Pläne der Parteien (4)
Frankenthaler Parteien fordern mehr Plätze und warmes Mittagessen
Zu wenige Betreuungsplätze für die Kleinen, fehlende Erzieher und sanierungsbedürftige Einrichtungen: Der neue Stadtrat muss in Sachen Kita künftig einige Herausforderungen meistern. Wie wollen die Parteien die Probleme angehen? Unser vierter Teil der Serie gibt Antworten.
„Wir haben in Frankenthal mit den städtischen Kitas, den Einrichtungen der freien Träger und dem Waldorfkindergarten schon ein sehr gutes Angebot“, sagt CDU-Spitzenkandidatin Gabriele Bindert. Durch Neubauten etwa in Eppstein und am Ostparkstadion reagiere die Stadt auf die steigende Nachfrage nach Betreuungsplätzen. Ein weiterer Punkt im Programm: flexiblere Betreuungsangebote, beispielsweise für Eltern, die Teilzeit arbeiten. „Die Arbeitswelt sieht heute anders aus“, meint Bindert. Konkret hieße das, dass man Betreuungszeiten noch besser an Arbeitszeiten der Eltern anpassen müsse. „Da sollte man die Eltern fragen, ob sie eine Betreuung beispielsweise ab morgens um 7 Uhr wünschen oder erst am Nachmittag“, so die Christdemokratin.
Fest steht für Bindert jedenfalls: „Die Betreuung darf kein reines Verwahren der Kinder sein. Es ist wichtig, dass pädagogisches Fachpersonal sie in ihrer Entwicklung aktiv unterstützt.“ Mit einem gesunden, bezahlbaren Mittagessen für alle könne das unterstützt werden. Besser unterstützt werden sollen die Eltern schon bei der Anmeldung in der Kita. „Wir brauchen endlich ein transparentes, einfaches und klares Onlineportal dafür“, fordert Bindert.
SPD: Tagespflege ausbauen
Auch die Sozialdemokraten sehen bei den Kindertagesstätten Handlungsbedarf: „Nach der Umstellung auf Ganztagsangebote muss in den Kitas einiges gemacht werden“, sagt Aylin Höppner, Spitzenkandidatin der SPD. Beispielsweise müsse man prüfen, ob räumliche Änderungen – eine größere Küche, ein größerer Speisesaal– notwendig seien. „Aber das muss man individuell für jede Einrichtung entscheiden“, so Höppner. Das Mittagessen solle bezahlbar sein. Höppner zufolge muss die Mahlzeit möglichst regional und natürlich gesund sein. Wo das Essen zubereitet werden könnte, hält die Sozialdemokratin noch offen: „Die Küche an der Stadtklinik wird neu konzipiert, da steht die Frage im Raum, ob sie künftig auch Kitas bedienen könnte“, erläutert Höppner.
Für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf fordern die Sozialdemokraten eine Entlastung der Eltern: mit flexibler Gestaltung der Eingewöhnungsphase und flexiblerer Betreuung vor allem in Randzeiten. Auch die Tagespflege soll ausgebaut werden, neue Tagesmütter und -väter sollen angeworben werden. Höppner: „Da muss letztlich auch die Bezahlung stimmen“.
FWG: Personal umverteilen
„Das Geld für die Kitas muss sinnvoll eingesetzt werden – für eine hochwertige und langlebige Ausstattung“, fordert Tanja Mester, Spitzenkandidatin der FWG. Zuletzt seien die Kosten für Grundstücke explodiert, meint sie, und führt als Beispiel an: „Die Kita im Ziegelhofweg hat zwei Millionen Euro gekostet, die Kita Weidstraße – bei gleicher Anzahl der Plätze – 4,6 Millionen“, sagt Mester. Dort habe viel in Infrastruktur und die Vorbereitung des Areals investiert werden müssen. „Aber Gleiches steht uns wohl mit den zwei Kitas am Ostparkstadion bevor, die wurden aus der Not heraus beschlossen“, so Mester.
Beim Thema Personal sei die FWG in einer „Sandwichposition“: „Statistisch reicht der Betreuungsschlüssel in den Frankenthaler Kitas aus.“ Dennoch herrsche in einigen Einrichtungen – beispielsweise in der Gotthilf-Salzmann-Straße (Studernheim) regelmäßig Not am Mann. „Da muss man über eine Umverteilung des Personals nachdenken“, meint Mester. Nach Vorstellung der FWG könnten Kinderkrankenpfleger, Sozialpädagogen oder Hauswirtschafter die ein bis zwei Fachkräfte pro Gruppe unterstützen. Mester: „So kann man den Engpass überbrücken – man muss da einfach flexibler und offener sein.“
Grüne: Berufstätige stärken
Personal aus berufsverwandten Gruppen würden auch die Grünen in Frankenthal unterstützen: „Wenn es einen Mangel an Erziehern gäbe, könnte man gut darauf zurückgreifen“, meint Spitzenkandidat Gerhard Bruder. Dringend angehen muss man seiner Meinung nach aber die krankheitsbedingten Ausfälle, die es in den Kitas gebe. „Wir brauchen unbedingt mehr Springer, die aushelfen können.“
Für die Grünen ist beim Ausbau der Ganztagsbetreuung ein gemeinsames, gesundes Mittagessen für die Kinder unabdingbar. „Auch eine vernünftige Ausstattung ist selbstverständlich“, sagt Bruder. Berufstätigen Eltern soll mit Ganztagsplätzen in jeder städtischen Kita die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert werden. „Da könnte auch ein Betriebskindergarten, wie er beispielsweise an der Stadtklinik im Gespräch ist, den Schichtdienst einfacher machen“, so Bruder. Ein weiterer Punkt: Die frühkindliche Erziehung müsse so früh wie möglich beginnen. „Es lohnt sich menschlich, und wie Studien gezeigt haben, auch ökonomisch, direkt mit dem Thema Bildung zu beginnen“, so der Grünen-Politiker.
