Ludwigshafen
Gringo Mayer im BASF-Feierabendhaus
Sie haben es wieder getan: Gringo Mayer und seine Kegelband haben zum Jahresabschluss das Feierabendhaus der BASF in Ludwigshafen ausverkauft. Ein grandioser Abend mit Gesang, großen Gefühlen und drei neuen Songs.
Es soll Menschen geben in der (Kur-)Pfalz, die haben Gringo Mayer noch nie live erlebt. So gingen tatsächlich einige Hände nach oben, als Tim G. Mayer, besser bekannt als Gringo Mayer, nach dem zweiten Stück am Montag einfach mal die Frage in die Runde warf, wer denn zum ersten Mal bei einem Gringo-Konzert sei. Diese Menschen dürften ihr Kommen wohl kaum bereut haben. Ebenso wenig wie die, die im vergangenen Dezember bereits dabei waren, beim Jahresabschlusskonzert am gleichen Ort.
Um kurz vor neun ging die Reise los, das Publikum war ab dem Opener „Fabrigg“ – einfach ein Muss im Feierabendhaus der BASF – auf der Höhe des Geschehens. Wer die Texte (noch) nicht kannte, sang einfach die eingängigen Melodien mit, etwa bei der Hymne „Äni raache“, die als sechstes Lied des Abends erklang.
Nach einer etwas längeren Live-Pause von Gringo und Band war im Vorfeld die Frage nicht, ob der Saal ausverkauft sein würde, sondern eher wann. Die Antwort: seit Wochen. Auch am vergangenen Freitag, für die Kammgarn in Kaiserslautern, war kein Ticket mehr zu bekommen. Die Stimmung in der guten Stube der BASF stand der in der Kammgarn in Nichts nach. Textsicheres Publikum, ausgelassene Stimmung, Bewegungsdrang. Kurz: Feierlaune!
Ein volles Haus, das ganz offensichtlich Bock auf einen tollen Konzertabend hatte – die Indie-Rocker von Hi! Spencer hatten bei ihrem Debüt in Ludwigshafen gute, unaufgeregte Vorarbeit geleistet –, traf auf einen gut aufgelegten, spritzigen Gringo Mayer. Wer seine humorvollen Tanz-Tutorials in den Sozialen Medien mitverfolgt hat, konnte sich nun live von Gringos gekonntem Hüftschwung und seinem leichtfüßigen Tänzeln über die Bühne überzeugen. Entertainer-Qualitäten!
Seine Begleitband zeigte sich modisch – in dunklen Hemden, die an Oberteile einer Zirkuskapelle erinnerten – und vor allem musikalisch auf Ballhöhe. Im Vergleich zum Abschluss-Heimspiel-Gig 2024 ist die Kegelband um einen Kopf angewachsen. Zu Fabian Haugg (Gitarre), Schlagzeuger Jeremy Dôhme, Bassist Martin Fischer und Stephan Udri (Trompete) stieß Keyboarder Ferdi Klamt. Gemeinsam machen die Fünf das Fundament, auf denen Gringos Musik fußt, noch ein wenig fester und breiter, zudem ermöglicht es vor allem das Keyboard, das die Songs noch mehr klingen als auf Platte.
In seinen Stücken streift Gringo immer wieder Themen aus dem Leben, greift manchmal traurige Realität auf. „Wasn los“ beschreibt die bittere Erkenntnis eines Besuchs im Altersheim, bei dem der oder die Besuchte den Gast kaum mehr erkennt, „Jeddi“ richtet sich, wie Gringo selbst erklärte, gegen Vorurteile aller Art. In „Allahopp“ geht es um einen verkorksten Arbeitstag, „Imma mol ä bissl“ ist eine Aufforderung, nichts zu überstürzen, stetig weiterzumachen.
Einen ersten Höhepunkte markierte nach knapp 90 Minuten Spielzeit das rhythmische „Oh Jesses“, bei dem sich zahlreiche Menschen im Publikum wohl an ihre Tanzschultage erinnerten. Das edle Parkett im Saal des Feierabendhauses war der ideale Ort für ein kleines Tänzchen, Trompeter Stephan Udri hatte zudem ausgiebig Raum, seine Kunst zu zeigen.
Zur Statistik: 15 Stücke umfasste das reguläre Set am Montag, obendrauf gab es sieben Lieder als Zugaben, das arg gefeierte „Alläää“ zog einen Strich unter mehr als zwei Stunden Spielzeit. „Ich seh’ hier nur geile Säue im Raum“, war es kurz zuvor dem Protagonisten auf der Bühne entfahren, bevor mit dem sich immer weiter steigernden, fast hymnischen „De Deifel sollse hole“ ein Glanzlicht angezündet wurde. Grandios!
2026 kann kommen. Vielleicht sogar mit einem neuen Album? Drei neue Stücke packte Gringo Mayer schon mal in den Zugabenteil: die bereits erschienene Single „Ganove“, „Simma widda gut“ und „Peng Peng in de Palz“. Die Stücke machten Lust auf mehr. Der Abend insgesamt hat Gringo Mayer mit Sicherheit neue Fans beschert und die alten hatten ihr (Wieder-)Kommen keinesfalls bereut. Gringos Fangemeinde wächst immer weiter. Und das völlig zurecht.