Frankenthal Gleisbett aus der Dampflok-Ära

Für das Kreischen der täglich rund 80 Züge im Bereich des Grünstadter Bahnhofs hat Anwohner Klaus Heidenreich „museumsreife Holzschwellen“ als Ursache ausgemacht. Bei der Modernisierung der Gleisanlage im Jahr 1995 wurden auf 650 Metern Gleisstrecke keine Betonschwellen verlegt. Heidenreich befürchtet sogar, dass Züge aus den Gleisen springen könnten.
Klaus Heidenreich hat gestern einen offenen Brief verteilt. „Ich bitte alle Grünstadter Abgeordneten in allen überregionalen und lokalen Parlamenten, jeweils an ihrem Platz die Initiative zu ergreifen, dass die Bahnhofsgleise in Grünstadt möglichst bald modernisiert werden“, sagt Heidenreich im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Denn das Kreischen der ein- und ausfahrenden Züge in den Bahnhof sei für ihn „ein Warnsignal, dass die völlig überalterten Gleisbette zwischen der Obersülzer Straßenbrücke und dem unbeschrankten Bahnübergang Sankt Peter Straße/Albsheimer Weg den Anforderungen neuer Zuggenerationen nicht mehr genügen“. Klaus Heidenreich hat vor allem die neuen Regionalzüge im Blick. „Seit deren Einführung Anfang dieses Jahres leiden wir unter exzessiven Kreischorgien – und das täglich halb- und ganzstündlich ab 4.30 Uhr morgens bis um Mitternacht.“ Die Antwort der DB Regio auf eine Anfrage der RHEINPFALZ, dass eine Überprüfung der neuen Lint-Fahrzeuge keine Unregelmäßigkeiten ergeben hätte, stößt bei Heidenreich auf Unverständnis. „Da fragt man sich, ob die DB Regio nicht weiß, dass ihre neuen Züge bei der Ein- und Ausfahrt in den Grünstadter Bahnhof etwa 650 Meter weit auf Gleise aus der Dampflok-Ära müssen.“ Als 1995 im Rahmen der Gestaltung des Umweltbahnhofs Grünstadt die Gleisbette zwischen Monsheim und Frankenthal mit Betonschwellen modernisiert wurden, habe man es „stillschweigend unterlassen, die mit uralten Holzschwellen schon damals überalterten Gleise im Bahnhofsbereich ebenfalls zu ersetzen“. Bis zur Einführung der Lint-Triebwagen im Januar sei das auch kein hörbares Problem gewesen, so Heidenreich, da „die bis zum Vorjahr benutzten leichteren und kürzeren Dieseltriebwagen die alte Konstruktion noch nicht überfordert haben. Seit Januar aber rumpeln die neuen Züge, jeweils zu viert, halbstündlich an der Obersülzer Straßenbrücke oder am Bahnübergang Schlachthofstraße schlagartig auf die Holzschwellen-Gleise und kreischen in jedem Schienenbogen und auf jeder der zahlreichen Weichen.“ Für den Grünstadter ist das hochfrequente Quietschen, wenn Metall auf Metall reibt, kein Wunder: „Länge, Gewicht und Drehachsen-Abstände der neuen Züge – häufig auch zu einem langen Doppelzug gekoppelt – überfordern das veraltete Gleisbett mit seinen engen Kurvenbögen, Weichen und der mangelhaften Festigkeit der Schiene-Schwellen-Konstruktion.“ Bestätigt sieht er sich in seiner Analyse dadurch, dass das „Kreisch-Phänomen“ auch früher schon aufgetreten sei: jeden Sonntag um 10 und 18 Uhr, wenn sich der Wissembourg-Express mit schwerer Diesellok und vielen Personenwagen in den Bahnhof gequält hat. „Damals und heute besonders laut, wenn bei langanhaltender Sonneneinstrahlung das alte Holz die hitzegedehnten Eisenschienen nicht mehr angemessen fixieren kann“, sagt Klaus Heidenreich. In welch schlechtem Zustand die Holzschwellen sind, habe man an denen gut sehen können, die für die Alla-Hopp-Anlage entfernt wurden. So gingen die auf der Oberfläche sichtbaren Risse meist durch den ganzen Balken. Außerdem habe er entdeckt, dass viele Schwellen an der im Schotter liegenden Unterseite angefault sind. Alles in allem sei es also höchste Zeit, dass auch diese Gleisbette modernisiert weren, fordert Heidenreich in seinem offenen Brief. In der Verantwortung sieht der Anlieger insbesondere die DB Regio Bahn und DB Netz sowie die Landesregierung.