Frankenthal
Grundschulrektor: Dienstleister sollte Testen übernehmen
Wie viele Familien hatten zuletzt in Ihrer Schule eine Einwilligung für freiwillige Selbsttests abgegeben?
Zu Beginn lief das sehr schleppend an. Aber nach und nach hatten wir nahezu die Hälfte der Eltern erreicht. Einige waren reserviert und wollten sich das erstmal anschauen. Da mussten wir zunächst Vertrauen gewinnen, indem wir mit unseren personellen und räumlichen Ressourcen einen möglichst kindgerechten und pädagogisch sensiblen Rahmen für die Testung schaffen. Aber seit Montag herrscht ja sowieso Testpflicht.
Was ändert sich dadurch?
Wie eigentlich immer in dieser Zeit, kam die Information auch diesmal sehr kurzfristig. Wir mussten die Eltern benachrichtigen, dass sie keine Einverständniserklärung mehr abgeben müssen. Wenn ein Kind aktuell morgens zur Notbetreuung kommt, gehen wir davon aus, dass die Familie mit dem Selbsttest einverstanden ist. Wenn Eltern die Testung untersagen, muss ich dem Kind den Zutritt zum Schulgelände verwehren und es muss abgeholt werden. Sobald der Präsenzunterricht wieder startet, bekommen diese Schüler von uns Material für den Fernunterricht. Die Kinder sollen nicht unter einer Entscheidung leiden, die sie selbst nicht gefällt haben. Die Testpflicht gilt übrigens auch für das Personal.
Wie geht es Ihnen dabei, Kinder nach Hause schicken zu müssen?
Überhaupt nicht gut. Aber ich muss mich an die Weisung des Ministeriums halten – und auf die Sicherheit der Schulgemeinschaft achten. Gemeinsam mit dem Schulelternbeirat, dem Kollegium und dem Personalrat haben wir deshalb entschieden, keine Selbstauskünfte von Eltern zu akzeptieren. Wir können nicht überwachen, ob dann wirklich daheim der Test gemacht wurde. Was wir akzeptieren, sind Testnachweise vom Arzt oder aus einem Testzentrum.
Im Moment sind in Eppstein und Flomersheim 25 Kinder in der Notbetreuung. Aber was heißt die Testpflicht, wenn wieder Präsenzunterricht ist?
Wenn der Wechselunterricht startet, haben wir an beiden Standorten zusammen 185 Schüler. Es kann dann sein, dass Lehrkräfte mit wechselnden Lerngruppen viermal die Woche morgens um 8 Uhr das Testen organisieren und beaufsichtigen müssen.
Bleibt da noch Zeit für Unterricht?
Am liebsten würden wir jede verfügbare Stunde, die wir die Kinder in der Schule haben, für Unterricht nutzen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir befürworten das breit angelegte Testen in der Grundschule. Aber es geht eben auch auf Kosten der Lernzeit.
Wie aufwendig ist das Prozedere denn eigentlich?
Gerade die Erst- und Zweitklässler brauchen dabei schon Unterstützung. Da muss das Fläschchen mit der Testflüssigkeit geöffnet werden, die Folie um die Testkassette geht manchmal nicht auf. Der Abstand lässt sich dabei nur schwer einhalten. Und Schutzkleidung, außer den FFP2-Masken, haben wir nicht. Die Tests, die wir vom Land bekommen haben, sind laut Gebrauchsanweisung für die Verwendung ab 16 Jahren vorgesehen. Sie sind also genau genommen gar nicht für Kinderhände gedacht.
Was könnte Sie und Ihr Kollegium entlasten?
Ich würde mir wünschen, dass die Lehrkräfte mit der Testung gar nichts zu tun haben. Es wäre sinnvoll, eine Teststraße aufzubauen, damit nur die Kinder, die getestet sind, in den Unterricht kommen. Wenn wir erst in der Klasse testen, dann habe ich den Infektionsfall schon in der Schule. Aber das können wir in der Grundschule personell nicht leisten. Das müsste ein externer Dienstleister übernehmen, so dass wir uns nach der Testung um die Kinder und den Lernstoff kümmern können. Dieser ganze Organisationsaufwand zurzeit kostet das Kollegium sehr viel Kraft.
Kraft, die Lehrern, aber auch Eltern nach mehr als einem Jahr Pandemie langsam ausgeht. Fallen Reaktionen zum Beispiel auf die Testpflicht aus Ihrer Sicht inzwischen heftiger aus?
Ich kann gut nachvollziehen, dass manche Eltern einfach nicht mehr können. Sie hätten bei gewissen Entscheidungen früher vielleicht gelassener reagiert. Wir haben viel Verständnis für die Familien und genießen nach wie vor breite Unterstützung in der Elternschaft. Wir selbst müssen bei der Umsetzung der Vorgaben kühlen Kopf bewahren. Interview: Sonja Weiher