Frankenthal JVA Frankenthal: Der harte Job eines Gefängnismitarbeiters
Essen, Arbeiten, Freizeit – der Tag eines Gefangenen ist klar strukturiert. Von der Lebendkontrolle um 6 Uhr morgens bis zum Einschließen um 21 Uhr am Abend sorgen Abteilungsbeamter Jens Wagner und seine Kollegen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Frankenthal für einen reibungslosen Ablauf.
„Ein gesunder Menschenverstand und dass man gerne mit Menschen arbeitet“, das sind für Jens Wagner die wichtigsten Voraussetzungen in seinem Beruf. Zwei Jahre dauert die Ausbildung eines Abteilungsbeamten. Neben Strafgesetzgebung und Kriminologie gehören unter anderem Psychologie und Selbstverteidigung dazu. Schichtdienst und ein hohes Arbeitspensum bei gleichzeitigen Personaleinsparungen seien belastend. Mancher Einblick in Einzelschicksale von Gefangenen und deren Familien lasse sich nicht so leicht abschütteln.
Tagesablauf ist vorgegeben
Unterstützung finden die JVA-Mitarbeiter bei regelmäßigen Teamtagen, im Gespräch mit Psychologen, während einer Auszeit im Kloster oder bei anderen gesundheitserhaltenden Angeboten. Wagner mag auch nach zehn Jahren seinen Beruf, selbst wenn Freunde und Verwandte das zum Teil nicht verstünden. „Mir macht meine Arbeit Spaß, und wir sind ein super Team.“ Der Tagesablauf ist vorgegeben und unterscheidet sich im Hafthaus D, wo Wagner mit zwei Sozialarbeitern, einem Psychologen und zwölf uniformierten Kollegen im allgemeinen Vollzugsdienst arbeitet, nicht von dem in den fünf übrigen Häusern. Die Frühschicht um 6 Uhr beginnt mit „Aufschluss“ und „Lebendkontrolle“. Routine, die aber schnell zum Notfall werden kann. „Ein Selbstmordversuch, Feuer oder eine Schlägerei kommen immer mal vor“, sagt Wagner. Ist alles in Ordnung, dürften die Gefangenen auf den oberen drei Etagen ihren Kaffee auf dem Flur trinken. Im Erdgeschoss, wo auch das verglaste Büro der Beamten ist, sind die betreuungsintensiveren Gefangenen untergebracht. Sie bekommen ihr Frühstück im Haftraum.
72 Häftlinge in Haus D
72 Männer sind im Hafthaus D untergebracht- „vom Eierdieb bis zum Mörder“, wie Wagner sagt. Die meisten von ihnen gehen um 7 Uhr zur Arbeit. Putzdienst, Küche, Fensterbau, Maler- und Maurerarbeiten oder Zuarbeiten für die Automobilindustrie: Die Aufgaben sind vielfältig. Wer neu in der JVA ist oder nicht arbeiten will und kann, geht in die Arbeitstherapie, zum Sport – oder bleibt im Haftraum. „Es ist wichtig für die Männer, dass sie rauskommen“, weiß Wagner. Kurz nach 11 Uhr trudeln die ersten wieder zur Mittagspause ein. Jeder wird von den Beamten namentlich begrüßt, abgescannt, es gibt ein kurzes Gespräch. „Ist Post da?“, fragen etliche. Alle eingehenden Briefe haben Wagner und seine Kollegen am Vormittag kontrolliert. Geld und Schmuck werden aussortiert und zur Zahlstelle gebracht, die Texte überflogen. „Nur bei begründetem Verdacht lesen wir das Schreiben.“ Zügig werden die Tabletts verteilt, Gulasch, Reis, als Nachtisch ein Apfel. Gegessen wird im Erdgeschoss wieder im Haftraum. Wer oben untergebracht ist, darf sich einen Platz auf dem Flur suchen. Um 12 Uhr ist die Pause vorbei. Feierabend ist um 15.30 Uhr, danach steht eine Stunde Hofgang auf dem Plan. Jedes Hafthaus hat einen eigenen Freibereich. Bevor die Gefangenen nach draußen gehen, wird er abgesucht nach Drogen, Waffen oder anderen Dingen, die von außerhalb über die Mauer geworfen worden sein könnten.
Mitarbeiter arbeiten rund um die Uhr
Zurück im Gebäude wird durchgezählt, ob alle da sind, dann geht es bis 17.30 Uhr in die Zellen. In ihrer Freizeit dürfen die Gefangenen von 17.30 bis 21 Uhr telefonieren, Sport machen, im Kirchenchor singen oder sich einem der Gesprächskreise anschließen. Zweimal im Monat werden Einkäufe verteilt, die vorher bestellt wurden. Kaffee, Tabak, Hygieneartikel sind gefragt. Zwei Stunden Besuch im Monat sind möglich, in Ausnahmefällen auch mal mehr. Wenn alle wieder in den Hafträumen sind, werden bei einem letzten Kontrollgang die Türen verschlossen. Der Nachtdienst löst um 22 Uhr die Spätschicht ab, Nachtruhe. Die verbliebenen Mitarbeiter sind dann für die gesamte Justizvollzugsanstalt zuständig. „Da ist schon Aktion“, sagt Wagner. Viermal im Jahr ist er für eine Woche in dieser Schicht eingeteilt. „Unser Job ist es, uns rund um die Uhr um die Gefangenen zu kümmern“, sagt Wagner. Dazu gehört auch, mal nachzufragen, ob zuhause alles in Ordnung ist, zuzuhören und zu trösten, Ziele aufzeigen. „Man muss menschlich bleiben“, findet Wagner. Klare Ansagen machen, Versprechen einhalten, das sei wichtig. „Im Gegenzug erwarte ich aber auch, dass mich einer nicht enttäuscht, wenn ich mich für ihn eingesetzt habe“, sagt der Abteilungsbeamte. Kurz vor der Entlassung begleiten er und seine Kollegen Gefangene in die Stadt. Erste Schritte in die Normalität, einkaufen, Geld abheben. Gerade wer länger in Haft war, sei damit oft schnell überfordert. „Nach zwei Stunden wollen viele wieder zurück.“ Nicht alle schaffen es nach Wagners Erfahrung, nach der Haft draußen wieder Fuß zu fassen – „auch wenn ich jedem sage, dass ich ihn nicht mehr wiedersehen will“.