Frankenthal Ablachen auf Basisniveau

Rheinhessische Comedy in Karohemd und Blaukittel – dafür steht Peter Beck alias de Begge Peder. In seiner letzten Show des Jahres am Sonntagabend in der mit rund 400 Zuschauern ausverkauften Jahn-Halle in Bobenheim-Roxheim sorgte er als schlecht gelaunter Hausmeister für Beifallsstürme.
Trotz einer Virusinfektion gibt der Comedian noch einmal alles. Und zu allem und jedem seinen „Semf“. So füttert er die kommunale Stechuhr nach Gutdünken, setzt Duftmarken auf Behördenformularen und Sitzpolstern. Und weil die Gags des Dauermeckerers bei entsprechender Artikulation noch besser zünden, klemmt sich der rheinhessische Wortakrobat vor der ersten Nummer seine Chaos-Beisser vor die Oberleiste und legt los. Wobei die hartgesottenen Fans gleich Stichworte ihrer Lieblingsszenen in den Saal rufen wie „Sauna“ oder „de Haas“. Der Künstler wird die Wünsche am Ende noch erfüllen. Ob Steckdosen-Rudi, Lidl-Joe, es Marlies, de Wertstoff-Günda, Uwe der Geschäftsmann oder Zonen-Mike aus Bitterfeld – alle kriegen sie ihr Fett weg. Bei mental beeinträchtigten Zeitgenossen wie diesen herrscht Inklusion im Begge-Universum. Nicht zu vergessen Tochter Melanie und deren fette Freundin Tatjana, Fastfood-Junkie beim Schachtelwirt. Begge Peders krudes Gedankengut unterm Cordhut lässt an nichts und niemandem ein gutes Haar. Nicht an Männlein, nicht an Weiblein – egal, ob im Möbelhaus, auf dem Kreuzfahrtschiff („Aida – des is en Pladdebau uffm Meer“) oder bei der Grillparty nebenan. Wenn sich der Rheinhesse die Glasbaustein-Brille auf die Nase setzt, hat er den Durchblick in die Abgründe des Alltags. Kleinwagenfahrer – „in einen Smart passen genau 50 Teelichter“ – werden genauso abgewatscht wie Geländewagenpiloten beim Ikea-Großeinkauf. Zu Vegetariern und Veganern sagt er nur verächtlich: „Die Kinner bekommen kei Milchzää, die kriggen Weisheitszää, weil se alles besser wissen.“ Begge Peders Milieuskizzen sind grob, holzschnittartig, voller Slapstick und darum einfach zum Ablachen auf Basisniveau. Ein Wortwitz hier, ein Knittelvers da – für Ironie und feine Zwischentöne sind andere zuständig, wie die Hugo-Trinker unter den Comedians. Peder bevorzugt billigen Korn, den er Biko nennt. Ist der Begge Peder also die rheinhessische Antwort auf Heinz Becker? Sicher nicht, denn anders als beim Saarländer bleibt das Programm politikfrei. Vom unvermeidlichen Trump-Toupet-Gag und den neuen Bundesländern, die als sichere Herkunftsländer für zurückzuschickende Zonis taugen, einmal abgesehen. Und dafür lieben ihn seine Fans: Der Begge Peder ist – optisch und inhaltlich – ein harter Hund des Alltags, der Dinge raushaut, die viele denken, aber nicht zu sagen wagen. Als Fleischfresser, Tierverächter, Kinderfeind und Chauvinist ist der Begge Peder liebenswert eklig bis zur Schmerzgrenze. Ob Krawattenkarussell oder Tortenheber mit Musik – satirische Höhepunkte findet der Künstler auch bei Tchibo. Mit „also, Feieroowend – genug nix gschafft“ schließt Peter Beck nach gut zwei Stunden sein Programm, schnallt das Gebiss ab, outet sich als vergrippt und gesteht, dass es auf der Bühne nur zwei Sachen gibt: „Gesund oder dood.“ Begge Peder wählt das Erste und sorgt so für einen vergnüglichen zweiten Advent.