Frankenthal
Frankenthal: Busnetz soll barrierefrei werden
Fast 3,5 Millionen Euro will die Stadt Frankenthal in den nächsten Jahren in den Ausbau öffentlicher Busverbindungen investieren. Das Netz der Haltestellen im Stadtgebiet soll ergänzt und an wichtigen Punkten barrierefrei werden. Der Stadtrat billigte das Konzept einstimmig; bei einem Punkt gab es allerdings Fragezeichen.
Ein Gutachter habe der Stadt „großen Handlungsbedarf“ bescheinigt. So steht es in dem 41 Seiten umfassenden Konzept der Verwaltung zum Nahverkehr, dem Ortsbeiräte und Fachausschüsse schon zugestimmt haben. Konkret geht es dabei um eine Vorgabe des Personenbeförderungsgesetzes: Bis Januar 2022 müsse Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erreicht werden, heißt es darin. Das bedeutet, auch „in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen“ müssen dann öffentliche Verkehrsmittel ohne größere Probleme nutzen können.
Man werde dazu nicht alle Frankenthaler Haltestellen umrüsten müssen, signalisierte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) vor dem Stadtrat. Aber „in allen Stadtgebieten“ und gerade an Brennpunkten müsse es künftig solche barrierefreien Einrichtungen geben. Das Konzept und der damit verbundene Nahverkehrsplan sehen zusätzlich auch dort Umstellungen beim Haltestellennetz vor, wo sich der Bedarf voraussichtlich verändern wird oder bereits verändert hat.
Sonderfall Amazon
Als Beispiel nannte OB Hebich das Linienbündel nach Grünstadt: Hier denke der Kreis Bad Dürkheim an den Einsatz von Gelenkbussen ab Ende 2023; entsprechend müssten dann die betroffenen Haltestellen im Frankenthaler Gebiet ausgebaut werden. Bei der im Februar eingeführten neuen Linie 465 zum Amazon-Logistikzentrum im Gewerbegebiet Am Römig gebe es sogar die Notwendigkeit, gleichzeitig den Ein- und Ausstieg an zwei Gelenkbussen zu ermöglichen.
Für die CDU begrüßte Fraktionsvorsitzende Gabriele Bindert die geplante Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs. Sie plädierte für den Einsatz von Bussen mit Hybridantrieb. Skeptisch äußerte sich die CDU-Sprecherin zum geplanten barrierefreien Ausbau der Haltestelle südlich des Congress-Forums an der Hans-Kopp-Straße: Wenn da eine zusätzliche Fahrbahnverengung notwendig werde, „sehen wir Konflikte“, warnte sie. Bindert riet dazu, über eine Verlagerung dieser Haltestelle in die Mahlastraße nachzudenken.
Hans-Kopp-Straße wird überprüft
„Das wird überprüft im Rahmen der Machbarkeitsstudie“, sagte OB Hebich zu. Wenn die vorgeschlagene Lösung Konflikte mit sich bringe oder zu teuer werde, „dann müssen wir noch mal drüber reden“. Der Stadtrat stimmte dem Konzept einstimmig zu. Unter anderem sieht es folgende Veränderungen vor, die zum Teil noch durch Gutachten auf „Machbarkeit“ überprüft werden sollen:
Strecke Hauptbahnhof-Stadtklinik (Linien 460, 461, 468, 469): Damit die Stadtklinik barrierefrei zu erreichen ist, soll die bestehende Haltestelle aufgegeben werden. Als Ersatz sollen barrierefreie Umstiegsmöglichkeiten westlich des Kreisels in Richtung Heßheim und östlich des Kreisels in Richtung Hauptbahnhof eingerichtet werden.
Strecke Hauptbahnhof-Mahlastraße (Linien 465, 466, 468): Im Neumayerring soll die Haltestelle Neumayerschule wegfallen. Als Ersatz sollen barrierefreie Haltestellen im Bereich der Querstraßen Erzbergerstraße/Emil-Rosenberg-Straße angelegt werden. Die bisherige Haltestelle Jahnplatz wird zum Sommer 2020 in Speyerer Tor umbenannt; damit soll die Bezeichnung in beiden Fahrtrichtungen dieselbe werden.
Strecke Hans-Kopp-Straße-Flomersheim-Eppstein (Linien 465, 466): An Hans-Kopp-Straße/Congress-Forum und an der Flomersheimer Straße/Philipp-Rauch-Straße sollen zwei Haltestellen neu barrierefrei eingerichtet werden. Ein barrierefreier Ausbau ist zudem für die Haltestellen Flomersheim/Siedlung und Eppstein-Süd/Einmündung Leininger Straße vorgesehen.
„Ostpark“ und „Westlich des Starenwegs“ neu
Strecke Hauptbahnhof-Wormser Straße bis Nordring (Linien 462, 463): Eine neue Haltestelle ist südlich der Kreuzung mit dem Nordring vorgesehen.
Linie 84: Es soll neue Haltestellen „Ostpark“ und „westlich des Starenwegs“ (barrierefrei) geben. Die Haltestelle Pegulan soll barrierefrei ausgebaut werden.
Linie 462: Um die Anbindung des Einkaufszentrums Nord attraktiver zu machen, soll die Linie künftig über den Nordring und die Wormser Straße zum Hauptbahnhof führen. Südlich des Kreisels Industriestraße soll eine neue barrierefreie Haltestelle gebaut werden.
Linie 464: Das Netz der Haltestellen soll um eine am Schlachthausweg ergänzt werden.
Verlängerung nach Studernheim
Linie 466: Die Linie soll von Eppstein entlang des Studernheimer Wegs nach Studernheim verlängert werden. Im Zusammenhang damit sind vier neue Haltestellen geplant: Eppstein/Verdistraße, Eppstein/Studernheimer Weg, Studernheim/Kirche und Studernheim/Friedhof.
Linie 467: Die Linie wird neu über die Benderstraße geführt und bis zum Bahnhof Ludwigshafen-Oggersheim verlängert. Im Zusammenhang damit gibt es eine ganze Reihe von Veränderungen an Haltestellen. Neu hinzu kommen eine in der Benderstraße nördlich der Frankenstraße und am Europaring; wieder aktiviert wird die Haltestelle an der Waldorfschule.
Barrierefrei am Altera-Heim
Linie 468: Am Altera-Altenheim soll „sofort“ eine neue barrierefreie Haltestelle in Fahrtrichtung Hauptbahnhof/Stadtklinik eingerichtet werden.
Linie 469: Die Haltestellen „Friedensring“ und „Hauptbahnhof West“ sollen neu dazukommen.
Das Konzept der Stadtverwaltung umfasst alles in allem 68 Haltestellen, die ausgebaut, verlegt oder neu eingerichtet werden sollen. Bei den Projekten werden vier Stufen der Dringlichkeit unterschieden: Stufe eins bedeutet „unverzügliche“ Umsetzung. Unter Priorität zwei werden Projekte geführt, die bis Ende Juni 2020 realisiert sein sollen. Unter diesen beiden höchsten Dringlichkeitsstufen sind zurzeit 28 Vorhaben einsortiert. Priorität drei heißt „bis 1.1.2022“, Priorität vier bedeutet, dass die Umsetzung auch danach noch über die Bühne gehen kann.