Kleinniedesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Der Mensch im Mittelpunkt: Ausstellung zu Max Mayrshofer im Schloss

Zusammenspiel von Farbe und Licht: Max Mayrshofers „Lizzy“ entstand in Öl auf Karton.
Zusammenspiel von Farbe und Licht: Max Mayrshofers »Lizzy« entstand in Öl auf Karton.

Der Kunsthistoriker, Sammler und Kurator Oliver Bentz brennt für die Kunst um 1900. Und hat nun für das Kleinniedesheimer Schloss eine spannende Ausstellung zusammengestellt. Sie widmet sich dem Künstler und Kunstprofessor Max Mayrshofer. Aber es gibt auch einen aktuellen Anlass.

Etwa 25 Arbeiten von Max Mayrshofer – Gemälde, Zeichnungen und Lithographien – sind ab 16. Juni im Kleinniedesheimer Schloss zu sehen. Von einem Künstler, der, so der Kurator Oliver Bentz in seiner Ankündigung zur Ausstellung, zeitlebens seiner Heimatstadt und dem Münchener Umland treu blieb. „Und der leider, trotz seiner einstigen Bekanntheit und seiner nicht zu unterschätzenden Rolle in der Kunstgeschichte heute zu wenig Beachtung erfährt“, ergänzt Bentz.

Augenfällig ist bei Max Mayrshofers Arbeiten, dass der Mensch selten gänzlich fehlt. Der Mensch ist Teil szenischer Darstellungen, Spaziergänger in der Landschaft, Badender oder Aktmodell, Reiter, Porträt oder gar Raufbold.

Mayrshofers Pinselstriche sind kräftig und dynamisch, die Zeichenstriche sind sparsam gesetzt, lassen dennoch seine bildliche Erzählung vor dem Auge des Betrachters lebendig werden. Die Dynamik lässt aber auch Eile vermuten. Es scheint, als versuche Mayrshofer mit schnellen Strichen ein Bild vor seinen Augen oder in der Erinnerung zu Papier beziehungsweise auf Leinwand oder Karton zu bannen, einen romantischen, verspielten oder auch – betrachtet man etwa die Wolkenformation in „Reiter“ – furchterregenden Moment festzuhalten.

Licht und Farbe

Harte Konturen gibt es bei ihm nicht, im Gegenteil scheinen die Übergänge zu verschmelzen. Dennoch gehen Identitäten nicht verloren. Ein wichtiger Aspekt bei Mayrshofer war auch das Zusammenspiel von Licht und Farbe – das rückt ihn in die Reihe der klassischen Impressionisten wie Max Slevogt oder Lovis Corinth. Zeitgenössische Kritiker sehen ihn aufgrund seiner „reifen Originalität“, seiner authentischen Handschrift, in der Bedeutung sogar ebenbürtig mit damals namhaften Kunstschaffenden wie Max Liebermann und Adolph von Menzel.

Max Mayrshofer kam 1875 als Bäckerssohn in München zur Welt. Dort starb er auch 1950. 1890 besuchte er die Kunstgewerbeschule, 1908 schloss sich ein Studium an der Münchner Akademie an. Bereits 1919 leitete der damals 44-Jährige einen Aktkurs, 1925 wurde er dann zum Professor ernannt. Er liebte wohl seine Heimatstadt, die mit ihren Plätzen, Straßen, Festen und seenreichen Umgebung in seinen Arbeiten zum Mittelpunkt und Schauplatz wurde.

75: Landesverband der Pfälzer

Apropos München: Oliver Bentz hat hier sogar einen aktuellen Anlass und Aufhänger für die Ausstellung gefunden: Das 75-jährige Bestehen des Landesverbands der Pfälzer in Bayern. Gegründet 1949 war es Zweck des Vereins, Bayern und die nach dem Zweiten Weltkrieg von ihr abgetrennte Pfalz wieder zu vereinen. Immerhin reichten die Bande weit zurück in der deutschen Geschichte und wurden erst 1794 mit der Besetzung der linksrheinischen Rheinseite durch die Franzosen gekappt. 1816 verfügte die Politik eine Wiedervereinigung, 1956 scheiterte dazu ein Volksbegehren in der Pfalz. Heute will der Landesverband mit Blick auf die Geschichte die „Verbindung mit der Pfalz unter den in Bayern lebenden Pfälzern pflegen und fördern“.

