Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal: Feldwege als Zankapfel

Schlammig: die westliche Verlängerung der Weingartenstraße.
Schlammig: die westliche Verlängerung der Weingartenstraße. Foto: SCHOLZ

WAS BÜRGER ÄRGERT: Wenn Feldwege verschmutzt sind, die auch als Spazierwege genutzt werden, sorgt das immer mal wieder für Unmut. Zwei Fälle gab es jüngst in Eppstein, die Proteste auslösten. Doch die Landwirte haben sich korrekt verhalten.

Für Wirbel sorgten zuletzt zwei Leser der RHEINPFALZ Frankenthal. Unabhängig voneinander hatten sie der Redaktion per E-Mail über verschmutzte Feldwege auf Eppsteiner Gemarkung berichtet. Die Überprüfung zeigt: Beide Male lag der Schwarze Peter aber nicht bei den örtlichen Bauern. Ein Ackerweg befindet sich in einem Zustand, in dem eine Reinigung technisch nicht machbar ist. Der andere Weg wurde just in dem Moment gereinigt, in dem die Zuschrift bei der Lokalredaktion angekommen war.

Fall Nummer eins: Ende November hatte der Hundebesitzer Michael Scholz aus Eppstein geschrieben. Er habe großen Respekt gegenüber der Arbeit der Landwirte, „aber es gibt auch eine Kehrseite der Medaille, nämlich die, wenn ich als Bürger unser Naherholungsgebiet mit Spaziergängen durch Feld und Flur nutzen möchte, mich sogar auf Asphaltwegen durch Zentimeter hohen Schlamm kämpfen muss und nun schon seit circa vier Wochen nicht mehr aus den Gummistiefeln herauskomme.“ Als seiner Meinung nach „extremstes von vielen Beispielen“ schickte Scholz ein Foto von der Verlängerung der Weingartenstraße Richtung A 61.

Verursacherprinzip gilt

Dazu erklärte der Eppsteiner Ortsvorsteher Uwe Klodt (SPD) auf Anfrage: „Es gilt das Verursacherprinzip. Wer einen Weg dreckig macht, muss ihn auch wieder sauber machen.“ Auf dem westlichen Abschnitt der Weingartenstraße sei dies jedoch nicht umsetzbar, „hier drücken die Wurzeln der Pappeln die Betonplatten hoch. Es ist praktisch eine Huckelstrecke, auf der die Bauern die liegen gebliebene Erde nicht mit den Feldhobeln der Traktoren abschieben können.“ Über den problematischen Zustand der westlichen Weingartenstraße sei die Stadtverwaltung informiert.

Investitionsstau auf Ackerwegen

Es gebe gelegentlich Beschwerden von Spaziergängern über verschmutzte Feldwege, „besonders in der Zeit des Pflügens“, so Klodt. Die drei Eppsteiner Bauern, die im Haupterwerb tätig sind, nimmt der Ortsvorsteher aber gegen Kritik in Schutz: „Die machen ihren Dreck weg.“ Rund um Eppstein-Flomersheim pachteten aber auch viele auswärtige Landwirte Äcker, sagt Klodt. „Und die beschäftigen bis zu 400 Helfer, denen die hiesigen Gepflogenheiten nicht immer bekannt sind.“

Generell herrsche auf Ackerwegen ein Investitionsstau, sagt Klodt. „Sie sind für Ackergeräte mit acht Tonnen Nutzlast ausgelegt. Heute sind jedoch Maschinen mit bis zu 40 Tonnen Nutzlast unterwegs.“ Der Ortsvorsteher wirbt um Verständnis für die Bauern: „Die können nicht von jetzt auf nachher putzen, wenn sie arbeiten.“ Die ortsansässigen Landwirte kümmerten sich normalerweise sogar noch um den Schmutz, den Kollegen von außerhalb verursacht hätten.

