Frankenthal Frankenthal: Die Marke KK&K kehrt zurück
Howden Turbo GmbH: Unter diesem Namen arbeitet seit gestern das bisherige Siemens-Werk in Frankenthal, das in den Besitz des gleichnamigen schottischen Maschinenbauers übergegangen ist. Geschäftsleitung und Betriebsrat sehen zuversichtlich in die Zukunft. Dampfturbinen und Verdichter aus Frankenthal tragen künftig wieder den Traditions-Markennamen KK&K.
Hinter den heute noch 550 Mitarbeitern der bisherigen Siemens Turbomachinery Equipment (STE) GmbH, darunter etwa 30 Auszubildende, liegen anstrengende Monate. Vor zwei Jahren, im Oktober 2015, hatte die Siemens-Konzernführung überraschend angekündigt, den Turbinenbau aus Kostengründen von Frankenthal ins tschechische Werk Brno verlagern zu wollen. Das hätte kurzfristig den Abbau von 210 Stellen bedeutet – und mittelfristig womöglich die Zerschlagung des Standorts, wie Gewerkschafter warnten.
Colfax-Tochterunternehmen kaufte KK&K für 195 Millionen Euro
Nach heftigen Protesten und intensiven Verhandlungen kam die Wende: Siemens ließ sich darauf ein, die 2006 übernommene frühere Frankenthaler AG Kühnle, Kopp & Kausch (KK&K) doch komplett zu verkaufen. Das Interesse am Werk sei sehr beachtlich gewesen, sagte dazu Standortleiter Volker Neumann (51) jetzt im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Anfang März 2017 war klar: Der schottische Maschinenbauer Howden aus Renfrew bei Glasgow, ein Tochterunternehmen der US-amerikanischen Colfax Corporation, würde in Frankenthal einsteigen. Als Kaufpreis nannte Colfax 195 Millionen Euro. Die kartellrechtliche Prüfung der Übernahme sei mittlerweile abgeschlossen, sagte Neumann. „Die Freigaben kamen im Sommer.“ Der Standortleiter und sein Kollege Ulrik Damgaard (52), der kaufmännische Geschäftsführer, werden das Frankenthaler Unternehmen weiter führen. „Wir haben künftig mehr Verantwortung“, sagte Neumann – und es gebe nun in der gesamten Belegschaft große Zuversicht. Wenn man zurückschaue, dann „haben wir genau den richtigen Weg eingeschlagen“, sagte der Standortleiter. Neumann würdigte ausdrücklich den Beitrag von Betriebsrat und IG Metall zu den abgeschlossenen Restrukturierungs-Vereinbarungen. In eineinhalb Jahren habe man einen „Kraftakt“ hinter sich gebracht, um das Unternehmen wieder auf einen guten Weg zu bringen – und das mit Erfolg.
2015 Maschinen und Arbeitsplätze abgebaut
„2015 war die Wirtschaftslage kritisch“, räumte Neumann im Rückblick ein. „Es fehlten Aufträge, wir hatten Überkapazitäten am Standort.“ Deshalb habe man „Kapazitäten angepasst“, sich in der mechanischen Fertigung von vielen Maschinen getrennt und auch Arbeitsplätze abgebaut. Die Belegschaft habe zudem finanzielle Einschnitte hingenommen.
Wirtschaftslage besser als vor zwei Jahren
Neben diesen Entlastungen auf der Kostenseite habe die weltweit anziehende Investitions-Konjunktur dazu beigetragen, dass das Werk heute deutlich besser dastehe als noch vor zwei Jahren: „Wir haben in allen Bereichen wieder anziehende Aufträge, sodass wir zurzeit ausgelastet sind“, sagte Neumann. Sowohl das Neu-, als auch das Servicegeschäft seien jetzt „sehr stark“.
Dreijährige Standort- und Beschäftigungsgarantie
Hilmar Feisthammel, Vorsitzender des Betriebsrates, bescheinigte der Geschäftsführung offene Kommunikation: „Wir sind immer gut informiert worden.“ Auch die ersten Begegnungen mit dem neuen Eigentümer seien ermutigend verlaufen. Dass nun für Frankenthal drei Jahre Standort- und Beschäftigungsgarantie gelten, sei positiv – „aber am besten ist es, wir brauchen das gar nicht“, meint Feisthammel. Ulrik Damgaard hob die kontinuierliche Informationsarbeit von Gabriele Litzbarski, zuständig für Standortkommunikation, während des Umstellungsprozesses hervor: Die sei sehr wichtig gewesen und verdiene „großes Lob“. Zusammen mit dem Frankenthaler Werk mit seinen 550 Beschäftigten sind auch Niederlassungen in Springfield (Missouri/USA) mit 65 Mitarbeitern, Helsingör (Dänemark, 50 Leute) und Mornago bei Mailand (Italien, 15) an den neuen Eigentümer übergegangen. Zudem würden 15 Siemens-Vertriebsmitarbeiter in China übernommen, erläuterte Neumann: „Das ist ganz wichtig für die Zukunft.“
Siemens-Mitarbeiter und Howden-Vertreter begegnen sich positiv
Die Colfax Corporation erzielte 2016 nach eigenen Angaben mit weltweit rund 16.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar. Die Tochtergruppe Howden sei daran mit etwa 1,4 Milliarden Dollar beteiligt, sagte Ulrik Damgaard. Die bisherige STE-Gruppe mit Sitz in Frankenthal erwirtschaftete 2016/17 (bis Ende September) nach Angaben Neumanns einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro. Die Profitabilität sei „besser geworden“, so Damgaard. Die bisherigen Begegnungen zwischen Siemens-Mitarbeitern und Vertretern von Howden haben die Frankenthaler als sehr ermutigend erlebt. „Wir haben Teams gebildet, die eng zusammenarbeiten“, sagte Neumann.
Weltweit 14.000 produzierte Maschinen im Einsatz
Dass sich hier zwei Traditionsunternehmen zusammentun, fördert offenbar die Gemeinsamkeit. Für die Frankenthaler Führung ist es daher folgerichtig, die eigene Tradition wieder stärker zu betonen – und den eingeführten Markennamen KK&K wieder zu verwenden. Der sei bei den Kunden international geschätzt, sagte dazu Ulrik Damgaard: „Weltweit arbeiten 14.000 Maschinen, die wir hergestellt haben. Manche davon sind schon 40 Jahre alt – und auch die reparieren wir noch.“ WIRTSCHAFT