Frankenthal Der Schatz des Bildhauers

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2014 wird in Worms fast zum Gustav-Nonnenmacher-Jahr. Dem Bildhauer, der 1951 als 37-Jähriger in die Stadt kam und hier bis zu seinem Tod 2012 lebte und arbeitete, wurde im Sommer ein Platz gewidmet, es erschien eine Biografie und der 100. Geburtstag in diesem Jahr ist zudem Anlass für eine Ausstellung im Städtischen Museum Andreasstift. Sie wird am Sonntag um 11 Uhr eröffnet.

Gezeigt werden soll die Vielschichtigkeit des Werks Gustav Nonnenmachers. Ein Schwerpunkt sind Bronzearbeiten, aber auch mit Stein, Muschelkalk und anderen Werkstoffen hat der gelernte Holzbildhauer gearbeitet. Auftragsarbeiten des Künstlers finden sich in Kirchen, wie das „Barbarossa Freiheitsprivileg von 1184“ über dem Nordportal des Wormser Doms, als Kreuze oder Altäre, in Friedhöfen und auf Plätzen als Mahnmale oder Brunnen wie das „Schicksalsrad“ oder der „Winzerbrunnen“ in Worms. Aber auch den Wormser Staren, wie die Ur-Wormser wegen ihrer Geselligkeit und Geschwätzigkeit gerne genannt werden, hat er ein humoriges Denkmal gewidmet. Ein Fokus der Ausstellung soll jedoch vor allem auf den freien Arbeiten liegen. Arbeiten, die, wie seine Tochter Ulrike Arnold-Nonnenmacher sagt, der Vater „aus freien Stücken, nicht für einen bestimmten Zweck oder Käufer“ geschaffen hat und die bislang noch nie gezeigt wurden. Hier können die Ausstellungsmacher aus einem wahren Schatz schöpfen. Denn im Frühjahr haben die Kinder des Künstlers, Tochter und Sohn Frank Nonnenmacher, der Stadt insgesamt 57 Arbeiten sowie eine Vielzahl von Modellen, Formen und Skizzen geschenkt. „Es ist im Sinne unseres Vaters, dass diese Sammlung zusammenbleibt“, argumentiert Ulrike Arnold-Nonnenmacher für das Museum der Stadt Worms als „würdigen Platz“. Diese freien Arbeiten seien in den 1970er- und 80er-Jahren entstanden. Kennzeichnend für diese wie für alle Arbeiten Gustav Nonnenmachers ist, dass sie die Antikriegshaltung ihres Schöpfers ebenso wenig verbergen wie seine kritische Sicht gesellschaftlicher und politischer Gegebenheiten. Wie bei der Bronzefigur „Europa“, nach der begehrlich Hände greifen und die Zerrissenheit des Kontinents thematisieren. Zur Entstehung war es vielleicht ein Hinweis auf den von den Großmächten USA und Sowjetunion geschürten Ost-West-Konflikt, heute könnte man darin auch einen mehr wirtschaftlich geprägten Süd-Nord-Konflikt sehen. Ein geeintes und einiges Europa sei der Traum des Vaters gewesen, erläutert die Tochter. Deswegen soll die Figur im Besitz der Stadt Worms als Leihgabe „in Instituten mit europäischem Bezug“ ihren Platz finden. Nonnenmachers Auftragsarbeiten erzählen meist auch Geschichten, etwa das Schicksalsrad, das als Relief auf der einen Seite Ereignisse der Wormser Historie, auf der anderen Seite Sitten und Bräuche der Bevölkerung zeigt. Doch der Schatz, den die Kinder der Stadt schenkten, birgt noch mehr: Dazu gehört beispielsweise das komplette Atelier, das in der Ausstellung nachgebaut wird mit Originalwerkzeugen und -werkbänken. Aber auch mit einigen persönlichen Dingen wollen die Ausstellungsmacher überraschen, kündigten sie in einem Gespräch an. Die Schenkung des Gesamtwerks betrachtet die Stadt als „Glücksfall“. Dazu gehören neben den materiellen Dingen auch private Schriften und Korrespondenzen des Künstlers. Der Glücksfall wird die forschenden Kunsthistoriker sicher noch weiter beschäftigen, dem Publikum gibt die Ausstellung einen Einblick in das Schaffen Gustav Nonnenmachers. (cei)

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