Kirchheimbolanden
Warum Christian Mönch jetzt auch in Kirchheimbolanden Chefarzt wird
Dr. Mönch, Sie sind künftig Chefarzt der Chirurgie an allen drei Klinikstandorten, also in Kaiserslautern, Kusel und jetzt auch in Kirchheimbolanden. Waren Sie bisher nicht ausgelastet, oder was steckt dahinter?
Mönch: Das ist sicher nicht der Grund. Im Gegenteil. Wir versprechen uns durch das engere Zusammenrücken das, was man Synergieeffekte nennt. Was wir bereits seit vielen Jahren aufbauen, nämlich die Zusammenarbeit im Verbund, soll durch diese gemeinsame Leitungsebene noch enger werden. Dass wir das ausgerechnet jetzt in Kirchheimbolanden in Angriff nehmen, liegt einfach daran, dass Michael Schmid als Chefarzt in Ruhestand geht. Insbesondere er war es, der dieses Modell der gemeinsamen Leitungsebene immer favorisiert und vorangetrieben hatte. Wir alle sind sicher, dass es zu Entlastungen führen wird und zum Wohle von Patienten und Klinik ist. Durch die gemeinsame Chirurgie in der Westpfalz wird für die Menschen der Region eine qualitativ hochwertige, immer verfügbare und gleichzeitig heimatnahe Chirurgie sichergestellt.
Schmid: Nehmen wir mal das Beispiel Ausbildung der Assistenzärzte. Indem nicht mehr länger Bewerber für den jeweiligen Standort gesucht werden, sondern für die gesamte chirurgische Abteilung, können alle drei Standorte besser aufgestellt werden. Es wird nicht um Nachwuchs konkurriert, sondern die Bemühungen, um junge Mediziner zu gewinnen, werden gebündelt. Und natürlich ist davon auszugehen, dass das Klinikum in diesem Verbund als Arbeitgeber attraktiver wird.
Mönch: Wenn wir Chirurgen an allen drei Standorten einsetzen, können sie neben der Arbeit am Maximalversorger in Kaiserslautern auch in Kirchheimbolanden die Adipositaschirurgie kennenlernen und die Gefäßchirurgie in Kusel. Vielleicht entdeckt ein junger Mediziner oder eine junge Medizinerin dabei ja ihr Interesse daran und bleibt dort. Nicht jeder fühlt sich in einer Klinik der Maximalversorgung am wohlsten.
Die Ärzte werden in ihrer Ausbildung also rotieren?
Mönch: Nur wenn sie das wollen. Aber wir wissen, dass es den Wunsch bei vielen gibt. Auch im Oberarztbereich sind Rotationen sinnvoll und erwünscht, dadurch kann die Weiterbildung gestärkt werden. Wir wollen es ermöglichen, problemlos innerhalb des Verbundes zu wechseln oder zu rotieren.
Welchen Vorteil haben Patienten von der Zusammenlegung der Chefarztposition?
Schmid: Es wird noch leichter, Patienten standortübergreifend zu versorgen. Bereits heute werden Menschen aus dem Donnersbergkreis, die in Kaiserslautern operiert wurden, anschließend hier in Kirchheimbolanden weiterversorgt. So bieten wir eine Kombination von hoch spezialisierter Medizin und zugleich heimatnaher Versorgung. Und das, ohne dass der Patient sein Behandlerteam wechseln muss. Und wir merken deutlich, dass die Patienten das sehr zu schätzen wissen.
Aber es wurde doch auch bisher schon zusammengearbeitet
Mönch: Das ist richtig, wir standen beispielsweise bei den Tumorkonferenzen in Kontakt und haben bei der Behandlung von Darmkrebspatienten zusammengearbeitet. Jetzt aber wird das noch deutlich enger. Die Behandlungskonzepte werden so stringent vereinheitlicht, dass die Behandlung immer die gleiche ist, unabhängig wo sich der Patient befindet. Dies schafft für alle Bedürfnisse Möglichkeiten, diese zu erfüllen. Wir haben künftig tägliche Tele-Konferenzen, an denen Ärzte von den drei Standorten teilnehmen. Wir sind also überall auf dem gleichen Stand. Und natürlich haben wir vor, uns gegenseitig auszuhelfen, wenn mal ein Engpass besteht. Wegen Krankheit beispielsweise. Corona hat gezeigt, wie wichtig das sein kann.
Das klingt ja so, als wäre alles von langer Hand geplant?
