Frankenthal
Kammermusik in Vollendung: Villa-Musica-Konzert im Congressforum
Wer ein brasilianisches Klavierduo mit internationalem Renommee und exzellent ausgebildete Stipendiaten der Villa Musica Rheinland-Pfalz verpflichtet und zudem populäre Stücke ins Programm nimmt, kann eigentlich nichts falsch machen. Schließlich haben sich Fabio und Gisele Witkowski nicht nur als engagierte Pädagogen einen Namen gemacht, sie rangieren dank ihrer ausgeprägten Virtuosität und Sensibilität in der Champions League der Konzertpianisten. Und auch die junge Streicherriege mit der in Israel geborenen Geigerin Sophi Rochlin, dem aus dem tschechischen Brünn stammenden Violinisten Marek Pavlica, dem irischen Bratscher Martin Moriarty und der serbischen Cellistin Irena Josifoska, präsentierte sich als bestens disponierter Klangkörper und gab sich selbst bei den heiklen rhythmischen Passagen keine Blöße.
Schumann machte den Auftakt
Schon zum Auftakt ging es beim Klavierquintett in Es-Dur von Robert Schumann (1810-1856) in die Vollen. In Stimmführung und Zusammenspiel perfekt, gelang es dem Ensemble, die explosive musikalische Kraft und den Melodienreichtum zu vermitteln, wobei die Pianistin Gisele Witkowski nicht nur mit kurzen Blickkontakten die Einsätze gab, sondern mit ihrem impulsiven Spiel auch markante Akzente setzte. Klar und brillant in der Struktur wurde das vorwärtsdrängende Hauptthema des Allegro-Satzes interpretiert und der trauermarschartige langsame Satz im Tempo exakt ausbalanciert.
In eine völlig andere Klangwelt entführten Fabio und Gisele Witkowski mit der Dolly-Suite von Gabriel Fauré (1845-1924), benannt nach der kleinen Tochter seiner Geliebten Emma Bardac. Bei den sechs Stücken für Klavier zu vier Händen sind kindliche Naivität und anrührende Anmut deutlich spürbar. Der Zyklus lebt von reizvollen Kontrasten. Einem verträumten Schlaflied folgt eine wilde Melodie mit ständig wechselnden Stimmungsbildern. Der Kreis schließt sich mit dem „Pas Espagnol“ in F-Dur, einer Hommage an die kastagnettenklickenden Klänge und die stampfenden Tanzrhythmen Spaniens.
Südamerikanische Klänge
Da war der Weg zu dem Brasilianer Francisco Mignone (1897-1986) nicht weit. Seine bekannteste Komposition ist die „Congada“, eigentlich ein orchestrales Zwischenspiel einer Oper. Seine Landsleute Fabio und Gisele Witkowski erwiesen sich bei dem stark rhythmisierenden Stück als traumhaft sichere und einfühlsame Interpreten, deren furioses Tastenfeuerwerk die Zuhörer in andächtiges Staunen versetzte. Da hatte sich das südamerikanische Temperament schier ungezügelt Bahn gebrochen.
Der Höhepunkt des Konzertes
Noch stand der Höhepunkt des Konzerts bevor: das Quintett für Klavier und Streichquartett in c-Moll von Ernö von Dohnányi (1877-1960). Von diesem 1895 veröffentlichten, sehr anspruchsvollen Werk soll selbst der große Johannes Brahms restlos begeistert gewesen sein. Bei allem jugendlichen Überschwang eines 18-Jährigen hat der gebürtige Ungar eine erstaunlich kurzweilige und technisch ausgereifte Komposition geschaffen. Voller Leidenschaft und beherzt zupackend leitete Fabio Witkowski am Flügel das breite Thema des ersten Satzes ein. Wesentlich ruhiger kam das vom Cello vorgestellte zweite Thema daher.
Im Charakter eher volkstümlich und tänzerisch gab sich das Scherzo in a-Moll. Im lockeren Dreivierteltakt floss es dahin, im Trio durch einen wiegenden Rhythmus verstärkt. Während im Adagio-Satz der elegische Grundton des von der Viola eingeführten Themas und die sanft fließende Triolenfigur des Klaviers dominierten, trug das munter auftrumpfende Rondo mit dem triumphalen Abschluss unverkennbar ungarische Züge. Eine großartige Leistung der Musiker, die mit herzlichem Beifall honoriert wurde.