Frankenthal Für einen Kontinent des Friedens
Zu ihrem Mut, Europa in den Mittelpunkt ihres Bürgerempfangs zu stellen, gratulierte Gastredner Klaus Hänsch der Stadt und ihrer politischen Führung. Der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments räumte im Congress-Forum vor rund 450 Zuhörern, darunter auch Vertreter der Frankenthaler Partnerstädte Sopot (Polen) und dem brandenburgischen Strausberg, ein, dass die Union der Staaten und Völker Europas durchaus verbesserungsbedürftig sei. Dennoch sei sie „das Beste, was wir haben“. Der Sozialdemokrat, 1938 in Schlesien geboren, verband das Engagement für ein geeintes Europa mit seiner eigenen Biografie. „Im Europa meiner Kindheit gab es auch freie Fahrt von Lissabon bis Helsinki, vom Nordkap bis nach Kreta: nicht für Lastwagen und Ferienflieger, aber für Panzer und Bomber, nicht für Interrail und Erasmus, aber für Deportation und Vertreibung.“ Die Union der Versöhnung und Zusammenarbeit, des Friedens und der Sicherheit müsse um jeden Preis gehütet und verteidigt werden. Seinen politischen Weg habe er in einem geteilten Deutschland begonnen und in einem wiedervereinigten Land in der Mitte Europas beendet, so Hänsch, der von 1979 bis 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments war. Klare Worte fand der Gastredner auch zum Thema Migration. Geopolitik in Afrika und EU-Integrationspolitik seien „europaverändernde Jahrhundertaufgaben“. Migration zu steuern und zu verringern, nannte der Sozialdemokrat möglich und notwendig. Das Augenmerk müsse auf die Integration der Menschen gerichtet sein, die bereits hier sind. „Wir müssen den Mut haben, ihnen die Integration in unsere nationale und europäische Lebensweise nicht nur anzubieten, sondern sie auch von ihnen zu verlangen.“ Nicht nur aus ihrer Mitte, auch von außen werde die Europäische Union bedroht. US-Präsident Donald Trump, der russische Präsident Wladimir Putin und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping sähen Europa nicht als Partner auf Augenhöhe und versuchten, die Mitgliedsstaaten gegeneinander auszuspielen. „Wir müssen den Mut haben, das einige Europa zu erhalten und weiterzuentwickeln“, so Hänschs Forderung. Ein deutliches Bekenntnis zu Europa ist die am Freitag besiegelte Städtepartnerschaft mit Rosolini für alle Beteiligten. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) sieht sie als „Zeichen gegen Europakrise und Nationalismus“. Dass auch Delegationen aus Sopot und Strausberg nach Frankenthal gekommen waren, nannte Hebich „ein schönes Zeichen europäischer Solidarität“. Sein italienischer Amtskollege Giuseppe Incatasciato sagte, die Verbindung sei kein trockenes Protokoll, sondern eine Möglichkeit, Europa greifbar zu machen, wenn jeder Verständnis für die Kultur des anderen aufbringe. „Wir können unsere eigenen Länder lieben und Europa lieben“, sagte der Sizilianer. Der Wunsch nach einer Verbindung zwischen Frankenthal und Rosolini sei von den Menschen gekommen, die hier Arbeit und eine neue Heimat fanden. Es sei nun an den Bürgern beider Städte, den Vertrag mit Leben zu füllen. Auch Nicole Gouéta, Oberbürgermeisterin in Colombes, sieht in der seit 60 Jahren bestehenden Städtepartnerschaft einen Auftrag, mehr denn je zusammenzustehen, „damit auch unsere Enkel auf einem Kontinent des Friedens leben“. Mit für Bläser arrangierten, modernen Stücken wie Adeles James-Bond-Titel „Skyfall“ trat die Big Band der städtischen Musikschule gemeinsam mit Musikern des Kulturzentrums Gleis 4 auf. Am Klavier spielte der ehemalige Schiller-Realschüler Luca Antonio Fortino zwei Poplieder.