Frankenthal
Der „Zuckerwatten-König“
„Ich bin auf dem Jahrmarkt großgeworden“, erzählt Hans-Ulrich Laux. Und auch nach Jahrzehnten brennt der 66-Jährige für den Schaustellerberuf. Als fahrender Händler für Spezereien ist er auf Märkten in der ganzen Pfalz und rauf bis nach Mainz anzutreffen. Laux, rote Schürze überm Pulli, ist ein drahtiger Typ, sportlich, immer gut gelaunt. Er hat sich in dritter Generation den süßen Seiten des Lebens verschrieben.
Die Ursprünge seines Betriebs gehen auf das Jahr 1901 zurück. Der mobile Gutselstand von Gründer Emil Jockers wurde 1950 von Barbara und Wilhelm Jockers und Mina Nick, geborene Jockers, der Großmutter von Hans-Ulrich Laux, übernommen. Die Oma vererbte den Wagen an ihre Tochter Brigitte und deren Ehemann Hubert Laux. Mit ihrem „Konfitüren-Haus“, einem Neun-Meter-Wagen, sind sie seit 1972 jedes Jahr auf dem Frankenthaler Frühjahrsmarkt. Ein zweiter Betrieb mit Münz-Bagger-Spielen kam 1976 dazu. Mit etwas Glück konnte man da neben Plüschtieren und Puppen auch Kopfhörer, Fußbälle, Radios und Skateboards an Land ziehen. Neben Hans-Ulrich Laux und Ehefrau Susann betreibt Bruder Uwe Laux mit Ehefrau Annette eine Crêperie als Reisegewerbe. Mutter Brigitte Laux ging 2010 krankheitsbedingt in den Ruhestand, steht ihren Kindern aber nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite.
Zuckerwatte in Einhorn-Rosa
1987 startete Hans-Ulrich Laux mit seinem eigenen Geschäft, der „Süßen Boutique“ durch. Den heutigen Wagen mit acht Metern Länge und fünf laufenden Metern Verkaufsfläche hat er seit 27 Jahren. Das Herzstück des Gefährts sind die eingebauten Küchenmaschinen, rotierende Edelstahlwannen, in denen Maiskörner zu Popcorn aufploppen, wo Mandeln gewürzt und geröstet werden und in denen sich Zuckerkörner durch Zentrifugalkräfte in Wattewolken verwandeln. Renner sind seit Jahren Popcorn, salzig, süß und schokoladig, und zimtzuckrig gebrannte Mandeln. Die beliebte Zuckerwatte gibt es seit 2018 auch in Einhorn-Rosa und acht anderen Pastellfarben. Auf seine Sommer-Watte ist Laux als selbsternannter „König der Zuckerwatte“ besonders stolz. Mit ihrem sauer-frischen Himbeer-Zitronen-Geschmack sei sie „genau das Richtige für heiße Temperaturen“.
Abends ins eigene Bett
Noch lohne sich der Süßwarenverkauf. Doch davon zu leben werde immer schwieriger. Die zwei Jahre Corona-Zwangspause, in denen Großveranstaltungen ausfielen, habe er dank kleinerer Events überlebt. 2021 stand Laux im Frühsommer und Herbst mit seiner Zuckerbude am Speyerer Tor. Er weiß das Entgegenkommen der Stadtverwaltung, auch beim Frankenthaler Weihnachtsmarkt, der als einer der wenigen in der Region von Anfang bis Ende offen blieb, zu schätzen. Momentan sei die Stimmung in der Branche gut, man freue sich, dass sich der Rummel weiter drehe.
Dass er als „stationärer“ Reisegewerbler spätabends im eigenen Bett schlafen kann, genießt der Frankenthaler. Das Schönste an seinem Beruf aber seien die leuchtenden Augen der ganz Kleinen, die zum ersten Mal den Frankenthaler Frühjahrsmarkt besuchen – und noch nie in ihrem Leben einen Pfälzer Gutselstand wie Laux’ „Süße Boutique“ gesehen haben.