Frankenthal Dahinter steckt harte Arbeit über viele Jahre
Mike Reinhardt trägt einen berühmten Namen. Am bekanntesten ist der französische Gitarrist Django Reinhardt, der mit dem Sintiswing einen eigenständigen europäischen Jazz entwickelte. Hier in der Region kennt man auch noch Schnuckenack Reinhardt, einen großartigen Geiger. Mike Reinhardt spielt akustische Gitarre und ist mit seinem Gipsy Koblenz Ensemble beim Landesjazzfest in die Erkenbertruine Frankenthal um 19.20 Uhr einer von sieben Programmpunkten.
Mike ist ein Sohn des Musikers Daweli Reinhardt, der mit Schnuckenack Reinhardt dessen Quintett gründete. Für die fünf Söhne unter den zehn Kindern Dawelis war klar, dass sie die Familientradition weiter führen und Musik machen, erzählt Dieter Isenberg, der die Familie gut kennt und sich um Management und Presse kümmert. Mike, 1956 geboren, begann mit sechs Jahren, das Gitarrenspiel von seinem Vater zu lernen, so wie dieser es schon von dessen Vater Bawo gelernt hatte. Der Vater spielt vor, der Sohn hört zu und spielt nach. Dann wird geübt. Die Vorstellung, die Virtuosität liege im Blut und sei vererbt ist naiv. Hinter dem großen Können steckt harte Arbeit über viele Jahre. Isenberg beschreibt Mike Reinhardts Tagesablauf so: „Er steht früh auf und übt erst mal drei Stunden Gitarre. Dann frühstückt er und übt noch mal drei Stunden Gitarre. Dann gibt es Mittagessen, und wenn kein Konzert ansteht, wird den Rest des Tages weiter geübt.“ Und so ist es für den Gitarristen schon seit der Kindheit. Noten lesen könne keiner der Sinti-Musiker, alles werde über das Gehör gelernt. Nun verständigen sich andere Musiker üblicherweise über Noten und Notizen. Isenberg erzählt folgende Geschichte, die er miterlebt hat: Mike und seine Brüder sollten mit der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz spielen. Der Dirigent habe Notenblätter ausgeteilt – ratlose Gesichter bei der Combo der Sintimusiker. Auf die Erklärung, keiner der Reinhardts könne mit den Blättern etwas anfangen, seien wiederum die „Klassiker“ fassungslos gewesen. „Spielt uns doch einfach vor, was wir machen sollen“, hätten die Brüder dann vorgeschlagen. So geschah es. Und am Abend hätten Orchester und Band ein Konzert geliefert, das die Zuhörer vor Begeisterung von den Sitzen gerissen habe. Mike und seine Band spielen Jazz, der Sinti-Tradition, Swing und Folkloreelemente aus Spanien und der Balkanregion verbindet. Selbst Bossa Nova greifen die Musiker auf. Mikes jüngerer Bruder Moro kommt ursprünglich von der klassischen Gitarre, inzwischen spielt er auch die typische akustische Sinti-Gitarre oder auch mal E-Gitarre. Dazu kommt noch eine Rhythmusgruppe. Karten Tagestickets an Tageskasse 16 Euro, im Vorverkauf 12,90 Euro über Ticket regional, Gleis 4 und Musikhaus Musicant.