Mayrshofer war auch ein begnadeter Zeichner. Mit spitzer Feder arbeitete er für die Zeitschriften „Simplicissimus“, „die Jugend“ und „Hyperion“. Zu sehen sind in Kleinniedesheim die Studien „Bewegte Figuren“ in Mischtechnik oder die Kohlezeichnung „Prügelnde“ aus den 1930er-Jahren. Es sind Beispiele dafür, wie gut und scharf Mayrshofer beobachtete. Aber er widmete sich nicht nur Realem.

Einfluss auf Egon Schiele?

Vielleicht war der Besuch einer Nervenheilanstalt der Auslöser, denn immer wieder zeichnete er „Dämonen, Schlangen, hässliche Molche oder Fabelwesen“ oder den „Ringkampf zwischen Arzt und Tod“. Jene Zeichnungen heftig gestikulierender, grimassierender Menschen zeigte Mayrshofer 1908 in einer Wiener Galerie, wo wenig später auch Egon Schiele seine Arbeiten präsentierte.

Oliver Bentz verweist hier auf Christian Bauer, Kurator am Schiele-Museum in Tulln, der in Mayrshofers Zeichnungen „die Wurzel für Schieles expressionistisches Vokabular der ausladenden Geste, des Grimassierens und der an die Grenze gehen Körperspannung“ sieht.

Es heißt, Mayrshofer legte ungern sein Zeichenwerkzeug aus der Hand. Alles, was er sah, soll er skizziert, gezeichnet, gemalt haben, war viel mit Staffelei und Skizzenbuch unterwegs. Kriegsjahre, Nachkriegszeit, Zerstörung, Wiederaufbau dokumentierte er, aber auch gesellschaftliche Ereignisse in seiner Heimatstadt. Unter anderem etwa die Gründungsfeier des Deutschen Museums 1903 – wo er auch Conrad Röntgen während einer Rede festhielt.

In Max Mayrshofers Münchener Atelier gaben sich, so Oliver Bentz, prominente Künstler die Klinke in die Hand: Unter anderem hat sich im Gästebuch Alberto Giacometti verewigt. Und der Pfälzer und Namensgebers des vom Rhein-Pfalz-Kreis ausgelobten Preises für Buchillustration, Otto Ditscher, war Schüler von Max Mayrshofer.

Noch Fragen?

Die Ausstellung „May Mayrshofer“ ist vom 16. Juni bis 14. Juli im Schloss Kleinniedesheim jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Die Eröffnung findet am Sonntag, 16. Juni, um 11 Uhr statt. Der Kurator Oliver Bentz führt in die Arbeiten ein.

Szenerie aus den 1930er-Jahren: Max Mayrshofers „Reiter“ unter dramatischem Himmel.
Szenerie aus den 1930er-Jahren: Max Mayrshofers »Reiter« unter dramatischem Himmel.
„Maler und Modell“ aus den 1930er-Jahren. Bereits seit 1919 leitete Max Mayrshofer Aktkurse.
»Maler und Modell« aus den 1930er-Jahren. Bereits seit 1919 leitete Max Mayrshofer Aktkurse.
Die Szene ist eindeutig: „Prügelnde“ hält Max Mayrshofer als Kohlezeichnung in den 1930ern fest.
Die Szene ist eindeutig: »Prügelnde« hält Max Mayrshofer als Kohlezeichnung in den 1930ern fest.
„Menschen in der Landschaft“, nannte Max Mayrshofer diese Kohlezeichnung.
»Menschen in der Landschaft«, nannte Max Mayrshofer diese Kohlezeichnung.
„Bewegte Figuren“ : Die Studie in Mischtechnik des 25-jährigen Max Mayrshofer zeigt seine gute Beobachtungsgabe.
»Bewegte Figuren« : Die Studie in Mischtechnik des 25-jährigen Max Mayrshofer zeigt seine gute Beobachtungsgabe.
Ein Selbstbildnis von Max Mayrshofer aus den 1920er-Jahren.
Ein Selbstbildnis von Max Mayrshofer aus den 1920er-Jahren.
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