Frankenthal Auch Porsche setzt auf Printolux
Porsche und Volkswagen Motorsport sind die neuesten Kunden aus der Autobranche. Die Frankenthaler Printolux GmbH ist zusehends mit im Geschäft, wenn Produktionsanlagen für neue Modelle aufgebaut werden. Denn für die Maschinen werden Tausende von Schildern und Kennzeichnungen gebraucht – und die Technik, sie deutlich kostengünstiger als bisher herzustellen, kommt aus der Pfalz.
„Das Thema Digitaldruck ist nicht mehr aufzuhalten“, stellt Geschäftsführer Hermann Oberhollenzer (51) zufrieden fest. Die Autohersteller Daimler, Audi, BMW, Mini, Smart und Opel finden sich mittlerweile ebenso auf der Kunden-Referenzliste wie etwa die Maschinen- und Anlagenbauer ABB, Kuka, Thyssen Krupp oder Voith. Vom kleinen Technikpionier zum anerkannten Dienstleister für industrietaugliche Kennzeichnungen aufzusteigen, der eigene Standards setzt – das hat Printolux im Vorort Eppstein mit seinen 20 Mitarbeitern innerhalb weniger Jahre geschafft. Thermohärtender Digitaldruck nennt sich das Verfahren, mit dem Firmengründer Peter Jakob (66) 2007/08 auf den Markt kam. Träger aus Metall, Kunststoff oder Folie können mit den Printolux-Geräten bedruckt werden, die auf den ersten Blick an große Tintenstrahldrucker erinnern. Tatsächlich wird mit Spezialtinte gedruckt – und das Ganze anschließend unter dem Einfluss von Hitze so „verbacken“, dass Farbe und Trägermaterial eine chemische Verbindung eingehen. Ergebnis: sehr hohe Beständigkeit, wie sie gerade in der Industrie verlangt wird. „Da können Sie mit Aceton dran gehen – da passiert nichts“, sagt Oberhollenzer. Ein klassisches Einsatzgebiet für die Printolux-Technik sind Produktionsstraßen in der Autoindustrie. Jeder Roboter dort, sagt Oberhollenzer, sei mit 4000 bis 6000 sogenannten Kabelschildern gekennzeichnet. Und bis zu rund 150 Roboter würden für die Fertigung eines Modells eingesetzt. Die Schilder dafür zu beschaffen – „das ist dann ein richtiger Kostenfaktor“. Printolux-Technik arbeite „um den Faktor zehn schneller“ als das bisher dominierende Verfahren, die Gravur, unterstreicht Oberhollenzer. Zudem seien die Geräte in der Beschaffung günstiger, und sie seien mobil einsetzbar: „Es gibt sie ab 5000 Euro, ein Lasergravierer kostet mindestens 30.000 Euro.“ Was der Wechsel auf neue Technik unterm Strich bewirken könne, zeigt eine Beispielrechnung, die das Frankenthaler Unternehmen mit Blick auf einen „deutschen Premiumhersteller“ der Kfz-Branche vorlegt: Der habe „etwas mehr als eine Milliarde Euro“ für den Bau eines neuen Werks für ein Mittelklassemodell investiert. Werde bei der Kennzeichnung mit Printolux statt mit herkömmlicher Gravur gearbeitet, ergebe sich ein Einsparpotenzial von drei Millionen Euro. Die Aussichten, weitere Kunden zu gewinnen, seien hervorragend, sagt Oberhollenzer. In der Autoindustrie würden weltweit „pro Jahr 200 neue Modelle auf den Markt gebracht. Das Potenzial ist riesengroß.“ Dass bei BMW künftig nur noch die Lasergravur und das Printolux-Verfahren zur Kennzeichnung zugelassen seien, berichtet er mit besonderem Stolz. Erstmals sei damit in der Autoindustrie das traditionelle Verfahren der mechanischen Gravur ausgeschlossen worden. Wertvolle Kontakte zu möglichen Kunden kämen über den Mehrheitsgesellschafter zustande: Printolux gehört zum Ingenieurdienstleister Vescon GmbH, der in Frankenthal seinen Hauptsitz hat. Vescon beschäftigt in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn nach eigenen Angaben über 450 Mitarbeiter und erzielte 2013 einen Gruppenumsatz von rund 55 Millionen Euro. Die Beteiligungsgesellschaft Printolux gibt keine eigenen Umsatzzahlen bekannt. Minderheitsgesellschafter dort ist Firmengründer Peter Jakob; er ist dem Unternehmen als Berater verbunden. Das internationale Geschäft wird nach Einschätzung Oberhollenzers an Bedeutung gewinnen. Das habe sich bereits beim Einstieg in die Autobranche gezeigt: „Die Mercedes-C-Klasse war 2012/13 unser erstes großes Projekt. Da haben wir vier Werke beliefert: in Deutschland in Bremen und zudem in den USA, Südafrika und China.“ Für Service und Wartung immer ansprechbar zu sein und schnell auf Wünsche zu reagieren, sei in solchen Fällen besonders wichtig. Nicht immer müsse ein Printolux-Repräsentant vor Ort sein; Hilfe könne auch via Internet gegeben werden. Nicht nur in nüchternen Industriehallen wird die Frankenthaler Technik eingesetzt. Auch Künstler haben sie schon für sich entdeckt. Beispiele für ihre Kreativität schmücken die Firmenräume. (spi)