr gesehen“, so Shaw. „Jeder hat eine Platin-Schallplatte zu Hause hängen, aber ich nicht. In dem Moment, als ich den Mund aufgemacht habe, war ich der Buhmann.“
Am Film selbst wirkte Charles Shaw nicht mit
Bessere Chancen, gehört und etwa auch zu den Filmpremieren eingeladen zu werden, hätte der Musiker sicher gehabt, wenn er sich auf ein Angebot eingelassen hätte, das im Vorfeld von Simon Verhoeven, dem Autor und Regisseur des Films, an ihn ergangen war. Der erfolgreiche Filmemacher („Männerherzen“, „Willkommen bei den Hartmanns“) wollte Shaw gerne treffen und nach seiner Sicht der Dinge befragen. „Der wollte ein Interview mit mir machen. Aber wir haben uns nicht geeinigt“, berichtet der Mannheimer. „Wie immer“, antwortet er auf die Frage, ob es womöglich am Geld lag, dass das Gespräch nicht zustande kam. „Deshalb habe ich meine Seite der Geschichte nicht erzählt.“
Etliche Beteiligte, an vorderer Stelle Ex-Milli-Vanilli Fabrice Morvan und Frank Farian, haben an Verhoevens Film mitgewirkt. Charles Shaw leider nicht. Ob er sich darin wiederfinden wird, bleibt daher noch offen. „Ich lasse mich überraschen und hoffe, dass dieser Film irgendwo auch die Wahrheit sagt“, erklärt er. Jedoch erwarte er nicht, dass die Story in jeder Hinsicht treffend wiedergegeben werde. „Meine Seite können die nicht richtig darstellen“, ist er überzeugt. Verhoeven habe sich schließlich nur auf bereits erfolgte Veröffentlichungen berufen können. „Die wissen nur, was sie in alten Interviews gefunden haben, und die waren immer nur kurz.“ Und außerdem wohl nicht immer zuverlässig: „Das Problem ist, du hast damals was gesagt und es wurde was anderes geschrieben“, meint Charles Shaw.
Neue Soul-Formation
„Auf jeden Fall bin ich wirklich stolz, dass meine Stimme immer noch mit in diesem Spiel ist“, versichert er. Er macht nach wie vor Musik. „Ich habe nie aufgehört“, sagt der 63-Jährige. Zusammen mit Mike Skyy und Willie D. bildet er die Soul-Formation Classic Brothers, die vor allem entsprechende Songs aus den 1980ern, etwa von Lionel Richie, Kool and the Gang oder Barry White live auf die Bühne bringt. „Mit meinen Jungs“, kündigt er an, werde er auch die Lux-Kinos besuchen. Daneben hat Shaw inzwischen einige Parfüms auf den Markt gebracht. Mit einem „Cruise-Mobil“ ist er in einem Social-Media-Format vornehmlich in Frankfurt unterwegs und macht Car-Karaoke mit Nachwuchskünstlern. Über sein Leben, das 1960 in Houston, Texas, begann, 1978 mit der US Army nach Deutschland und ihn hier zuletzt nach Bensheim führte, hat er jüngst ein bislang unveröffentlichtes Manuskript geschrieben. „Ich gebe nicht auf, ich mache immer weiter“, bekräftigt Charles Shaw.
Termin
Premieren-Event zu dem Kinofilm „Girl you know it’s true“ am Donnerstag, 21. Dezember, 19 Uhr, im Lux-Kino Frankenthal, August-Bebel-Straße 7-9. Vor dem Film präsentiert Charles Shaw mit seinem Trio „Classic Brothers“ einige der größten Soulklassiker aller Zeiten live auf der Kinobühne. Bereits ab 18 Uhr serviert das Kino für alle Gäste einen Aperol Spritz und spielt die größten Hits von Milli Vanilli im Kinofoyer. Karten gibt es an der Kinokasse oder im Internet unter www.lux-kinos.de