Frankenthal „Für mich ist das keine Arbeit“
Sie sind beide naturbegeistert, lieben das Fahrradfahren und kennen die Gemarkung Frankenthal wie ihre eigene Westentasche. Walter Bleh (63) und Georg Riede (54) sind von der Stadtverwaltung Frankenthal zu Beauftragten für Naturschutz ernannt worden und haben ehrenamtlich ein Auge auf geschützte Flächen in Studernheim und Eppstein.
„Für mich ist das keine Arbeit“, erklärt Walter Bleh sein Engagement für den Naturschutz in Frankenthal. Der 63-Jährige ist sportbegeistert, und fast täglich sei er entweder joggend oder mit dem Fahrrad in der Gemarkung Studernheim unterwegs. „Wenn da irgendetwas los ist, bekomme ich das zwangsläufig mit“, sagt er und lacht. Seit letztem Oktober ist Bleh in Rente. Er hatte zuvor zwölf Jahre bei der Stadt Frankenthal im Bereich Grundstücks- und Gebäudemanagement gearbeitet. In dieser Zeit habe er sich intensiv mit dem Verkauf sowie der Verpachtung von Grundstücken beschäftigt und dabei auch so manche Stunde beim Außendienst in der Gemarkung Frankenthal verbracht. Anfang der 80er-Jahre sei er zudem bei der unteren Landwirtschaftsbehörde der Stadt tätig gewesen. Themen wie der Zustand von Feldwegen hätten schon damals zu seinem Aufgabenbereich gehört. Während Walter Bleh künftig in Studernheim auf Veränderungen des Landschaftsbildes achten wird, ist Georg Riede mit dieser Aufgabe für die Gemarkung Eppstein betraut worden. Als Landwirt betreibt Riede reinen Ackerbau, und auch er empfindet den ehrenamtlichen Naturschutz nicht als zusätzliche Arbeit oder Belastung. „Ich arbeite gerne den ganzen Tag mit und in der Natur“, sagt der 54-Jährige, der bereits seit 15 Jahren Mitglied des Naturschutzbeirats ist und dort die Landwirtschaftskammer vertritt. Als Vorsitzender leitet Georg Riede zudem die Geschicke der Kartoffelerzeugergemeinschaft „Pfälzer Grumbeere“. Thema Nummer eins bei ihrer Arbeit als Naturschutzbeauftragte werde wohl das Problem der illegalen Müllentsorgung sein, vermutet Bleh. Im Bereich Studernheim sei es in den letzten Jahren beispielsweise gehäuft vorgekommen, dass mit gesundheitsschädlichem Asbest gemischte Eternitplatten, einfach irgendwo in der Gemarkung abgelegt wurden. Je schneller man so etwas sehe, desto besser, sind sich Bleh und Riede einig. Die beiden Naturschutzbeauftragten werden aber auch ein Auge auf Schäden an Grünbeständen durch Vandalismus, Sturmschäden oder natürlichem Verfall haben und ihre Beobachtungen an die Stadt weiterleiten. Ebenso möchten sie die Bevölkerung dafür sensibilisieren, dass Hunde von naturnahen Beständen und Renaturierungsbereichen fernzuhalten sind. Auch wenn Pflanzen an unübersichtlichen Stellen wuchern, melden sie es. Gerade für Landwirte sei es zum Beispiel oft schwierig Fahrradfahrer rechtzeitig zu erkennen, wenn Pflanzeneinwuchs die Sicht auf Feldwegen einschränke, weiß Georg Riede aus eigener Erfahrung. In Eppstein werde auch das Beobachten von Wind- und Heckenstreifen eine Rolle spielen, erklärt Riede. Dort seien Gräben angelegt worden, entlang derer sich mit der Zeit Busch- und Baumstreifen entwickelt haben. Und als natürliche Elemente, die die Landschaft gliedern, stünden diese unter Naturschutz, so der 54-jährige Landwirt. Privat kennen sich Walter Bleh und Georg Riede bereits ein ganzes Leben lang. „Georgs Vater war früher Ortsvorsteher in Studernheim und ich hab’ ihn damals noch mit dem Pferdefuhrwerk durch den Ort fahren sehen“, erinnert sich Walter Bleh. Auch ihr Interesse für den Naturschutz teilen Walter Bleh und Georg Riede schon seit etlichen Jahren. In den 90er-Jahren waren beide am Flurbereinigungsverfahren für die Gemarkung Studernheim beteiligt. Damals sei die Gemarkung sehr zersplittert gewesen. Durch Flächenzusammenlegungen sowie eine Biotopvernetzung und die Schaffung von Gewässerrandstreifen kam es zu einer Neuordnung, erklärt Walter Bleh. Das habe damals Vorbildcharakter gehabt, betont Georg Riede. Es sei nämlich eines der ersten Verfahren gewesen, bei dem die Themen Agrarstruktur und Naturschutz gleichwertig behandelt wurden. Dass produktive Landwirtschaft und Naturschutz für ihn persönlich keinen Widerspruch darstellen, betont Riede in diesem Zusammenhang explizit.