Linke: Personal größtes Problem
Auch die Partei Die Linke hat nach eigener Aussage den Kita-Ausbau unterstützt. „Trotzdem haben wir noch extremen Nachholbedarf“, formuliert Spitzenkandidat David Schwarzendahl das aus seiner Sicht dringendste Problem: „Rund ein Drittel der Personalstellen für die neuen Kitas sind aktuell noch unbesetzt.“ Gesucht würden Erzieher, aber auch Hauswirtschafter und Reinigungspersonal. Schwarzendahl; „Für sie müssen wir Anreize schaffen – zum Beispiel mit adäquatem Gehalt, sicherem Vertrag und einem Job-Ticket.“
Auch beim Thema Betreuungsschlüssel hat die Linke klare Vorstellungen: „Die Gruppen müssen verkleinert werden“, so Schwarzendahl, „das bedeutet aber, dass wir mehr Betreuer brauchen.“ Aktuell kommen laut Schwarzendahl auf einen Erzieher 25 Kinder, Ziel der Linken sei ein Verhältnis von eins zu zehn. „Es wäre wünschenswert, wenn die Stadt da eine Vorreiterrolle einnähme.“ Mit ausreichend Personal könne auch ein weiteres Thema angegangen werden: das Mittagessen. „Ziel sollte es sein, dass jedes Kind mittags ein warmes, gesundes und kostenloses Essen bekommt“, so Schwarzendahl.
FDP: Kitas voll auslasten
„Die Auslastung sollte da sein“, findet Thomas Börstler, Spitzenkandidat der FDP für die Stadtratswahl. Bei der Vergabe der Kitaplätze sollte jeder geplante Platz vergeben, jede Kita also voll besetzt werden, so der Liberale. „Dazu muss man das aber alles strategischer angehen als bisher. Angebot und Nachfrage müssen einfach stimmen“, sagt Börstler.
Personalabbau, also das nicht Nachbesetzen vakanter Stellen, wie ihn sich Börstler in der Verwaltung vorstellen könnte, solle bei den Kitas nicht passieren. „Wo Erzieher fehlen, muss aufgestockt werden – mit Fachkräften, die aber auch aus anderen sozialen Berufen kommen können“, erklärt er. Kinderkrankenschwestern oder Sozialpädagogen würden sich schließlich auch mit Erziehung und Bildung auskennen und könnten Kinder entsprechend fördern. Nicht zuletzt sehen die Liberalen auch bei der frühkindlichen Bildung Handlungsbedarf: „Vor allem im Vorschulalter, insbesondere im letzten Jahr vor Schulbeginn, sollten erste schulische Inhalte vermittelt werden“, fordert Börstler.
AfD: Erziehungsrecht wahren
Nach Meinung der AfD geben die Kitagebäude in Frankenthal „vereinzelt ein trauriges Bild“ ab. „Ich weiß zum Beispiel, dass es in der Kita in der Fontanesistraße vor einiger Zeit reingeregnet hat“, sagt Spitzenkandidat Hartmut Trapp. Auch die Betreuungsqualität in den Kitas sei verbesserungswürdig: Weitere Erzieher müssten eingestellt werden – zu einem „adäquaten“ Gehalt. Die AfD sei offen für andere Berufsgruppen: „Wer sagt denn, dass eine Kinderkrankenschwester die Kinder nicht genauso gut betreuen kann?“, fragt Trapp. Die Betreuer müssten „ein ausreichendes Gehalt und Anreize wie ein Jobticket bekommen.“
Für die Träger der Kitas in der Stadt soll es nach Meinung der Partei Standards beim Spracherwerb geben. „Die Kinder sollen lernen, schon im Kindergarten vernünftig Deutsch zu sprechen“, fordert Trapp. „Gleiches gilt für die motorischen Fähigkeiten, auch sie müssen früh gefördert werden.“ Eine „politische Indoktrinierung“ der Kinder in der Kita lehnt die AfD ab. „Wir wollen das Erziehungsrecht der Eltern wahren“, so Trapp.
Zur Sache: Kitas in Frankenthal
In Frankenthal gibt es aktuell 25 Kindertagesstätten, von denen 18 unter städtischer, und sieben unter freier Trägerschaft stehen. Stand November 2018 konnten dort laut Stadtverwaltung insgesamt 1908 Plätze für Kinder zwischen ein und sechs Jahren angeboten werden, davon 1464 Plätze in den städtischen Kitas und 444 in den Einrichtungen der freien Träger. Die größten städtischen Kitas sind die Einrichtungen in der Haydnstraße (110 Plätze), Pilgerstraße (105) sowie am Strandbad und im Ziegelhofweg (je 102). Mit Abstand die meisten Plätze in einer freien Kita bietet mit 110 Plätzen die Kita in der Steinstraße. Jeweils 75 Plätze haben die freien Kitas Rheintor, Johann-Krauß-Straße und St. Ludwig. 709 Ganztagsplätze standen im November 2018 laut Stadtverwaltung in Frankenthal zur Verfügung. Sowohl in diesem Bereich, als auch bei den Regelplätzen für Kinder zwischen ein und sechs Jahren fehlen perspektivisch aber Plätze. Zwar stagnierten die Geburten in Frankenthal in den Jahren 2017 und 2018. Davor allerdings stieg die Anzahl der Neugeborenen stetig.
Serie
Vor der Wahl des Stadtrats am 26. Mai fragen wir die Parteien, wie sie wichtige Themen anpacken wollen. In Teil vier geht es um Kinderbetreuung.