Mönch: Was tatsächlich in den vergangenen Jahren immer deutlicher wurde ist, dass wir etwas tun müssen, um auch im Donnersbergkreis den Standort zu erhalten.
Zu diesem Zweck sollen ja die Abteilung für Innere Medizin und die Geriatrie nach Kirchheimbolanden umziehen. Ist das für die Standortsicherungen nicht genug?
Mönch: Ganz so einfach ist es leider nicht. Klar ist, wenn die beiden Abteilungen der Chirurgie und der Inneren nicht zusammengeführte worden wären, dann hätte das den Tod der Häuser im Donnersbergkreis bedeutet. Davon bin ich überzeugt. Aber es kommt eine einfache Rechnung hinzu. Der Donnersbergkreis ist mit seinen rund 70.000 Einwohnern für ein eigenes Krankenhaus eigentlich zu klein, zumal die Patienten in den Randlagen ja manchmal auch auf andere Krankenhäuser ausweichen. Andererseits brauchen diese 70.000 Menschen ja eine stationäre Versorgungsmöglichkeit. Deshalb haben wir sehr früh angefangen, westpfalzweit zu denken. Und dazu passt die gemeinsame Leitung der Chirurgie.
Sie haben die Krebschirurgie als Beispiel für die Zusammenarbeit der Kliniken genannt. Was gibt es noch?
Mönch: In Kaiserslautern haben wir als Maximalversorger jede Menge Notfälle. Daher kommen wir mit kleineren Eingriffen manchmal kaum hinterher, beispielsweise wenn für die Chemotherapie bei Krebsbehandlungen ein sogenannter Port unter die Haut gelegt werden muss, aber auch bei Operationen bei Gallensteinen oder Bauchwandbrüchen. Kleinere, aber trotzdem sehr wichtige Eingriffe, auf die Patienten in Kaiserslautern manchmal wochenlang warten müssen. Das ist sehr unbefriedigend, und die Möglichkeit der zeitlichen Beschleunigung ist oft für den Patienten wichtiger als der etwas erweiterte Fahrtweg. Diese Operationen können wir jetzt auch nach Kirchheimbolanden auslagern, je nach individuellem Wunsch. Zu diesem Zweck setzen wir dann Shuttlebusse ein. Eine Verkehrsverbindung, die künftig zwischen den Klinikstandorten sicher noch ausgebaut wird.
Soll also Kirchheimbolanden künftig nur noch für die kleineren und leichteren Operationen zuständig sein?
Mönch: Keineswegs, aber wir wollen bestehende Ressourcen mehr auslasten. Michael Schmid hat hier eine hochwertige Versorgung von Darmkrebspatienten und die Adipositaschirurgie aufgebaut. Das wollen wir unbedingt erhalten. Es ist nicht unser Ziel und wäre auch gar nicht möglich, alles in Kaiserslautern zu konzentrieren. Zumal es hier in Kirchheimbolanden ein Alleinstellungsmerkmal gibt, von dem wir profitieren können. Ich spreche vom Gesundheitszentrum, in dem Ärzte aus dem Klinikum im ambulanten Rahmen für ihre Patienten zuständig sind. Die Patienten werden vor einem Eingriff von ihrem gleichen Team betreut, das sie auch bei dem stationären Aufenthalt behandelt. Das ist, zumindest soweit ich weiß, bundesweit einzigartig. Das wollen wir unbedingt nutzen.
Wird es also nie mehr einen Chefarzt oder eine Chefärztin geben in der Chirurgie am Donnersbergkreis?
Schmid: Soweit würde ich nicht gehen. Vielleicht ist die Situation in fünf oder zehn Jahren eine andere, und man braucht das wieder. Derzeit aber geht es darum, die Strukturen im Verbund zusammenzuführen und zu verfestigen. Und das kann nur geschehen, wenn alles in einer Hand ist.
Welche Rolle spielt der Nachwuchsmangel an Mediziner bei dieser Entscheidung?
Schmid: Es ist richtig, es ist schwer Nachwuchsmediziner zu finden. Gerade auf der Chefarztebene. Aber das ist lediglich ein weiteres Argument, das uns auf diesem Weg bestärkt. Die Festigung des Verbundes durch gemeinsame Leitungsstrukturen haben wir bereits seit Jahren als Ziel. Jetzt, wo ich in Ruhestand gehe und Dr. Mönch zur Verfügung steht, ist aus unserer Sicht ein idealer Zeitpunkt für den Start.