Frankenthal „Die haben uns nicht weggelassen“
Die Scorpions sind Deutschlands erfolgreichste Rockband. Seit 1965 haben sie mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft und mit „Wind of Change“ einen Rockklassiker geschaffen. 2010 ging die Band aus Hannover auf ausgiebige Abschiedstour, 2013 dann der Rücktritt vom Rücktritt. Zum 50-Jahre-Bandjubiläum ist 2015 das Album „Return To Forever“ erschienen, heute spielt das Quintett um Sänger Klaus Meine und den Gitarristen Rudolf Schenker in der Mannheimer SAP-Arena.
Die Farewell-Tour war wirklich ernst gemeint. Wir hatten ein tolles Album gemacht und waren überzeugt, dass wir das nicht noch einmal hinkriegen werden. 61 waren Klaus Meine und ich damals, da weiß man nicht, was mit 65 ist: Nachher laufen wir hinter uns her, und alles ist nur peinlich. In diese Lage wollten wir nicht kommen. Da haben wir ganz klar gesagt: Wir lösen uns nicht auf, sondern hören mit den Touren auf. Und dann? Dass die Farewell-Tour so fantastisch läuft, das hätten wir nicht gedacht; und dass wir auf einmal über sechs Millionen Facebook-Fans haben, von denen 80 Prozent zwischen 16 und 28 Jahre alt sind, auch nicht. Bei unseren Livekonzerten merkten wir, dass wir total euphorisch sind. Wir konnten 2012 nicht das letzte Konzert absolvieren, weil wir in England, Japan und Asien zum großen Teil noch gar nicht gespielt hatten. Aber dann hätten Sie doch Schluss machen können? Ja, genau! Wir hatten uns gesagt, 2013 machen wir zunächst mal ein bisschen frei, dass wir runterkommen. Da kommt im Januar von MTV das Angebot für „Unplugged“. Wir hatten da das Gefühl, dass wir mit denen was ganz Außergewöhnliches machen können. Wir hatten noch ein Bonus-Track-Album in der Mache und mussten das dann stoppen, um „MTV – Unplugged“ fertigzustellen. Das wurde dann ein großer Erfolg. Und dann war 2015 ja auch noch das 50-Jährige zu feiern. Als ich bei der Fertigstellung eines Albums mit Bonus-Tracks mein Büro renoviert habe, was mehr ein Gitarrenzimmer ist, da kamen auf einmal alte Unterlagen zutage. Das war das Kassenbuch von meiner Mutter, die damals das Geld eingetrieben hat, das uns mein Vater geliehen hatte, damit wir uns Verstärker, Boxen und Gitarren kaufen konnten. Da stand die erste Eintragung: „Scorpions – Rückzahlung der Anlage“ und die Beträge. Das war September 1965. Da habe ich zu unserem Manager gesagt: „Weißt du, was los ist? Nächstes Jahr 50-Jähriges!“ Und unser Manager: „Das ist ja der Hammer! Da werde ich gleich einmal die Promoter fragen, ob die interessiert sind.“ Und die waren mehr als interessiert. Haben Sie jemals gedacht, dass die Scorpions den größten Teil Ihres Lebens ausmachen werden? Als wir 24 Jahre alt waren, da hat man uns gefragt: „Wie lange wollt ihr das noch machen? Was willst du mal mit 30 machen?“ Und heute machen wir das immer noch und sind so euphorisiert, dass wir statt des Bonustrack-Albums jetzt ein ganz neues Album haben. Dazu kommt noch der Film „Forever And A Day“ über die Scorpions. Also hier hat sich etwas zusammengebraut. Wir wollten weg, aber die haben uns nicht gelassen. Das muss man einfach so sagen. Wieso haben Sie überhaupt eine Rockband gegründet? Elvis, Little Richard, Eddie Cochran, alle die, wie sie da waren, haben mich hypnotisiert. Da habe ich mir eine Gitarre gewünscht. Mein Vater war riesenfroh, weil ich schon mit dem Gedanken gespielt hatte, mir ein Moped schenken zu lassen. Da war er kein Freund von. Fußball haben Sie früher auch im Verein gespielt. Ja, ich war sogar ein sehr guter Fußballspieler, und alle fragten: „Wann kommst du wieder Fußballspielen?“ Und ich: „Ja, ja“, denn da hatte ich nämlich gemerkt, dass Gitarrespielen nicht so einfach ist. Am Ende hat mir das Schicksal die Entscheidung abgenommen. Was ist passiert? Ich habe Starkstromelektriker gelernt. Bei einem Transport ist mir die Anhängerkupplung auf den Fuß gefallen, und der Mittelfußknochen war gebrochen. Ein Vierteljahr kein Fußball spielen, das war die Entscheidung. Also, da waren viele Faktoren im Spiel, als das Schicksal meinte: „Du musst Rockmusiker werden.“ Termin Konzert mit den Scorpions am heutigen Samstag, 20 Uhr, SAP-Arena Mannheim. Tickets unter Telefon 0621 18190333.