Frankenthal Hafenrundfahrt statt Ehehafen

Für zwei amüsante Stunden sorgten die witzigen und spritzigen Beiträge von Dichter Hermann Josef Settelmeyer und Musiker Ernst Kaeshammer am Freitag in der Lambsheimer Neutorschule. In der Reihe „Begegnungen unter dem Torbogen“ hatte die Gemeinde unter dem Titel „Nix riwwer, unn nix niwwer“ zum Mundartabend eingeladen.
Nostalgisches erwartete die über drei Dutzend Besucher, vorwiegend im reiferen Alter, schon im ersten Obergeschoss, wo die Heimatfreunde noch einmal mit ihren Bildern, Dokumenten und Gebrauchsgegenständen aus der Lambsheimer Geschäftswelt vergangener Jahrzehnte Erinnerungen weckten. Eine Treppe höher erwartete dann Mundartdichter Hermann Josef Settelmeyer aus Lingenfeld mit „Gedichten und Verzehlschers aus de Pälzer Herzkammer“ die Gäste. Ihm zur Seite stand der Musiker und Geigenbaumeister Ernst Kaeshammer aus Fußgönheim, der nicht nur die Lesepausen überbrückte, sondern einen interessanten Gegenpart zu den Mundartvorträgen bot. Zum Schmunzeln gab es genug für die Zuhörer, die überwiegend des Pfälzischen mächtig genug waren, um auch einzelne Nuancen zu verstehen. Etwa die Bedeutung der Vokallänge für das akustische Verständnis der Wörter „Gatte“ (Hochdeutsch) und Gaade (Pfälzisch). Mit eigenen Gedichten und Geschichten wurde Settelmeyers Liebeserklärung an die Pfalz dokumentiert, ob es nun um die mundartliche Entwicklungshilfe für den kleinen Kevin ging, einen etwas missglückten Nachruf am Grab eines verdienten Vereinsmitglieds oder um Klein-Eberhards denkwürdige Beteiligung am Kochen einer Metzelsuppe. „De Sprichklopper“ wurde ebenso gewürdigt wie „de Playboy“, der dem Ehehafen die Hafenrundfahrt vorzog. Auch die absurde Kettenreaktion, die eine defekte Flügelmutter unter dem Toilettensitz in Gang setzte, trug zur Erheiterung des Publikums bei. Selbst Altmeister Joachim Ringelnatz blieb es nicht erspart, dass eines seiner Gedichtchen für eine mundartliche Umdichtung herhalten musste. Kaeshammer war es vergönnt, die Präsentation der pfälzischen Alltagsszenen durch musikalische Bonbons aufzulockern, wobei er sich der Gitarre und seiner nostalgischen Drehleier bediente. Da wurde man mit einem uralten Vagantenlied („Bin ein fahrender Gesell“) um viele Jahrhunderte zurückversetzt oder auch mit Carl Michael Bellmann, dem berühmtesten Liederdichter Schwedens aus dem 18. Jahrhundert, vertraut gemacht, dessen oft recht derbe und lustvolle Lieder aus dem prallen Leben gegriffen waren. Insbesondere die Liebe war Thema von Kaeshammers Repertoire. Da wurde in einer kleinen Balkonromanze italienisches Flair verbreitet, wurden schmunzelnd die Versuche eines Malers beschrieben, die Ehefrau vor fremden Amouren abzuhalten. Geschildert wurden die tragisch-drollige Liebe zwischen einem Zinnsoldaten und Porzellanfräulein sowie die Geschicke eines Scherenschleifers, der es sich in jeder Hinsicht gut gehen lässt. Nur einmal wurde es beschaulich und tiefsinnig: in einem melodiösen Lied über das Leben („Tausend Jahre im Wind“). Der Beifall für beide Akteure fiel entsprechend großzügig aus. In der Pause konnte die Pfälzer Lebensart bei Neuem Wein und Zwiebelkuchen verinnerlicht werden.