Ärger an der Postbrücke

Fall Nummer zwei: Im Dezember beschwerte sich Heinz Zimmermann, bis zur jüngsten Kommunalwahl CDU-Mitglied des Ortsbeirats Eppstein, über Schlamm auf dem Betonweg an der Postbrücke zwischen Eppstein und Flomersheim. Den fotografischen Beweis fügte er seiner E-Mail an die RHEINPFALZ bei. Anderntags war der Weg bereits wieder sauber; das teilte Zimmermann der Redaktion dann auch lobend mit.

Zwischenzeitlich hatte die RHEINPFALZ jedoch schon bei den Eppsteiner Landwirten recherchiert. Zum Teil waren diese nicht erreichbar. Ein angesprochener Bauer reagierte sehr ungehalten und verwies an den Bauern- und Winzerverband Vorder- und Südpfalz in Neustadt. Dort war der Fall bereits bekannt, und man benannte Johannes Zehfuß, der als Landwirt in Böhl-Iggelheim arbeitet und den Verband als Vorsitzender im Rhein-Pfalz-Kreis repräsentiert, als Ansprechpartner.

„Nur mit der Zahnbürste“

„Ich kenne den Frankenthaler Landwirt, der für den Schmutz an der Postbrücke verantwortlich war“, erklärte Zehfuß. „Er ist nach der Arbeit heimgefahren, hat die Maschine abgehängt, das Reinigungsgerät angehängt und hat sauber gemacht. Tadellos, der Junge kriegt ein Sternchen.“ Aufregung über den nur für wenige Stunden verunreinigten Weg kann der Kreisvorsitzende nicht nachvollziehen. „Der Landwirt gehört zur gewissenhaften Sorte“, unterstrich er. „Er verdient Lob und nicht Kritik.“ Den maroden Zustand der westlichen Weingartenstraße in Eppstein kommentierte Zehfuß ironisch: „Dort kann man nicht mehr mit dem Hobel reinigen, nur mit der Zahnbürste.“

Das Beispiel Eppstein sei exemplarisch, sagte Zehfuß: „In Regionen am Stadtrand mit hohem Siedlungsdruck und intensiver Landwirtschaft kommt es häufiger zu Konflikten zwischen Bauern und Bürgern.“ Er gab zu bedenken: „Die Wege sind keine Kurwege wie in Bad Dürkheim. Sie heißen Wirtschaftswege. Nicht, weil es da zur Wirtschaft geht. Sondern, weil hier der Bauer wirtschaftet.“ Die Bewohner Eppsteins sollten es schätzen, in einer Gegend mit fruchtbarem Boden zu leben, „und diese Böden sind eben schwer und haften daher an den Rädern der Geräte.“

„Bauern wertschätzen“

Bürger, die sich echauffierten, sollten laut Zehfuß froh sein, „dass sich Landwirte engagieren und Nahrungsmittel produzieren.“ Man solle nicht „aus einer Mücke einen Elefanten machen“. Viel wichtiger sei es, die Bauern als diejenigen wertzuschätzen, die das Klima verbesserten. „Die Landwirte senken beispielsweise durch ihre Pflanzen die Temperatur. Und die Pflanzen bilden eine Barriere für den Wind und filtern den Staub.“

„Der kommunale Vollzugsdienst der Stadt Frankenthal ist am 9. Dezember in der Gemarkung Eppstein die Feldwege abgefahren und hat diese großräumig kontrolliert“, erklärte Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) auf Anfrage. Bei der Überprüfung habe man keine starken Verschmutzungen vorgefunden. „Die Wege waren der Jahreszeit und dem Wetter geschuldet leicht verschmutzt.“ Regelmäßig lasse die Stadtverwaltung die Wirtschafts- und Feldwege überprüfen, 2018 fanden 442 Kontrollfahrten auf Frankenthaler Gemarkung statt.

ANSPRECHPARTNER

Hinweise auf verunreinigte Feldwege nimmt bei der Stadtverwaltung Frankenthal Lucas Lober vom Bereich Ordnung und Umwelt entgegen. Er ist erreichbar unter der Telefonnummer 06233 89256 oder per Mail an die Adresse lucas.lober@frankenthal.de.

Zügig wieder gereinigt: der Weg an der Postbrücke.
Zügig wieder gereinigt: der Weg an der Postbrücke. Foto: ZIMMERMANN
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