Interview
„Bei den Meistern aus Brasilien lernen“
Capoeira-Fans aus aller Welt pilgern am Wochenende zu einem internationalen Treffen nach Frankenthal. Möglich gemacht hat das der Frankenthaler Luca Demeco. Bis zu 300 Teilnehmer erwartet er ab Freitag. Im Interview erzählt der 36-Jährige, welche Kurse angeboten werden und welche Chancen man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.
Herr Demeco, zum ersten Mal organisieren Sie ein Internationales Capoeira-Treffen in Frankenthal. So etwas hat es in der Region noch nie gegeben.
Das stimmt, in der Region um Frankenthal hat es ein Capoeira-Treffen in dieser Größenordnung noch nie gegeben. Es werden viele Meister aus Brasilien, Deutschland und Europa nach Frankenthal kommen, an drei Tagen wird es Workshops in der Halle Am Kanal geben. Ich rechne mit 200 bis 300 Teilnehmern, also einer richtig internationalen Truppe.
Kann jeder an den Capoeira-Workshops teilnehmen?
Die Workshops sind überwiegend für diejenigen geeignet, die bereits erste Erfahrungen mit Capoeira gesammelt haben. Ein gewisses Level an Vorkenntnissen wird also vorausgesetzt. Das ist deshalb so, weil das Capoeira-Treffen in erster Linie für die vielen Capoeira-Gruppen, die beispielsweise extra aus England, Frankreich, Ungarn oder Brasilien anreisen, geplant ist. Trotzdem sind Gäste natürlich sehr willkommen! Wir werden auf alle Fälle in jeweils einer der drei Hallen parallel immer ein spezielles Training anbieten. Erwachsene, die bisher noch kein Capoeira ausprobiert haben, sind herzlich zum Zuschauen eingeladen. Die Halle ist für Besucher geöffnet, der Eintritt ist frei.
Wer leitet die Kurse?
Unterrichten werden die Meister aus den Gastländern. Ein Meister aus Brasilien wird Capoeira beispielsweise als Selbstverteidigung unterrichten. Ein anderer, Mestre Affonso, wird die Capoeiristas in technischen Aspekten – zum Beispiel für einen Wettkampf – fit machen. Er ist nämlich technischer Leiter bei Wettkämpfen in Brasilien und weiß genau, worauf man achten muss. Unser ältester Meister, der 86-Jährige Mestre Mario Buscapé, der Gründer der legendären Capoeira-Gruppe Bonfim aus Rio de Janeiro, wird dagegen im alten, traditionellen Capoeira unterrichten – so, wie er es noch kennt. Mein Ziel ist es, so möglichst vielfältige Angebote zu machen. Deshalb wird es auch ein spezielles Musiktraining geben, bei dem Capoeiristas ihr Können bei traditionellen Liedern oder an den typischen Instrumenten verbessern können. Ich denke, es wird ein tolles Programm.
Werden Sie denn auch selbst einen Workshop für Capoeiristas leiten?
Ich unterrichte das ganze Jahr über in Frankenthal eine Capoeiragruppe, deshalb halte ich mich diesmal im Hintergrund und kümmere mich ausschließlich um die Organisation der Veranstaltung. Meine Schüler und auch die aus der Region sollen die Möglichkeit nutzen, bei den Meistern aus Brasilien zu lernen. Das ist eine Chance, die sich nur selten ergibt.
Wer steht denn auf der Gästeliste?
Eingeladen habe ich beispielsweise einen Meister aus Brasilien, der seine Schule aber in Ungarn hat. Vor kurzem habe ich auch mit Mestre Soldato aus Rio de Janeiro gesprochen, der mir gesagt hat, dass sich noch mehr Meister angemeldet haben, die zu dem Zeitpunkt sowieso in Europa sind. Viele große brasilianische Capoeira-Gruppen haben aber auch Ableger in beispielsweise Frankreich und England. Auch dort organisiert man gerade die Reise nach Frankenthal. Und auch mein Meister aus Italien wird mit einer kleinen Gruppe in die Halle Am Kanal zu den verschiedenen Workshops kommen.
Kostet die Teilnahme an den Workshops etwas?
Ja, wir werden für die Workshopteilnehmer Tages- beziehungsweise Drei-Tages-Karten anbieten. Anmelden kann man sich für die Workshops per E-Mail oder auch noch direkt vor Ort in der Halle am Kanal. Wer sich als Gruppe anmeldet, bekommt Rabatt. Karten für Kinder sind ebenfalls 20 Prozent günstiger. Der Eintritt für Zuschauer ist frei.
Wann können Interessierte zum Zuschauen vorbeikommen?
Am Freitag, 26. April, beginnt die Veranstaltung ab 18.30 Uhr mit der Begrüßung und Vorstellung der Meister. Im Anschluss findet dann vielleicht noch der erste Workshop statt. Am Samstag und Sonntag starten wir schon morgens zwischen 9 und 10 Uhr mit den Workshops. So gegen 18 oder 19 Uhr endet der Samstag dann. Am Sonntag ist voraussichtlich gegen 17 Uhr Schluss.
Was erhoffen Sie sich vom ersten Capoeira-Treffen in Frankenthal?
Ziel ist es, die trainierenden Capoeiristas weiter zu motivieren. Ihnen einen Anreiz zu geben, weiterzumachen. Oft gibt es solche Treffen nur für eine einzige große Capoeira-Gruppe. Nach Frankenthal werden aber viele verschiede internationale Gruppierungen kommen. Ich hoffe auf einen tollen kulturellen Austausch der Capoeira und darauf, dass Capoeiristas aus aller Welt mit Freude zusammenkommen – und so die Capoeira in Frankenthal ein Stück weit festigen.
Noch Fragen?
Weitere Informationen unter www.capoeira-raiz.de. Anmeldungen für die Workshops unter Telefon 0177 8175598 oder per E-Mail an info@capoeira-raiz.de.
Zur Sache
Die Capoeira
Entstanden ist die Capoeira, die sich am bestens als brasilianischer Kampftanz beschreibt, vor rund 300 bis 400 Jahren während der Kolonialzeit. Ihr Ursprung liegt in der rituellen Kampfkunst afrikanischer Stämme, wie beispielsweise in der Kampfkunst NiGolo. In diesem „Zebratanz“ traten zwei oder mehrere Gegner mit Händen, Füßen und Köpfen gegeneinander an und buhlten so beispielsweise um die Gunst einer Frau. Die aus Afrika verschleppten Sklaven entwickelten die Bewegungsabfolgen in ihrer neuen Heimat Brasilien weiter. Heute unterscheiden viele Capoeiristas zwischen zwei Hauptformen: der Capoeira Angola und der Capoeira Regional. Erstere gilt als ursprünglichere Form und wird heute vor allem in der Region um den brasilianischen Bundesstaat Bahia ausgeübt. In der moderneren, schnelleren Capoeira Regional fließen neben rituellen Stammestänzen aus Afrika auch Bewegungen aus dem Ringen, dem Jiu Jitsu und der chinesischen Kampfkunst Wushu ein.