Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Kulturclub Gleis 4: Künstlerin Gaby Sann zeigt Papierarbeiten, Duo Lowperformer musiziert

Klänge oder Stoffe aus dem Kontext nehmen und ihnen mit Improvisationen eine neue Bedeutung geben: Gaby Sann und Lowperformer.
Klänge oder Stoffe aus dem Kontext nehmen und ihnen mit Improvisationen eine neue Bedeutung geben: Gaby Sann und Lowperformer.

Papier ist meist nur Medium, das bemalt, bedruckt, beschriftet wird. Die Frankenthaler Künstlerin Gaby Sann findet andere Weisen, Papier zu Kunst zu machen. Den musikalischen Teil im Gleis 4 Kulturclub gestalteten zwei alte Freunde, die sich nach langer Zeit wieder getroffen haben: Lowperformer, das sind Erwin Ditzner und Jim Pansa Sann.

Gaby Sann war Lehrerin für Sport und Germanistik, bis sie ausstieg, um sich ihrer Familie zu widmen. Kunst hat sie schon lange interessiert, und die kreative Arbeit rückte immer mehr in den Vordergrund. Zunächst malte sie mit Aquarell-, später mit Acrylfarben. Dann entdeckte sie Papier als Stoff zur Gestaltung. Die im Gleis 4 ausgestellten Objekte zeigen neue Möglichkeiten, Papier zu verwenden. Dabei geht es weniger um Recycling, als um neue Formen, Farben und Texturen.

Bei Gaby Sann wandern Reklameprospekte nicht ins Altpapier – sie schaut sich die Seiten an, sortiert das Papier nach Farben. Die Seiten werden zerrissen oder geschreddert. Sie sind die Basis ihrer Objekte. Manches der Werke besteht aus dünnen Papierstreifen, die wie Fäden miteinander verwoben und verdrillt werden.

Wichtigstes Handwerkszeug: die Heißklebepistole

Tatsächlich zeigt eine Arbeit eine Gestalt, die mit Nägeln und gespannten Fäden hergestellt worden wäre – die Künstlerin jedoch hat für die verbindenden Linien Papierstreifen gewählt. Die Kugeln eines Abakus, in alten Zeiten eine Rechenmaschine für Addition und Subtraktion, hat sie ebenfalls aus Papier von Werbeprospekten geformt. Ähnlich wie die Pixel eines Bildes ergibt die Gesamtheit aller Kugeln das Werk. Dabei ist die Heißklebepistole eines ihrer wichtigsten Werkzeuge. Damit entstehen neue Verbindungen und Formen.

Ein anderer Aspekt ihres Schaffens sind Arbeiten in Metall. Zu sehen war eine Stele, die aus vielen Drahtdreiecken eine neue Form bildet. Auch mit Kordel hat sie ein Geflecht hergestellt, dessen Oberfläche neue Eigenschaften aufweist. Gemeinsamer Ansatz der Arbeiten ist das Verhältnis von Teil und Ganzem: Die Elemente stammen aus anderem Kontext, zusammengesetzt lassen sie ein bekanntes Material in neuen Formen erscheinen. Und vor allem kommt ein ansprechender ästhetischer Effekt dazu, der dem Ausgangsmaterial an sich nicht zu eigen war.

Künstliche und natürliche Klänge kombinieren

Jim Pansa Sann, der auch auf den Namen Tim hört, ist der Schwager der Künstlerin. „Wir kennen uns schon ewig lange und haben in meiner ersten Band in Worms zusammengespielt“, sagt Erwin Ditzner. Über die Idee des Gleis 4 Kulturclubs, verschiedene Kunstformen mit Musik zu kombinieren, fanden beide wieder zusammen. Sann brachte ein Sopranino-Saxofon, eine Bassklarinette und noch allerlei kleine Pfeif-, Klapper- und Rappeldinger mit und hatte auf einem Laptop Backingtracks vorbereitet. Ditzner spielte vorwiegend ein elektronisches Handschlagzeug, mit dem er Samples natürlicher Instrumente oder „künstliche“ Elektroklänge erzeugte.

Backingtracks als Rahmen für Improvisation

Die Backingtracks boten den Rahmen für Improvisationen. Ditzner erzeugte auch Loops, sodass er komplexe rhythmische Überlagerungen anlegen konnte. Sann entlockte seinen Blasinstrumenten Melodien und Geräusche. Die Backingtracks bestanden aus Sprechszenen oder Klängen als Grundton der Improvisation. Und so wurden die Zuhörer auf eine abwechslungsreiche Reise in verschiedene Klangwelten mitgenommen.

Unterhaltsam war das, denn beide Musiker haben Sinn für Humor. Lowperformer bezeichnet eigentlich abwertend Arbeitskräfte, die zu wenig Leistung bringen. Das kann man von den Musikern und der Künstlerin nicht behaupten.

Ein Rondo aus Papierkügelchen von Gaby Sann.
Ein Rondo aus Papierkügelchen von Gaby Sann.
Die Musiker von Lowperformer: Jim Pansa Sann (links) und Erwin Ditzner.
Die Musiker von Lowperformer: Jim Pansa Sann (links) und Erwin Ditzner.
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