Fussball
Der Frankenthaler Steffen Tretter trainiert die Torhüterinnen des 1. FFC Niederkirchen
Fragt man Tretter nach den Höhepunkten seiner Karriere, reiht sich bei seinen Antworten ein Erlebnis an das nächste. „Meinen größten sportlichen Erfolg als aktiver Spieler hatte ich 1988 als Torwart bei Wormatia Worms. Die Wormatia gehörte damals der Oberliga Südwest an, die zu dieser Zeit noch eine der dritthöchsten deutschen Spielklassen war“, erzählt Tretter. Bei den Wormaten habe er allerdings nur sechs Monate lang gespielt.
Dann habe er sich eine schwere Knieverletzung zugezogen, erinnert sich Tretter. Die erste Station als Torwarttrainer war für Tretter 2005 der VfR Grünstadt. Coach des VfR war damals Walter Pradt (1949 – 2014), ehemaliger Keeper des SV Waldhof Mannheim. Dort bekam er auch ersten Kontakt zum Frauenfußball. „In dieser Zeit habe ich Nationaltorhüterin Silke Rottenberg, die von Walter trainiert wurde, kennengelernt. Ich war bei einigen Einheiten dabei und war begeistert, wie akribisch die beiden das Torwarttraining absolviert haben.“
Fußball nicht mehr im Mittelpunkt
Danach begann jedoch eine Zeit, in der Fußball nicht mehr der Mittelpunkt sein sollte. „Als meine Tochter angefangen hatte, bei der HSG Eckbachtal Handball zu spielen, war ich bei jedem Spiel dabei. Dabei sah ich, dass die Torhüterin etliche Mängel in ihrem Bewegungsablauf hatte.“ Das habe er seiner Tochter erzählt. Und diese wiederum habe mit ihrem Coach gesprochen und gesagt, dass der Papa Torhüter trainieren könne. So kam er 2006 als Torwarttrainer zu den „Gekkos“.
Vom Handballtraining habe er bis dahin nicht viel Ahnung gehabt, gesteht Tretter. Doch er habe gleich begonnen, sich intensiv damit auseinanderzusetzen – mit Erfolg. Schon bald trainierte er auch die Torfrauen der damaligen Pfalzliga-Mannschaft. „Mein Ehrgeiz wuchs. Es war eine tolle Zeit“, erinnert sich Tretter. Mit Martin Buschsieper sei er dann für die HSG-Damen verantwortlich gewesen und schaffte den Klassenverbleib mit dem Team.
Mit der Tochter nach Ruchheim
Mit dem Wechsel seiner Tochter zum TV Ruchheim 2008 brach auch Tretter seine Zelte bei der HSG Eckbachtal ab und folgte ihr nach Ludwigshafen. Dort übernahm er das Training der Oberligamannschaft.
Doch nach zwei Jahren rief wieder der Fußball. Genauer gesagt: der 1. FFC Niederkirchen. Diesen habe er immer im Fokus gehabt. Als er auf der Homepage des Vereins gelesen habe, habe er gesehen, dass dort ein Torwarttrainer für die Zweitligamannschaft gesucht wurde. „Ich habe nicht lange gefackelt und eine Bewerbung geschrieben.“ Schnell sei man sich danach einig geworden.
Über den FFC zum FCK
Über den FFC kam Tretter auch mit dem 1. FC Kaiserslautern in Kontakt, denn die beiden pflegten zu der Zeit eine Kooperation. Noch bevor die beiden Vereine die Vereinbarung fixierten, habe er bei Sven Höh hospitiert, heute Torwarttrainer beim FCK. Die beiden hätten sich so gut verstanden, dass sie gemeinsam in Fußgönheim eine Torwartschule aufbauten. „Kurz darauf bekam ich vom FCK ein Angebot, als Torwarttrainer im Nachwuchsleistungszentrum zu arbeiten.“ Das habe er selbstverständlich angenommen. Zu seinen Schützlingen zählten auch Jan-Ole Sievers (26), Raphael Sallinger (25, TSV Hartberg) und Julian Pollersbeck (26). Dem FFC sei er aber treu geblieben.
Bei den Niederkirchenerinnen lief es damals nicht gut. In der Zweitligasaison 12/13 waren sie akut abstiegsgefährdet. Doch mit dem neuen Coach Goran Barisic (57) und dessen „Co“ Stefan Malz wurde der Klassenverbleib gesichert. Noch heute seien die Drei befreundet, berichtet Tretter.
Kontakt zum FFC nie abgebrochen
Da seine Frau wenig später krank geworden sei, habe er sich für einige Zeit aus dem Fußballgeschäft zurückgezogen. Der Kontakt zum 1. FFC Niederkirchen sei trotzdem nie abgebrochen. „Als es bei meiner Frau wieder bergauf ging, kribbelte es wieder.“ Drei Vereinen in seiner Umgebung habe er damals sein Konzept geschickt. Eine Antwort habe es aber nur vom SV Obersülzen gegeben. Es war der Grundstein für die Torwartschule „Jumpzone“.
Heute trainiert er auch gelegentlich die aktiven Torhüter des SV Obersülzen. Er sei stolz darauf, ein Teil der SVO-Familie zu sein. Auch der 1. FFC Niederkirchen sei wieder auf ihn zugekommen, als sich der etatmäßige Torwarttrainer einer Schulteroperation habe unterziehen müssen. „Dann war ich wieder bei meinem geliebten FFC.“ Besonders stolz sei er darauf, dass er es geschafft habe, Vanessa Erbes zur Stammkeeperin zu machen.
Höhepunkt: U17-Trainer in Hoffenheim
Als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet er die Zeit bei der TSG Hoffenheim. Dort hatte er die Torhüterinnen der U17-Bundesligamannschaft unter seinen Fittichen, darunter auch die aktuelle Nationalspielerin Laura Dick. „Die Zeit in Hoffenheim habe ich sehr genossen, allerdings war der Zeitaufwand enorm“, erzählt er. Daher habe er seinen Vertrag im Kraichgau auch nicht verlängert.
Einem Angebot konnte er jedoch nicht widerstehen. Als eine Anfrage von der früheren Niederkirchener Torhüterin Lena Kurz kam. „Sie wollte in die USA, und ich sollte sie fit machen“, erläutert Tretter. Die beiden gaben Gas, denn bis zum Sichtungstraining seien es nur drei Monate gewesen. „Wir haben dreimal pro Woche trainiert. Ich habe schnell gemerkt, was Lena für ein Talent ist.“ Der Aufwand hat sich gelohnt. Nach der Sichtung habe Kurz sofort die Zusage für ein Engagement an einem College in Chicago bekommen. „In ihrem ersten Jahr wurde sie als beste Torhüterin der Liga ausgezeichnet.“
Tretter sei auch sehr stolz darauf, einem Netzwerk von Torwarttrainern von der Bundesliga bis hin zur Regionalliga anzugehören. Gerade in der Corona-bedingt fußballfreien Zeit hätten ihm Videokonferenzen mit Kollegen viel gegeben.