Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Hebich: Ausgangssperre soll wegfallen, Schnelltest-Angebot geplant

Eine unkomplizierte Möglichkeit, einen Schnelltest zum Nachweis von Antikörpern zu absolvieren, hält der Oberbürgermeister in Fr
Eine unkomplizierte Möglichkeit, einen Schnelltest zum Nachweis von Antikörpern zu absolvieren, hält der Oberbürgermeister in Frankenthal für sinnvoll.

Wieder einmal eine Woche der Wahrheit: Am Mittwoch beraten Bund und Länder das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie. Am Wochenende läuft die Frankenthaler Allgemeinverfügung aus, die ergänzend zum Regelwerk des Landes zusätzliche Vorschriften enthält. Und die Zahlen in der Region sinken. Für eine Entwarnung ist es, wie Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) im RHEINPFALZ-Interview betont, zu früh. Ein bisschen lockerer könnte es trotzdem bald zugehen.

Erst das Zwischenhoch mit der Sieben-Tages-Inzidenz von 150, dann das schnelle Absinken unter die 50er-Marke – wie haben Sie das Auf und Ab der letzten Tage erlebt?
Ich bin selbst jeden Tag gespannt auf die neueste Meldung, wie sich die Lage bei uns entwickelt – gerade weil es derzeit in Frankenthal keinen eindeutig erkennbaren Hotspot gibt. Dabei schwingt immer eine gewisse Sorge mit, weil trotz insgesamt niedriger Zahlen weiter Schwankungen da sind. Das zeigt mir, dass nach wie vor höchste Wachsamkeit gefragt ist. Ein Grundrauschen an Infektionen ist noch da. Und dann kann auch die Inzidenz schnell wieder nach oben gehen.

Wie sich die Mutation des Coronavirus auf das Infektionsgeschehen auswirkt, ist die große Unbekannte. Trotzdem: Hat Frankenthal das Gröbste überstanden?
Für eine Entwarnung ist es zu früh, obwohl wir uns jetzt im Vergleich mit den anderen Städten und Kreisen in Rheinland-Pfalz wieder im hinteren Drittel bewegen. Das ist das eine. Aber die bekannten Mutationen tauchen über kurz oder lang auch in Frankenthal auf. Weil bislang ja nur ein geringer Prozentsatz der positiven Tests sequenziert wird, sind diese Varianten womöglich schon da. Und falls nicht, dann werden sie irgendwann kommen – alles andere wäre Augenwischerei.

Immer wieder ist allgemeine Kritik daran zu hören, dass insgesamt zu wenig getestet werde. Braucht die Stadt für die nächste Zeit eine eigene Strategie, vielleicht auch wieder eine eigene Anlaufstelle wie im vergangenen Frühjahr?
Wann mit dem PCR-Verfahren getestet wird, gibt der Bund vor.

Da können wir kein eigenes Konzept fahren, obwohl ja offenbar noch Laborkapazitäten vorhanden sind. Was aber aus unserer Sicht sinnvoll ist und woran wir auch arbeiten, wäre ein Angebot mit Schnelltests, die auf Antikörper reagieren. Das bietet vielen Menschen, die vielleicht unsicher sind, ob sie Kontakt mit einem Infizierten hatten, eine Chance zur Kontrolle. Wir schauen derzeit, wie das zu stemmen sein könnte. Hilfreich wäre es ganz klar, um asymptomatische Fälle besser zu erkennen und zu erfassen.

Am Mittwoch steht das nächste Treffen der Kanzlerin mit den Regierungschefs der Länder an. Welches Signal erwarten Sie von der Diskussion in diesem Kreis?
Für meine Begriffe muss vor allem deutlich werden, dass es den gemeinsamen Willen gibt, die Impfungen voranzubringen und wegzukommen von den gegenseitigen Schuldzuweisungen. Sollte sich das fortsetzen, wäre es verheerend. Ansonsten halte ich es angesichts der unterschiedlichen Situation durchaus für vertretbar, dass in manchen Ländern Lockerungen früher kommen als in anderen. Wichtig ist nur, dass dabei alle an einem Strang ziehen und sich nicht in Details verheddern. Aber: Die Situation ist immer noch schwer zu bewerten. Da ist, was die Mutationen angeht, vor allem medizinischer Sachverstand gefragt. Eins sollte man nicht vergessen: Wir befinden uns beim Infektionsgeschehen jetzt auf einem ähnlichen Niveau wie im März vergangenen Jahres, als der erste Lockdown verhängt wurde. Vielleicht haben wir uns etwas zu sehr an große Zahlen gewöhnt. Es gibt immer noch viele Tote – Tag für Tag.

Die Nachbarstadt Ludwigshafen hat am Dienstag entschieden, dass Zusatzregeln wie die nächtliche Ausgangssperre aufgehoben werden – mit sofortiger Wirkung. Gibt es eine Tendenz für Frankenthal, wie es mit Auslaufen der Allgemeinverfügung da kommende Woche weitergeht?
Wir sehen derzeit einen gewissen Erfolg, der uns auch dauerhafter erscheint als zuletzt. Insofern lassen wir die Allgemeinverfügung geordnet auslaufen. Für mich gibt es keinen Anlass für Hektik. Ich gehe also davon aus, dass die Ausgangsbeschränkung ab Montag wegfällt. Alle weiteren Maßnahmen, die wir zusätzlich in der Verfügung verankert hatten, beispielsweise die Maskenpflicht in der Innenstadt, müssen wir uns genau anschauen. Den Menschen geht es nach meiner Wahrnehmung aber um die Ausgangssperre, die sie als besonders starken Eingriff empfinden.

Die Hoffnung vieler ruht darauf, dass die Impfkampagne Fahrt aufnimmt. Wie ist hier die Perspektive für das örtliche Zentrum in der Alberthalle?
Wir müssen uns da komplett an die Planungen des Landes halten und haben in dieser Geschichte kein eigenes Ermessen. Es sieht so aus, dass ab Mitte Februar die zuletzt verschobenen Termine nachgeholt werden können. In der Tat läuft unser Impfzentrum untertourig, und wir würden unsere Kapazitäten gerne besser ausnutzen. Prinzipiell können wir täglich mehrere Hundert Menschen durchschleusen. Interview: Jörg Schmihing

Plädiert für ein geordnetes Auslaufen der bisherigen Allgemeinverfügung: Martin Hebich.
Plädiert für ein geordnetes Auslaufen der bisherigen Allgemeinverfügung: Martin Hebich.
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