Frankenthal Klassiker vor großer Kulisse
Mit dem Boulevard-Klassiker „Pension Schöller“ will der Theaterkreis Bobenheim-Roxheim in diesem Sommer sein Publikum zum Lachen bringen. Sieben Aufführungen sind im August angesetzt. Premiere auf der Freilichtbühne Im Busch ist am Samstag, 4. August. Dort wird zurzeit fleißig geprobt.
Eine Gartenwirtschaft vorne rechts, dahinter die Pension und im linken Teil der weitläufigen Naturbühne eine Freitreppe mit Balustrade, zwei Türmchen und eine Gebäude-Kulisse. Das Bühnenbild ist retro und sehr detailverliebt – von der Tischdekoration bis zum Weltkugel-Barwagen. „Wir spielen uns von rechts nach links einmal über den Platz“, erklärt Regisseurin Andrea Kühn. Nach dem „Gespenst von Canterville“ im Vorjahr ist es die zweite Open-Air-Produktion für die angehende Theaterpädagogin. Doch statt die (rechtefreie) Vorlage von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby aus dem Jahr 1890 einfach zu übernehmen, hat sie in ihrer Inszenierung die historische Staffage zwar beibehalten, die Figuren jedoch abgewandelt und personell aufgestockt und das Ganze vom Berlin der Zille-Zeit in die Metropolregion verlegt. Schließlich galt es, möglichst viele Sprechrollen zu besetzen. In Andrea Kühns Adaption sind 18 Akteure zwischen 17 und 69 Jahren im Einsatz. Alle kommen aus der Altrheingemeinde, aus Frankenthal und Worms. Die Proben laufen seit Februar. Missverständnisse, Verwicklungen und jede Menge Situationskomik sind die Hauptbestandteile des von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby verfassten Stücks. In der Hauptrolle des Gustav Klapproth ist Benno Schmidt zu sehen. Der gebürtige Rumäne spielte 2017 den Grafen Dracula und gibt nun den gewitzten Weingutsbesitzer mit osteuropäischem Akzent. Der Winzer – mit einer Weinlieferung in Mannheim unterwegs – möchte etwas Besonderes erleben, um daheim bei seinen Stammtischfreunden zu glänzen und nebenbei seinen Ruf als langweiliges Landei zu verlieren. Da bringt Gottlieb, der Erbe eines Gästehauses, seinen Freund Justus auf die Idee, er solle seinem Onkel den Besuch in einer „echten“ Irrenanstalt bieten. Kurzerhand wird die Pension Schöller zur Irrenanstalt umdeklariert; ihre Gäste gelten fortan als Geistesgestörte. Da gibt es den Möchtegern-Schauspieler mit Sprachfehler (Markus Fischer) oder die überdrehte Schriftstellerin Josefine Krüger (Karolin Eberle). In der Rolle des grantigen Majors Wilhelm Gröber ist Helmut Dries, technischer Leiter des Ensembles, zu sehen. Weitere Parts besetzen Mirka Besch (als Ulrike Pfeifer), Thomas Nowak (als Carl Pfeifer) und Klaus Beckerle (als Abenteurer Alexander Bernhardi). „Pension Schöller“ habe eine aktuelle Botschaft, betont die Regisseurin: In dem Stück gehe es um Vorurteile, vorgefasste Meinungen und selektive Wahrnehmung: „Man sieht oft nur das, was man glaubt.“ Wer ist wirklich irre, wer irrt sich, wer wird in die Irre geführt? Diese Fragen behandelt das Stück in drei Akten und zwei von Andrea Kühn gedichteten Songs, bei denen unter anderem die singende Pensionswirtin der vermeintlichen Privatheilanstalt zu erleben ist. Wie turbulent eine Soirée (Abendgesellschaft) verläuft, was passiert, als die anhänglichen Irren Klapproth daheim in seinem Weingut besuchen, und ob sich am Ende alles aufklärt, das wird natürlich nicht verraten. Freilichttheater ist Entfaltung einer Vielfalt visueller Eindrücke vor opulenter Naturkulisse. Und die kann – Stichwort Stechmücken – ihre Tücken haben. Doch da haben die Profis vom Theaterkreis dieses Jahr mehrfach vorgebaut: Das Gelände wird mit Zitronella präpariert, und den Besuchern stehen Anti-Mücken-Präparate kostenlos zur Verfügung. Termine & Tickets „Pension Schöller“, Komödie in drei Akten, bearbeitet von Andrea Kühn. Premiere: Samstag, 4. August. Weitere Aufführungen am 10., 11., 17., 18., 24. und 25. August. Auf der Freilichtbühne Im Busch (Nonnenbusch 1), Bobenheim-Roxheim. Beginn jeweils 20 Uhr. Karten für 13, ermäßigt elf Euro, gibt es beim Theaterkreis Bobenheim-Roxheim, Telefon 06239 6898, an den Vorverkaufsstellen (Freer Elektronik Bobenheim-Roxheim und Bücher Bessler, Worms) sowie im Internet unter www.theaterkreis1975.de.