Frankenthal
Interview zum Weißen Sonntag: „Keine Erstkommunion light“
Am Samstag beginnen die Gottesdienste zum Weißen Sonntag. Gibt es nun wegen Corona eine Erstkommunion light?
Kabanow: Es ist keine Leichtfassung. Ich würde „light“ mit E, I und D schreiben. Es tut uns leid, dass die Phase der Vorbereitung wegen des Lockdowns kürzer war. Die letzte von sieben Gruppenstunden musste wegen des Lockdowns ausfallen. Die Inhalte wurden den Kindern per Mail zugeschickt. Und der Kinderkreuzweg sowie die Ostermesse fielen als Pflichtgottesdienste weg. Gott sei Dank konnten wir recht viele Punkte der Vorbereitung erfüllen.
Was ändert sich wegen Corona direkt am Weißen Sonntag?
Meister: Alle 100 Kommunionskinder der Pfarrei erhalten ihr Sakrament der Heiligen Kommunion mit viermonatiger Verzögerung. Statt drei Gottesdiensten im April wird es dazu von 29. August bis 12. September insgesamt 13 Gottesdienste in den Kirchen Thomas Morus und Sankt Ludwig geben.
Warum? Die Pfarrei verfügt doch über acht Kirchen?
Meister: Das sind die Kirchen mit den meisten Sitzplätzen. Mit dem Mindestabstand von zwei Metern können in Sankt Ludwig rund 60 und in Sankt Thomas Morus 47 Gläubige rein. Zusätzlich benötigen zwölf Personen wie Priester, Sakristan, Organist, Messdiener und Empfangsdienst Plätze. Der Empfangsdienst wurde neu eingeführt, um das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln zu kontrollieren. Er ist bei jedem Gottesdienst anwesend.
Wie errechnet sich die Zahl der Gottesdienste zum Weißen Sonntag?
Meister: Als Grundlage haben wir die 13 Gruppen genommen, die in den Gemeinden an der Vorbereitung teilgenommen haben. Jede Gruppe feiert gesondert Erstkommunion, sodass gemäß den Hygieneauflagen eine geringst mögliche Durchmischung stattfindet.
Das hört sich nach einem Marathon an Messen an?
Meister: So ist es. Durch Corona gibt es einen Terminstau. Zumal unser Kaplan Christogonus Keke fünf Monate in Nigeria festsaß, da keine Flüge gingen. Allein am Wochenende 29. und 30. August sind es in den beiden Kirchen neun Gottesdienste. Zusätzlich dazu gibt es die regulären Messen sowie Hochzeiten und Taufen. Nach jedem Gottesdienst müssen die Kirchen desinfiziert werden.
Kann man sagen, dass die 13 Messen zum Weißen Sonntag nur in abgespeckter Form stattfinden werden?
Kabanow: Es wird keinen Einzug der Kinder geben und keinen Gesang der Gemeinde. Laut Vorgabe vom Land Rheinland-Pfalz darf der Gottesdienst nicht länger als 60 Minuten dauern. Pro Kommunionkind und der vorgegebenen Anzahl an Plätzen dürfen je nach Kirche und Gruppenstärke nur vier bis neun Gäste einschließlich der Eltern, Geschwister und Paten kommen, die sich vorab mit Kontaktdaten anmelden müssen.
Die Personenbeschränkung ist sicher der heikelste Punkt. Traditionell ist der Weiße Sonntag ein großes Familienfest …
Meister: Dazu mussten wir uns einiges anhören. Aber wir sind an die Beschränkungen gebunden und werden kontrolliert. Es gab einen Fall, bei dem fast eine Kirche geschlossen wurde. Das war zu Beginn zu Corona die Dreifaltigkeitskirche. Da kamen mehr Gläubige als erlaubt. Einige trugen keine Maske. Da können unsere Leute vom Empfangsdienst noch so sehr aufpassen – die Kirchgänger müssen die Auflagen mit tragen. Wir wollen möchten in Zukunft weiter Gottesdienste feiern.
Gab es die Überlegung, die Weißen Sonntage nach draußen zu verlegen oder elektronisch zu übertragen, damit ein größeres Publikum zuschauen kann?
Kabanow: Die Messen wollten wir nicht im Freien abhalten. Das wäre wegen des Wetters zu riskant gewesen. Bei einer Einzelveranstaltung kann man das leisten. Aber nicht bei 13 Gottesdiensten. Und Videoübertragung wäre nicht bei jedem Gottesdienst möglich. Einige Messen finden gleichzeitig statt. Außerdem haben wir ein begrenztes Potenzial an Ehrenamtlichen und Technik. Bezüglich der Zahl an Gästen können wir keine Gleichbehandlung bieten. Aber es soll für alle in ähnlicher Weise eine schöne Feier werden.
Gab es den Gedanken, die Erstkommunion um ein Jahr zu verschieben – auf den Sonntag nach Ostern, der als Weißer Sonntag traditionell für die Erstkommunionen gedacht ist?
Kabanow: Dann hätten wir ja zusätzlich den nächsten Jahrgang an Kindern, die ihre Erstkommunion feiern, im Schnitt sind das pro Jahr 80 bis 100 Kinder. Und ich weiß nicht, wie die Abstandsregeln dann aussehen.
Warum heißt es „Weißer Sonntag“?
Meister: Zum einen gibt es in der katholischen Liturgie den Weißen Sonntag eine Woche nach Ostern, was mit dem weißen Taufgewand, der Alba, zusammenhängt. Die Taufe ist der Grundstock des Sakraments der Kommunion, und so wurde dieser Weiße Sonntag zum bevorzugten Termin. Mittlerweile wird zeitlich unterschiedlich gefeiert. Im Allgäu zum Beispiel an Pfingsten. Die Bezeichnung Weißer Sonntag hat sich im Sprachgebrauch für das Datum der Erstkommunion eingebürgert.
Zum Schluss ein Ausblick: Wie wird die Erstkommunion 2021 aussehen?
Meister: Dazu befinden wir uns in der Planungsphase. Wir wissen nicht, ob wir Gruppenstunden anbieten können wegen Corona. Das Konzept muss neu überdacht werden. Klar ist: Die Eltern werden stärker in die Vorbereitung eingebunden. Interview: Klaudia Toussaint