Frankenthal Integration wird als Thema wichtiger
Das Zentrum für Arbeit und Bildung (ZAB) in Frankenthal ist nach einer schwierigen Phase wieder zurück in den schwarzen Zahlen. Das weist der jetzt vorgestellte Jahresabschluss 2015 aus. Auch für das laufende Jahr rechnet Geschäftsführer Hans-Jürgen Flörchinger mit einem positiven Abschluss.
„Wir konzentrieren uns auf das, was wir gut können und wo wir uns eine Refinanzierung versprechen.“ Das ist nach den Worten von ZAB-Geschäftsführer Flörchinger die Devise, nach der das gemeinnützige Unternehmen seine Arbeit neu ausgerichtet hat. In den Geschäftsjahren 2012 bis 2014 hatten sich die Verluste auf rund 1,3 Millionen Euro summiert. Flörchinger: „In Teilbereichen konnte es nicht so weitergehen wie bisher.“ Berufliche Bildung und Dienstleistungen, Erziehungshilfe und Personaldienste: Alle großen Arbeitsfelder habe man sich ab Ende 2014 genau angeschaut, um zu einem wirtschaftlichen Betrieb zurückzufinden, sagen Flörchinger und Prokurist Markus Ackermann, Bereichsleiter für Personaldienste. Etliche verlustbringende Aktivitäten habe man ganz aufgegeben, andere, kostendeckende Projekte neu ins Programm aufgenommen. Der Jahresabschluss 2015 weist den Erfolg aus: Aus einem Umsatz von rund 26,5 Millionen Euro erwirtschaftete das ZAB erstmals wieder einen Überschuss in Höhe von rund 367.000 Euro. Ende 2014 beschäftigte das ZAB nach Angaben Flörchingers 182 Stammkräfte, Ende 2015 waren es 199 feste Mitarbeiter. Diese Zahlen lassen nicht erkennen, dass es wegen der Neuausrichtung auch Personalabbau gab. Man habe sich von Mitarbeitern getrennt und etliche Zeitverträge nicht verlängert, erklären Ackermann und Flörchinger. Andererseits habe man aber auch neue Leute eingestellt. Derzeit gibt es wieder einige offene Stellen. Zurückgezogen hat sich das ZAB zum Beispiel von Bewerbungen für manche „Maßnahmen“ (Bildungskurse) von Arbeitsagentur oder Jobcenter, bei denen die Finanzkonditionen nicht zufriedenstellend schienen. Aufgegeben habe man den unwirtschaftlich gewordenen Betrieb einiger Kantinen – etwa in der Kreisverwaltung Bad Dürkheim oder in einer Schule in Bobenheim-Roxheim. Der im vergangenen Jahr einsetzende große Zustrom von Flüchtlingen bescherte dem ZAB neue Arbeit. Bei berufsbezogenen Sprachkursen verfüge man über große Erfahrung: Seit 2012/13 sei man bereits für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) aktiv, unterstreicht Flörchinger. Ab Ende 2015 habe auch die Arbeitsagentur Kurse finanziert; „da sind wir dann auch eingestiegen“. Ein gewisses Maß an „sozialpädagogischer Begleitung“ im Sinn von Alltagshilfe gehöre bei Flüchtlings-Sprachkursen immer dazu, sagt Markus Ackermann. „Das ergibt sich ganz automatisch“; in der Finanzierung sei das auch berücksichtigt. Derzeit bereitet das ZAB seinen ersten Integrationskurs vor. „Wir sind gefragt worden, ob wir das machen können, und wir haben uns daher jetzt als Träger zertifizieren lassen“, sagt Flörchinger. Der Bedarf sei groß. Neben dem Internationalen Bund und der Volkshochschule gebe es damit einen weiteren Träger in Frankenthal. Erfreulich entwickelt sich nach Einschätzung der ZAB-Verantwortlichen die Hilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: 43 aus diesem Personenkreis werden zurzeit von der Frankenthaler Einrichtung betreut. Sie lebten „in Einrichtungen des ZAB“ in gemischten Wohngemeinschaften, das heißt, einige junge Ausländer und einige Deutsche zusammen, erläutert Flörchinger. „Die sind jetzt alle in der Schule und alle sehr lernbegierig.“ Eine solche Gruppe gebe es in Bobenheim-Roxheim. ZAB-Mitarbeiter führten die Neulinge auch an den Alltag heran: „Die sind zum Beispiel mit ihnen zusammen zu Ikea gefahren, haben dort Betten und Regale gekauft und die dann gemeinsam zusammengebaut“, berichtet Flörchinger. Die Bernd-Jung-Stiftung und die Christel und Manfred Gräf Stiftung hätten für Sportangebote gesorgt. Darüber seien dann schon Kontakte zu namhaften Vereinen geknüpft worden, die sich für manche der jungen Sportler interessierten. „Die entscheidende Herausforderung kommt aber noch“, sagt Markus Ackermann. „Das ist der Übergang von der Schule in den Beruf.“ Das werde für Flüchtlinge nicht einfach; bei den angesprochenen Jugendlichen sei er aber ganz optimistisch. Integration im weiteren Sinne werde „ein Aufgabenfeld für Jahre bleiben“. Der bisherige Verlauf des Jahres 2016 stimmt die Frankenthaler ZAB-Verantwortlichen auch beim Blick auf die Geschäftszahlen optimistisch. „Es wird auf jeden Fall für einen positiven Abschluss reichen“, sagt Flörchinger. Die Signale, die aus der Wirtschaft kommen, sind nach Einschätzung Ackermanns jedoch widersprüchlich. Einerseits zeichne sich bei den Transfergesellschaften des ZAB zur Weiterqualifizierung von Arbeitnehmern, die gekündigt worden sind, eine „steigende Tendenz“ ab. Das heißt: Es wird wohl weiteren Personalabbau bei Firmen der Region geben. Andererseits nehme der Bedarf an Leiharbeitern zu. Das sieht Ackermann eher positiv. Denn im Gegensatz zu früher gebe es sehr wohl Chancen, auf diesem Weg auch eine Dauerbeschäftigung zu finden.